Durchgehört Das heiße Süppchen der Beastie Boys

Krebs war Schuld: Mit zwei Jahren Verspätung erscheint das achte Album der Beastie Boys. Auf Hot Sauce Committee kochen sie ein durchaus heißes, scharfes Rap-Süppchen. Daneben zeigen Yael Naim und Rubik mit neuen CDs ihre Vielseitigkeit.

25 Jahre im Geschäft. 40 Millionen verkaufte Platten. Grammys, Nummer-1-Alben und jede Menge Kritikerlob. Für die Beastie Boys ist das kein Grund, auch nur einen Gedanken an ein Wort wie «Alterswerk» zu verschwenden. Das Rap-Trio aus New York zeigt sich stattdessen auf Hot Sauce Committee Part 2 in bestechender Form.

Wie frech Mike D, Ad Rock und MCA nach wie vor sind, beweist beispielsweise Nonstop Disco Powerpack, das zweite Stück des achten Studioalbums. «Wie geht's Dir, MCA?» wollen die Beastie Boys da von ihrem Bandkollegen wissen. Das ist natürlich die im Hip Hop übliche Selbstbestätigung: Wir sind wieder da. Wir bringen’s noch. Wir werden’s euch zeigen - auch, wenn wir stramm auf die 50 zugehen. Doch die scheinbar banale Frage bekommt eine zusätzliche Dimension. Schließlich hat MCA in den vergangenen Jahren eine Krebserkrankung überwunden. Ihn da zu fragen, ob er sich gut fühlt - das hat mindestens einen doppelten Boden. Am liebsten machen die Beastie Boys also noch immer Witze über sich selbst, sogar wenn die Pointe mit Chemotherapie zu tun hat.

Wegen der Krankheit musste das Album, das eigentlich schon 2009 erscheinen sollte, mehrfach verschoben werden und einige der Tracks sind zwischendurch bereits auf anderen Wegen veröffentlich worden. Doch das hat Hot Sauce Committee Part 2 nicht geschadet. Many Rappers ist eine grandiose Kampfansage als Duett mit Nas. Bei Lee Majors Come Again spüren die Beasties wieder ihren Punkwurzeln nach, Here’s A Little Somethin‘ For Ya ist äußert inspiriert. Das Album hängt zwar in der Mitte etwas durch, ist insgesamt aber sehr stark und abwechslungsreich. Und bietet, nach dem etwas kopflastigen To The 5 Boroughs und dem instrumentalen Vorgänger The Mix Up auch wieder reichlich Hits.

Interpret: Beastie Boys
Album: Hot Sauce Committee Part 2
Plattenfirma: Emi
Erscheinungsdatum: 29. April 2011

Bei Yael Naim dauert anscheinend alles ein bisschen länger. Als Kind in Israel schwärmte sie lange für Klassik, bevor sie als Zwölfjährige doch noch die Popmusik für sich entdeckte. Nach dem Debütalbum 2001 schwenkte Yael Naim auch in ihrem eigenen Stil um und fand erst mit ihrer zweiten CD im Jahr 2007 einen überzeugenden musikalischen Ausdruck für ihre Persönlichkeit. Und erst, als ihr Lied New Soul in der Werbung für Apples neues Macbook Air zu hören war, bedeutete das den echten Durchbruch für Yael Naim.

Auch für den Nachfolger She Was A Boy ließ sie sich Zeit. Das Album ist Ende 2010 in Frankreich erschienen, nun kommt es auch in Deutschland auf den Markt - und wird vor allem all jenen gefallen, für die Musik in erster Linie schön sein muss.

Die Bandbreite reicht von Blues bis Jazz, dazu kommen lateinamerikanische und arabische Einflüsse. Immer wieder schafft es Yael Naim, ausgefallene Rhythmen in ihre Lieder zu schmuggeln, ohne dass die deshalb an Eingängigkeit oder Wohlklang verlieren. Manches gerät zwar übertrieben dramatisch oder unnötig opulent. Aber wer Norah Jones schätzt oder die frühe Nelly Furtado, der sollte sich beeilen, Yael Naim für sich zu entdecken.

Interpret: Yael Naim
Album: She Was A Boy
Plattenfirma: Tot ou tard
Erscheinungsdatum: 22. April 2011

Das versteht man also in Finnland unter Humor. Ausgerechnet Solar haben Rubik ihr drittes Album genannt. Dabei ist die Platte in ihrer Heimatstadt Helsinki entstanden - in einem würfelförmigen Raum, den Architekt Alvar Aalto in den 1950er Jahren entworfen hat und in den kein Licht dringt. Dass in dem Würfel-Saal auch schon Jimi Hendrix, Frank Zappa oder John Coltrane aufgetreten sind, musikalische Freigeister also, passt dabei gut ins Bild. Denn zu dieser Kategorie muss man unbedingt auch Rubik zählen.

Das Quartett um Sänger und Gitarrist Artturi Taira zeigt auf seinem dritten Longplayer große Könnerschaft, enorme Kreativität und fast schon waghalsige Abenteuerlust. Mit dem Licht sind bei den Aufnahmen zu Solar offensichtlich auch alle Hemmungen, Schranken und Konventionen außen vor geblieben.

Solar strotzt vor Ehrgeiz, spielt mit Widersprüchen und schafft es, aus teilweise kitschigen Einzelteilen ein Ganzes zu formen, das voll und ganz cool ist. Immer wieder zeigen Rubik: Im Jahr 2011 hat Indie endgültig seine Scheuklappen abgelegt - und darf ab jetzt auch Spaß machen statt verkniffen zu sein.

Interpret: Rubik
Album: Solar
Plattenfirma: Fullsteam
Erscheinungsdatum: 6. Mai 2011

mik/cvd/news.de

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