Georg Uecker Ralph Siegel und die Voodoopuppe

Georg Uecker (Foto)
Georg Uecker und Guildo Horn bei einer Musicalpremiere im Jahr 2005.   Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Der Schaupieler Georg Uecker ist Grand-Prix-Fan der ersten Stunde. Im Gespräch beurteilt der Lindenstraße-Darsteller die sängerischen Qualitäten des 2011er Jahrgangs und warnt dabei vor dem Urlaubsfoto-Effekt.

Die ESC-Teilnehmer 2011

Herr Uecker, wenn Sie jetzt jemand anruft, und ihnen 5000 Euro bietet, am kommenden Samstag ein Betriebsfest zu moderieren, was würden Sie diesem Menschen antworten?

Georg Uecker: Oh, das wäre in der Tat ein Problem. Die Summe müsste schon signifikant höher sein (lacht). Nein, aber im Ernst, ich habe mir den Grand Prix seit 1973 jedes Mal angeschaut. Nur ein einziges Mal nicht live, da stand ich im Theater auf der Bühne und konnte schlecht sagen, dass ich nicht spielen kann. Damals bin ich nach Hause gegangen und habe mir dabei die Ohren zugehalten und mir dann gebannt das Video angeschaut. Also, ich würde nur ungern ein Betriebsfest für 5000 Euro moderieren.

Der Eurovision Song Contest hat den Ruf einer Familienfeier und einer ausgelassenen Party. Ihre Prognose: Wird es in diesem Jahr anders sein?

Eurovision Song Contest
Sie singen um die Schlagerkrone

Uecker: Nein, allein aus dem vergangenen Jahr zu urteilen wird es ganz großartig. Ich habe das Finale im Kölner Gloria-Theater moderiert und kam direkt aus Oslo. Das war schon eine herausragende Stimmung damals.

Wein wird ja gewöhnlich nach Jahrgängen eingeordnet – ob gut oder eben nicht so gut. Wie ist der 2011er Jahrgang des Eurovision Song Contest?

Uecker: Der wird wohl eher im mittleren Bereich sein. Es gab schon bessere Jahrgänge, aber auch schlechtere. Man muss allerdings auch auf den Urlaubsfoto-Effekt aufpassen. Denn in der Erinnerung werden oft vergangene Erlebnisse und in diesem Fall Lieder, positiver wahrgenommen. Aber ich würde sagen: Es ist ein solider Jahrgang.

ESC 2011 - Deutschland
Lena - Taken By A Stranger
Video: boi/news.de/youtube

Fehlt denn in diesem Jahr vielleicht ein wenig die Freakshow?

Uecker: Nein nicht wirklich. Normalerweise gibt es ein, zwei Songs, die im Voraus schon so ins Ohr gehen, dass man bei einem Wettbüro in London mal ein paar Pfund setzen kann. Im vergangenen Jahr war ich mir komischerweise nicht so sicher, aber 2009 mit Alexander Rybak habe ich einiges verdient. In diesem Jahr ist es wirklich schwer, weil wirklich herausragende Songs nicht dabei sind.

Wenn man am Samstagabend für jede zwölf Punkte für Lena einen Eierlikör trinkt, bleibt man dann nüchtern?

Uecker: Naja, sagen wir es so: Man bekommt sicher keine Alkoholvergiftung. Aber man soll sich da auch nicht täuschen lassen. Im vergangenen Jahr dachte ich im Vorfeld, dass es Lena unter die Top Zehn schaffen würde. Sie hat aber dort von Tag zu Tag mehr gezeigt und auch für mich dazugewonnen. Kurz vor dem Finale habe ich sie auf Platz 5 gesehen und am Finaltag selber unter den ersten dreien. Es hat aber noch keine Person zwei Jahre hintereinander gewonnen. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung steht auch dagegen.

Der Produzentenwettbewerb für Lena kam mir persönlich ein wenig wie ein Schnellschuss vor. Wie war Ihr Eindruck?

Uecker: Das kann ich jetzt gar nicht beurteilen. Es wurde zumindest kommuniziert, dass erstaunlich viele Lieder eingereicht wurden. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Zahlen erfunden waren. Es kommt natürlich immer drauf an, was man will. Wenn man sieht, dass daraus drei Abendshows bestritten wurden und das Album in der Form auf Platz eins einsteigt, hat man ja schon gewonnen, bevor man die Stadt verlassen hat. Eingängige Lieder waren ja dabei. In den iTunes-Charts waren damals fünf ihrer Lieder unter den Top 10.

Und Stefan Raab ist immer dabei...

Uecker: Ja, er ist an der Musik als Produzent beteiligt, die TV-Shows produziert er mit und moderiert sie. Und dann kommt er auch noch dazu, den Song Contest vor hundert Millionen Zuschauern zu moderieren. Ich glaube, Ralph Siegel sitzt gerade in seiner Wohnung und sticht auf eine Voodoopuppe ein.

Hat der Vorstoß von Stefan Raab in die Sphären des ESC dem Wettbewerb denn gut getan?

Uecker: Ja, unbedingt. Dabei muss man sagen, dass es nicht nur er ist. Die Zeiten haben sich geändert. Früher hieß es oft: «Huch, ein Schlagerwettbewerb, das ist ja ganz schön trutschig». Und die Blumengestecke und Caroline Reiber sind auch noch im Hinterkopf. Aber dann schauen Sie jetzt mal nach Düsseldorf, was da für ein Rambazamba gemacht wird. Die ARD freut sich sicher über so viele junge Zuschauer wie selten. Dass Stefan Raab das aufpeppt und dass Acts wie Lordi gewonnen haben, hat das Ganze etwas offener und durchlässiger gemacht.

Gibt es für Sie eigentlich etwas, was Europa besser verkörpert als der Song Contest?

Uecker: Man darf da nicht zu viel reinlegen. Als ich das als Kind geschaut habe, hatte das schon etwas Schönes, diese Utopie. Mit dem Finger auf der Landkarte. Und es war immer, trotz aller politischen Turbulenzen eine friedliche Veranstaltung. Und sie ist älter als die Römer Verträge. Aber popmusikalisch ist sie Ausdruck dieser Geisteshaltung, ein wenig enger zusammenzurücken.

Aber es ist eine Utopie?

Uecker: Na ja, das kommt darauf an. Die Veranstaltung selber ist keine Utopie, und die Vorstellung, dass da ganz Europa vor dem Fernseher sitzt, ist schon ein schönes Bild. Und es hat noch keine Toten und Verletzten gegeben.

Wie lautet denn ihre Diagnose? Hat der Patient Deutschland ESC-Fieber?

Uecker: Der Hype ist unglaublich. In den Jahren 1989 bis 1996 habe ich das mit ein paar Freunden in einer abgedunkelten Wohnung geguckt und man musste damals als ESC-Fan mit einer Papptüte über dem Kopf durch die Straßen gehen. Jetzt gibt es Public Viewing im neudeutschen Sinn, vorher war es eher im amerikanischen Wortsinn eine Leichenschau.

Wohin müsste man in Europa reisen, um noch mehr Begeisterung als hierzulande zu erleben?

Uecker: Als Halbnorweger, der in Oslo aufgewachsen ist, würde ich sagen: Norwegen. Als die Norweger 1985 in Göteborg das erste Mal gewannen, war drei Tage Ausnahmezustand und die größte Zeitung hatte eine 32-seitige Beilage. Das ist eben auch ein Wettbewerb, der anders ist als die Fußball-Europameisterschaft. Es ist für ein kleines Land wie Norwegen weitaus schwieriger elf gute Fußballer zusammen zu kriegen als ein paar kreative Köpfe, die sich zum Ziel setzen, den Eurovision Song Contest zu gewinnen.

Georg Uecker (48) spielt in der Lindenstraße die Rolle des Dr. Carsten Flöter. Uecker ist ein engagierter Vertreter der Schwulenbewegung und hatte in den vergangenen Jahren mit einer schweren Krankheit zu kämpfen. Beim diesjährigen Eurovision Song Contest ist er als Experte für mehrere Medien unterwegs.

boi/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Michael heinze
  • Kommentar 1
  • 10.05.2011 21:55

Stelle mir gerade bildlich vor wie Ralph Siegel auf eine kleine Stoffpuppe einsticht die aussieht wie Stefan Raab hihihi.... oder spielt er vor Wut smoke on the Water auf dem Schifferklavier?

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