Test und Ausblick Kinect, die Zukunft des Spielens

Kinect (Foto)
Kinect macht den Körper zur Steuerung. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Dank Datenklau steckt Sony tief in der Krise. Darunter leiden dürfte vor allem das Image der Playstation. Für die Xbox ist das die Gunst der Stunde - dank des zukunftsweisenden Steuersystems Kinect. News.de wirft einen Blick auf die Technik und in die Zukunft.

Auf der diesjährigen Consumer Electronics Show im Januar verkündete Microsoft, dass acht Millionen Einheiten der Bewegungssteuerung Kinect an Xbox-Spieler verkauft wurden. Zum Vergleich: Sonys Konkurrenzprodukt Move knackte die achte Millionen-Marke nach eigenen Angaben erst im April. Und das obwohl die Sony-Steuerung einen ganzen Monat Vorsprung hatte.

Im news.de-Test wurde deutlich: Kinect ist das bessere System. Das Gerät ist ein Paradebeispiel für Bedienfreundlichkeit - und dafür ist Microsoft nicht gerade bekannt. Anders als bei Move, dass aus einem Ensemble von Kamera und Controllern besteht, verbindet der Zocker hier nur den Kinect-Sensor mit der Xbox. Das geht problemlos und hält den Gerätezoo überschaubar. Ein Software-Update, dass zum Beispiel von Kinect-fähigen Spielen mitgeliefert wird, macht selbst Uralt-Xboxen fit für die Bewegungssteuerung.

Xbox Kinect
Das Blatt wendet sich
Video: news.de

Mehr zu Move erfahren Sie in unserem Test.

So funktioniert Kinect

Das Prinzip dahinter ist ausgeklügelt. Der Kinect-Sensor erfasst Körperbewegungen und das Gesicht. Dazu kombiniert das Gerät die Informationen einer Farbkamera, eines TiefensensorsDabei handelt es sich ebenfalls um eine Kamera, die den Raum mithilfe von Lichtimpulsen ausmisst. Dieser Infrarot-Projektor erlaubt es Kinect, den Raum quasi dreidimensional zu sehen und eines Multiarray-MikrofonsDas ist ein Mikrofon, dass in der Lage ist, Stimmen im Raum zu lokalisieren und sie aus Umgebungsgeräuschen herauszufiltern . Eine Software verarbeitet diese Daten und wandelt sie in Befehle um.

Kinect sammelt also viele Daten von seinen Spielern und deren Umgebung. Kein Wunder, dass dies Datenschützer auf den Plan ruft. Einige Kritiker sehen mit Kinect das Ende der Privatsphäre erreicht. Kamera, Mikrofon - warum holen sich Gamer dann nicht gleich Microsoft und die Werbeindustrie ins Wohnzimmer? Microsoft lässt sich zumindest Schlupflöcher offen: So weist das Unternehmen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich darauf hin, dass Spieler keinen besonderen Datenschutz in Bezug auf die Kinect-Nutzung erwarten sollten.

Präzises Spiel

Wer seine Datenschutzbedenken über Bord werfen kann, erlebt ein völlig neues Spielgefühl. News.de konnte Kinect mit dem Titel Kinect Adventures testen, einer kleine Sammlung von Mini-Geschicklichkeitsgames. Vor dem ersten Spiel will Kinect kalibriert werden, das kann einige Minuten dauern. Danach ist es aber allzeit bereit - anders als Move, dass vor jedem Spiel neu eingestellt werden muss.

Im Test mit Kinect Adventures zeigte sich das System äußerst präzise. Es erkannte selbst die kleinsten Bewegungen von Händen, Armen, Hüften und Beinen. Damit hauchen die Spieler ihrem Xbox-Avatar echtes Leben ein. Bequem ist auch das Spiel zu zweit. Der neue Gamer muss sich nicht etwa umständlich anmelden. Er springt einfach ins Sichtfeld von Kinect und schon erscheint auch sein Avatar im Boot, auf dem Laufband oder im Wasserglas.

Erstaunlich: Im Test konnte ein Spiel auch dann noch gesteuert werden, wenn der Gamer sich weit von der Idealposition mittig vor dem Fernseher entfernt. Ist der Spieler einmal nicht im Sichtfeld, weist das System mit einer kleinen Animation am oberen rechten Bildschirmrand darauf hin.

Kritik muss sein

Dass Kinect nur in Kombination mit einem perfekt abgestimmten Spiel glänzen kann, beweist Carnival: In Aktion. Im news.de-Test erwies sich die Steuerung teilweise unpräzise und interpretierte Bewegungen falsch - der Gewinn eines der Mini-Games ist hier oft Glückssache.

Gleich verloren haben alle, die nur ein kleines Wohnzimmer haben. Kinect erlaubt zwar viel Bewegungsfreiheit, verlangt aber viel Platz. Einen Abstand von etwa 1,80 Metern zu Kinect sollte jeder einhalten können.

Minuspunkte gibt es für die bislang magere Auswahl an Core-Games, die Kinect unterstützen. Das gab auch beim Test von Move Punktabzug. Bisher gibt es nur eine mehr oder weniger gelungene Auswahl an Casual-Games im Wii-Format, bei denen Spieler tanzen oder sporteln können. Damit bleibt Kinect hinter seinem Potenzial zurück.

Gegenüber news.de verrät Oliver Kaltner, Country Manager EMEA Retail Sales und Marketing Microsoft Deutschland, dass das Unternehmens den Fokus anfangs nur auf eine Zielgruppe gelegt hatte, die bisher wenig bis keinen Zugang zu Videospielen gefunden hat. Doch dies soll sich nun ändern. «Wir werden in den nächsten Wochen nun verstärkt Spielekonzepte für Kinect sehen, die sich gezielt an Gamer richten (...)», so Kaltner. Gemeint sind Spieler, die Konsolen intensiv nutzen.

Wie geht es mit Kinect weiter

Kinect wird nicht sklavisch an der Xbox hängen bleiben. Das macht Kaltner selbst deutlich: «Es ist davon auszugehen, dass wir mit der Bewegungs- und Sprachsteuerung von Kinect auch in andere Formen der modernen Kommunikation einmünden werden. Die aktuelle Ankündigung zu Skype ist ein Blick in unsere Vision.»  Auf konkrete Ankündigungen will sich der Manager aber nicht einlassen. Auf der E3 im Juni wolle Microsoft zeigen, wie die Zukunft von Xbox und Kinect im Entertainmentbereich liegen wird.

Obwohl das Unternehmen also eine klare Linie fährt und die Geräte als Unterhaltungszentrum im Wohnzimmer etablieren will, freue man sich über die vielen Ansätze zur Nutzung von Kinect in anderen Bereichen, wie sie derzeit viele unabhängige Entwickler vorantreiben. Ein vielversprechendes Konzept ist die Nutzung der Gestensteuerung für den PC. Ziemlich schnell nach dem Markteintritt hat Microsoft offene Treiber für Windows und Linux veröffentlicht. Mit Hilfe eines solchen offenen Treibers ist es den Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) sogar gelungen, dass Kinect jeden einzelnen Finger erkennt. Damit haben sie die Eingabe auf einer virtuellen Tastatur möglich und quasi die Computersteuerung aus dem Film Minority Report Realität werden lassen.

Das können mittlerweile auch Heimanwender nachmachen. In ihrer aktuellen Ausgabe zeigt die c‘t Schritt für Schritt, wie jeder seinen PC mit Kinect verbinden kann. Nötig ist dazu neben den richtigen Treibern auch ein Programm, dass Gesten in Kommandos umsetzt. Das gibt es bei dem kalifornischen Institute for Creative Technologies und nennt sich FAAST. Damit haben die Redakteure die Maus ersetzt und sogar einige PC-Spiele gesteuert. Dies funktionierte zwar in den meisten Fällen nicht sehr komfortabel. Die Redakteure haben aber Hoffnung, dass sich dies bald ändert: Micrsoft steht offenbar kurz vor der Veröffentlichung eines offiziellen Software Development Kits für Kinect, dass es Entwicklern ermöglicht, eigene Apps oder Games zu schaffen. 

bok/ham/news.de

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