So., 19.05.13

Barbara Salesch «Ich empfinde das als Zuschauerbeleidigung»

Barbara Salesch (Foto)
Jubiläum: Barbara Salesch feiert mit ihrer Gerichtshow die 2000. Ausgabe. Bild: Sat.1/ Stefan Menne

Von news.de-Mitarbeiter Martin Weber
Glückwunsch, Euer Ehren: Barbara Salesch feiert die 2000. Ausgabe ihrer Gerichtssendung bei Sat.1. Im Interview spricht die Richterin über Kritik an ihrem Format, das Jubiläum und ihre Ambitionen als Künstlerin.

Frau Salesch, welch ein Zufall: An dem Tag, an dem die 2000. Folge Ihrer Gerichtsshow ausgestrahlt wird, werden Sie 61 Jahre alt. Welches Urteil würden Sie über Ihr bisheriges Leben fällen?

Salesch: Ich muss sagen, ich bin sehr dankbar und schaue strahlend zurück. Wenn das auch weiterhin so gut läuft wie in den vergangenen 61 Jahren, bin ich sehr zufrieden und glücklich.

Dass viele Leute Ihre Show als Klamauk oder gar Krawall bezeichnen, stört Sie also gar nicht?

Salesch: Es stört mich nicht, zumal genauso viele oder sogar noch mehr meine Sendung gut finden – diese Stimmen machen sich nur nicht so laut bemerkbar wie die anderen.

Der Vorwurf, dass Sie Unterschichtenfernsehen betreiben, lässt Sie völlig kalt?

Salesch: Schon den Begriff «Unterschichtenfernsehen» halte ich für außerordentlich fragwürdig. Das ist eine Überheblichkeit, die mich sehr stört. Ich empfinde das geradezu als Zuschauerbeleidigung, deren Gebühren man aber dankend annimmt. Wer diesen Begriff gebraucht, macht das ja in der Regel auch nur, um sich selbst aufzuwerten. Was oft übersehen wird: Eine Unterhaltungssendung muss in erster Linie abwechslungsreich sein, das ist doch völlig klar. Sogar der frühere Präsident des Bundesgerichtshofs, Günter Hirsch, hat über meine Sendung gesagt, dass man die Justiz den Menschen auch mit Mitteln der Unterhaltung näher bringen kann.

Einspruch, Euer Ehren: Mit dem realen Gerichtsalltag hat Ihre Show doch relativ wenig zu tun.

Salesch: Stattgegeben. Sie hat mit dem realen Gerichtsalltag genauso wenig zu tun wie jeder Tatort mit dem Alltag der Kriminalpolizei. Das Fernsehen, und das gilt selbstverständlich auch für meine Sendung, zeigt nicht den Alltag, sondern immer etwas Besonderes, das spannend ist. Das gilt übrigens für alle Medien. Meine Zuschauer wollen Abwechslung haben und sind alt und weise genug, um zu sagen, dass es so bei Gericht nicht zugeht. Allerdings würde es so mancher echten Verhandlung gut tun, wenn die Beteiligten mehr reden und aus sich rausgehen dürften.

Das wäre ein ziemliches Chaos, wenn es sich so abspielen würde wie in Ihrer Sendung, wo jeder jeden beschimpft und sich manchmal sogar Prozesszuschauer einschalten.

Salesch: Natürlich nicht so wild wie in einer Unterhaltungssendung, da haben Sie recht, wobei ich das gar nicht so wild finde übrigens. Wenn es mir zu viel wird, sanktioniere ich das schon. So etwas muss bei Gericht natürlich anders gehandhabt werden, ist im Rahmen einer Unterhaltungssendung aber völlig legitim. Und noch etwas: Meine Sendezeit ist begrenzt, ich muss mit einem Fall in einer Stunde fertig werden, der Zuschauer möchte schließlich ein Ergebnis. Ich lege allerdings Wert darauf, dass es bei mir juristisch korrekt zugeht. Juristische Schnitzer kann ich mir als bestbeobachtete Richterin auch gar nicht leisten. Meine Urteile, die ich in der Sendung fälle, entsprechen übrigens denen, die ich im wirklichen Leben in einer vergleichbaren Situation auch fällen würde. Nur hatte ich früher für die Begründung mehr als zwei Minuten.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Barbara Salesch zur TV-Richterin wurde.

Warum sind Sie denn vor mehr als 30 Jahren Richterin geworden?

Salesch: Das war reiner Zufall, ich wollte eigentlich Anwältin werden. Wesentlich war für mich vor allem, dass ich selbstständig arbeiten kann. Ich habe dann aber einen wunderbaren Richter beim Oberlandesgericht in Hamburg getroffen und als Referendarin erlebt, danach hat mich der Richterberuf fasziniert. Man kann beide Seiten sehen und muss erst dann entscheiden – ein fantastischer Beruf. Außerdem hat mich die Unabhängigkeit gereizt.

Und irgendwann war Ihnen der Job beim Landgericht dann langweilig und Sie sind lieber zum Fernsehen gegangen.

Salesch: Das kann ich so nicht sagen, dazu bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind (lacht). Meine Hamburger Landgerichtspräsidentin wurde gefragt, ob sie jemanden kennt, der im Fernsehen ein Schiedsgericht übernehmen könnte. Mit echten Parteien und echten Fällen, so haben wir ja angefangen. Und da hat sie gleich an mich gedacht. Den Leuten vom Fernsehen hat meine spontane Art gefallen, und so kam es dazu.

Gucken Sie Ihre eigene Sendung?

Salesch: Definitiv. Schon um zu sehen, was ich verbessern kann. Und wenn ich im Urlaub bin oder wenn ich mal krank bin und die Beine hochlege, dann sogar regelmäßig. Ich schau auch bei den anderen gelegentlich mal rein, beim Kollegen Alexander Hold oder Zwei bei Kalwass. Ich habe in der Regel zwar keine Zeit fernzusehen, mein Terminkalender ist randvoll. Aber informiert bin ich schon.

Sie sind seit zwölf Jahren Fernsehrichterin. Wann ist Schluss?

Salesch: Spätestens mit 65 höre ich auf. Dann werde ich auch in Hamburg pensioniert. Es wird auf keinen Fall länger.

Und was kommt dann?

Salesch:
Dann widme ich mich nur noch der Malerei und der Bildhauerei, das war schon immer mein Ziel. Ich studiere derzeit parallel zu meinem Hauptberuf an der Kunstakademie in Bad Reichenhall – eine Vorbereitung auf mein neues Leben nach der Juristerei sozusagen. Ich beschäftige mich aber schon seit 20 Jahren aktiv mit der bildenden Kunst, hatte schon in Hamburg mein Atelier.

Was malen Sie denn für Bilder?

Salesch: Abstrakt, völlig abstrakt. Definitiv nichts Konkretes. Derzeit zu Themen wie Dynamik, Kraft und Bewegung. Am liebsten groß und mit so viel Farbe, dass es eine Lust ist.
 

Seit 1999 sitzt Barbara Salesch im Nachmittagsprogramm von Sat.1 über kleine und große Sünder zu Gericht. Jetzt feiert die temperamentvolle Fernsehjuristin mit den markanten roten Haaren Jubiläum: Am 5. Mai ist die 2000. Ausgabe der Gerichtsshow zu sehen, in der echte Juristen und Laiendarsteller in gespielten Prozessen fiktive Fälle verhandeln.

Richterin Barbara Salesch, Montag bis Freitag, 15 Uhr bei Sat.1.

wam/ruk/reu/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Buntstift
  • Kommentar 2
  • 04.05.2011 15:53
 

Die Sendung hat, wie Frau S. sagt "mit dem realen Gerichtsalltag genauso wenig zu tun wie jeder Tatort mit dem Alltag der Kriminalpolizei". Beim Tatort weiss der Zuschauer, dass es sich um eine Krimiserie handelt. Bei diesen ganzen Gerichtsschmonzetten wird der Eindruck erweckt, als handle es sich um "richtige Fälle". Erfolgreiche Juristen sind im "richtigen Rechtsleben" unterwegs und können über "aus Gerichten ausgebüchste" Schauspieljuristen nur leise grinsen. Es ist "die 3. Garnitur von Juristen", die den Trash-Sendern für ihre "Nachmittagskundschaft" zur Verfügung stehen.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 1
  • 04.05.2011 14:51
 

Das mit den Beiträgen sieht Frau Salesch ganz bestimmt verkehrt - die werden nicht angenommen, die werden regelrecht geplündert Mittels fragwürdiger Erlasse. Und was die Qualität derartiger Sendungen betrifft - die Feststellung "Unteerschichtenfernsehen" betrifft wohl in erster Linie das Gebotene. Wer das regelmäßig anschaut, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Wenn bei den Zuschauern noch Verstand da wäre, würde es sich um vorsätzliche Körperverletzung handeln. So aber kann wenigstens nichts mehr kaputt gemacht werden.

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