So., 27.05.12

Horrorfilme 07.05.2011 Die Lust am Gemetzel

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news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann

Kreischen, zittern, grausen und dafür auch noch Geld bezahlen: Warum gruseln sich Horrorfilmfans so gerne?, fragt sich news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann und begibt sich in die Abgründe der menschlichen Psyche.

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Das Grauen kriecht die Wirbelsäule hoch und bricht sich in einem Entsetzensschrei Bahn. Der Wohlfühlfaktor in solch einem Moment dürfte nicht gerade übermäßig groß sein. Warum also bereitet es so vielen Menschen so ein Vergnügen Horrorfilme zu schauen?

Da gibt es ja erst einmal zwei Kategorien von Horrorfilmfans: Diejenigen, die sich kreischend an die Plüschlehne respektive die Begleitung krallen, und diejenigen, die sich um einen abgebrühten Eindruck bemühen. Für letztere mag das eine Art Mutprobe sein, die ersteren scheinen sich hingegen nach Entgrenzung zu sehnen.

So ein Schrei kann ja ungeheuer befreiend sein, da kann man mal alles raus lassen, Hemmungen fallen lassen, sich Gehör verschaffen, Stress abbauen. Der Erschreckte erlebt einen Moment, der ihn auf die nackte Existenz zurückwirft und gleichzeitig vor Augen führt, wie herrlich sicher er doch auf dem kuscheligen Kinosessel oder Sofa ist. Viele Gruselfilme leben allerdings auch davon, dass sie genau das in Frage stellen: die eigene Sicherheit.

Der Horror sucht ja auch gern scheinbar harmlose, idyllische oder freudige Situationen, weil er da umso grausamer zur Geltung kommt: Das Massaker auf der Studentenparty, der metzelnde Clown, der Killer in der Hochzeitsnacht. Das reißt uns den Boden unter den Füßen weg, hebelt das Selbstverständliche aus: Von einen Moment auf den anderen kann alles anders sprich ganz furchtbar sein. Das ist natürlich auch aufregend, bringt Nervenkitzel in den trägen Alltag zwischen Bürosmalltalk und Kuschelabenden auf dem Sofa. Es ist der gleiche Mechanismus, der Schaulustige zum Verkehrsunfall zieht, Psychologen nennen das Angstlust.

Psychopath oder nicht Psychopath - das ist hier die Frage

Im Horrorfilm kann dann auch die Logik schon mal ausgehebelt werden, etwa wenn sich der Mörder in Zeitlupe bewegt, das Opfer aus Leibeskräften rennt, ihm aber doch nicht entkommen kann - eine klassische Albtraumszene. Hier geht es um archaische Triebe: Der Fluchtreflex weckt das Tier in uns.

Je nachdem, ob es einem Freude macht, sich in den Täter oder das Opfer hineinzuversetzen, ist dabei eine milde Form von Sadismus oder Masochismus im Spiel. Wenn der Maskenmann mit dem Fleischermesser über die Leinwand tobt, fasziniert den einen vielleicht das Abgründige, der andere will sich vergewissern, dass er selbst kein Psychopath ist.

Das alles ist natürlich nichts für Feiglinge und so ist es wohl auch eine Art Mutprobe, dabei zuzusehen, wie verschreckte Collegemädchen durch dunkle Hausflure schleichen, während der Irre hinter ihr die Hand ausstreckt. Deswegen macht es auch gleich doppelt so viel Spaß, Horrorfilme gemeinsam zu schauen. Da können sich Gefahrensucher als ganz harte Hunde profilieren und die Schreckhaften machen sich gegenseitig Mut - das schweißt natürlich zusammen.

Der Flirtfaktor ist dabei auch nicht zu unterschätzen: Das Mädchen kann sich mit Kulleraugen an seine starke Schulter schmiegen oder die Taffe markieren. Er darf Beschützer sein oder den noch Härteren geben. Und natürlich muss er sie später bis vor die Haustür bringen – denn man kann ja nie wissen, welche Unholde sich im Gebüsch herumtreiben.

Wer sich gruseln möchte: Im Kino läuft derzeit Scream 4 - und hier ist die news.de-Rezension zum Film.

car/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Kirstin
  • Kommentar 2
  • 08.05.2011 09:50
 Antwort auf Kommentar 1

Ich mag ja gute Psycho-Thriller und intelligenten Horror. Aber dabei habe ich weniger Angst als bei der Vorstellung, heutzutage nachts alleine Bahn fahren zu müssen. Wohl dem, der ein Auto hat. Die Verkörperung der Sicherheit wie die heimelige Couch. :-)

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  • Wilfried Hary
  • Kommentar 1
  • 07.05.2011 18:23
 

Da urteilt mal wieder jemand, der absolut nicht den geringsten Schimmer hat von praktischer Psychologie und vor allem nicht vom Horror-Genre! Anstatt jemanden zu fragen, der sich darin auskennt. Wie beispielsweise einen Horrorautor. Wie beispielsweise... mich. Außerdem bin ich von Haus aus Journalist und schrieb über die Beweggründe von Horrorfans schon vor Jahrzehnten: "Wer das übersteht, traut sich wieder, mit der U-Bahn zu fahren!" Falls jemand diesen Satz begreift, ist er schon besser dran als die Autorin dieses Artikels...

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