Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Die Posse hat etwas Gutes: Der Henri-Nannen-Preis für den «Spiegel»-Autor Rene Pfister ist gleich wieder futsch. Aber durch die kleinkarierte Affäre kommt eine Diskussion in Gang, die für die deutsche Presse überlebenswichtig ist.
Die provinziell anmutende Posse rund um den Henri-Nannen-Preis wird etwas Gutes haben. Denn wenn einem Journalisten ein Preis für eine Reportage verliehen wird, die nur eine Art Patchwork aus eigener und fremder Recherche war, und dieser diesen Preis darauf hin zurückgeben muss, bringt das eine wichtige Diskussion wieder ins Rollen. Die um Qualitätsjournalismus und Qualität im Journalismus.
Es ist egal, ob die Juryentscheidung kleinkariert ist oder nicht. Es ist in diesem Einzelfall auch fast egal, ob der Spiegel mit seiner typisch verbrämten Schreibe sich selber in diese Preisfalle begeben hat. Wichtig ist nur eines: Es muss drüber geredet werden. Es muss diskutiert werden, unter welchen Bedingungen in diesem Land Nachrichten entstehen und in welchem Grad nur der Anschein erweckt wird, dass der jeweilige Journalist überhaupt das Büro verlassen hat.
Ja, es ist ein Rattenrennen der Verlage. Ja, manche Medien lassen sich in Ketten legen aus Angst vor dem Tode. Aber jeder Journalist hat es selber in der Hand, ehrlich zu sich und seinen Lesern zu sein. Denn darum geht es. Darum muss es gehen. Der Berufsstand des Journalisten ist schon jetzt einer der am wenigsten angesehenen in Deutschland. Und damit sind nicht nur schmierige Witwenschüttler der Boulevardzeitungen gemeint.
Dass auch bei den Zeitungen und Zeitschriften das Überleben langfristig nur mit Qualität gelingt, zeigt das Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die mit teils famosen Schreibern in den vergangenen Jahren gegen den Trend stetig an Auflage zulegen konnte.
Das Beispiel zeigt, dass es möglich ist, auch in ökonomisch schwierigen Zeiten mit ehrlichem Handwerk Leser zu gewinnen. Und wenn sogar der Spiegel, das vermeintliche Leitmedium der Republik, handwerkliche Ungenauigkeiten wie im aktuellen Fall zulässt, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass es um den Journalismus in Deutschland nicht allzu gut bestellt sein kann. Das zu ändern liegt in der Hand eines jeden, der einen Presseausweis mit sich herumträgt und für andere schreibt.
kas/news.de