Die Internationale Buchmesse in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires war schon in früheren Jahren gut besucht. Im Gegensatz zur Frankfurter Buchmesse ist die Bücherschau am Rio de la Plata eine Besuchermesse. Und schon immer waren die Argentinier auch sehr stolz auf ihre Autoren und ihre Bücher.
Buenos Aires (dpa) - Die Internationale Buchmesse in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires war schon in früheren Jahren gut besucht. Im Gegensatz zur Frankfurter Buchmesse ist die Bücherschau am Rio de la Plata eine Besuchermesse. Und schon immer waren die Argentinier auch sehr stolz auf ihre Autoren und ihre Bücher.
Das Land verfügt über eine sehr aktive Verlagsindustrie, eine hohe Dichte an Buchhandlungen und eine Alphabetisierungsrate von 97,4 Prozent - die höchste auf dem lateinamerikanischen Kontinent.
Auch die Buchmesse selbst - die Feria - ist mit rund 45 500 Quadratmetern Fläche und 1500 Ausstellern aus 42 Ländern nach Angaben der Veranstalter die größte ihrer Art in der spanischsprachigen Welt. Und doch übertrifft sich das Literaturland Argentinien in diesem Jahr noch einmal selbst, so viel Selbstbewusstsein in Sachen Bücher wie auf der 37. Buchmesse war selten.
Eröffnet wurde die Messe von keinem Geringeren als dem frischgebackenen Literaturnobelpreisträger, dem Peruaner Mario Vargas Llosa. Mehrere hundert Menschen waren gekommen, um seine Rede zu hören und warteten stundenlang, um einen der begehrten Plätze im Saal zu bekommen. Statt wie erwartet über die argentinische Politik zu schimpfen, lobte der Autor Buenos Aires, die Stadt, die eine «geheime Verbindung zu den Büchern» habe und bekannte, dass die argentinische Literatur einen großen Einfluss auf seine Entwicklung als Autor gehabt habe.
Weitere Gast-Autoren auf der Messe waren der Chilene Jorge Edwards, die mexikanische Schriftstellerin Margo Glantz sowie die Spanier Rosa Montero und Antonio Muñoz Molina. Aus Deutschland war der Kultur- und Literaturkritiker Diedrich Diederichsen dabei. Zudem ehrte die Buchmesse die in diesem Jahr gestorbene Schriftstellerin Maria Elena Walsh und den Autor David Viñas.
Besondere Auszeichnung für das Leseland Argentinien in diesem Jahr ist die Verleihung des Unesco-Titels «Weltstadt des Buches», den die Messe mit einer langen Nacht am 23. April feierte. Der Titel wird jedes Jahr von der Unesco an Städte vergeben, die sich durch eine besondere Förderung von Büchern und des Lesens auszeichnet. Die Regierung versucht vor allen Dingen, Grundschulen mit Leseförderungsprojekten zu unterstützen.
Die Verlagsstände präsentieren viel Neues in diesem Jahr. Bei der Auswahl der Autoren durch größere Verlage habe sich etwas verändert, meint der Messebesucher Juan Erre, selbst junger Schriftsteller aus Mexiko. Er habe viel mehr junge Autoren entdeckt, sonst seien es vor allem Klassiker wie Borges und Cortázar gewesen.
Auch die Zahlen der Buchbranche sind positiv. Nach einem Einbruch nach der Wirtschaftskrise in den Jahren 2001 und 2002 ist die Zahl der Neuerscheinungen kontinuierlich gestiegen. Für das Jahr 2010 verzeichnet die Kammer für das Verlagswesen etwa 22 800 Neuerscheinungen, über zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Entwicklung der argentinischen Buchbranche zeichnet sich jedoch eher durch Qualität als durch Quantität aus. Denn die Gesamtzahl der Neuauflagen ist von 75 Millionen auf rund 60 Millionen zurückgegangen.
International hat die argentinische Buchindustrie sehr von ihrem Gastauftritt in Frankfurt profitiert. Dank des Programmes SUR wurden Übersetzungen von fast 300 Titeln finanziert. Botschafterin und Präsidentin des Organisationskomitees Frankfurt 2010, Magdalena Faillace, möchte daher das Programm gemeinsam mit der Regierung fortführen.
Trotz des allgemein großen Erfolges der Feria und der Buchindustrie bleibt die Lage der kleineren unabhängigen Verlage in Argentinien schwierig. Denn wie auch auf dem Markt selbst führen sie auch auf der Messe aufgrund der hohen Standgebühren ein schwieriges Rand-Dasein.
news.de/dpa