The Wombats Indierock-Songs für den Augenblick

So richtig hat das nicht geklappt mit dem komplett neuen Sound. Mit This Modern Glitch präsentieren die Wombats stolz ihr zweites Album - und darauf doch wieder die eine oder andere Gute-Laune-Indierock-Hymne, die unmittelbar in die Beine schlüpft.

This Modern Glitch (Foto)
The Wombats präsentieren ihr zweites Album: This Modern Glitch. Bild: verstaerker.com

Eigentlich wollten sie auf ihrem zweiten Langspieler grundsätzlich anders klingen. Ganz ist dann den Wombats auf This Modern Glitch nicht gelungen. Aber teilweise. «Unsere ursprüngliche Idee war, dass wir uns relativ weit von dem entfernen, wofür wir bekannt sind, und wo wir uns allzu wohl fühlen», erklärt Sänger Matthew Murphy und ergänzt: «Das ist zwar an und für sich eine gute Idee, aber bei den ersten Songs war die Reaktion beim Label vor allem Verwirrung.»

Gründe für die angedachte Neuausrichtung gab es ausreichend. So musste etwa der überbordende Erfolg des Debütalbums A Guide To Love, Loss And Desperation verarbeitet werden. Versehen mit gleich mehreren, die Tanzflächen füllenden Hits wie Backfire At The Disco, dem preisgekrönten Let's Dance To Joy Division oder Moving To New York hielt es sich über 40 Wochen in den UK-Charts und bescherte dem Trio aus Liverpool gleich Platin. Es folgte eine ausgedehnte Tour, nach der die Band laut Schlagzeuger Dan Haggis «physisch und mental ziemlich am Ende» war. Hinzu kam, dass Haggis und Murphy jeweils einen Autounfall hatten.

Das Neue sucht er im Altbekannten

Dieses Erlebnis sowie die Tatsache, dass sich Songwriter Murphy während der Jahre des Tourens so sehr an das turbulente Leben unterwegs gewöhnt hatte und sich in seinem neuen Londoner Zuhause einsam, verloren und fremd fühlte, ließen die ersten Kompositionen für das neue Album hoffnungsloser und schwermütiger klingen als die Stücke des illustren Vorgängers.

Eine innovative Ausrichtung, die aber letztlich doch nicht dem wirklichen Gusto der Band entsprechen wollte. Kurzerhand zog Murphy zurück nach Liverpool, um sich dort ins reale Leben zu stürzen, «etwas zu finden, was mich inspiriert». Als Ergebnis von Inspiration und kreativem Schaffensprozess präsentiert die Band nun auf This Modern Glitch stolz zehn Songs.

Und tatsächlich klingen diese vereinzelt eine Spur dunkler, sind sie schwerer und getragener arrangiert, deshalb aber nicht minder melodiös. Wie etwa Walking Disaster, Jump Into The Fog oder Anti-D. Mitunter um dann wieder locker aufzubrechen wie der Opener Our Perfect Disease.

Am Ende dominieren jedoch erneut die gute Laune verbreitenden Indierock-Hymnen à la Girls/Fast Cars oder Tokyo (Vampires & Wolves) und Dancefloor-Füller wie die Synthie-Rock-Nummer Techno Fan. Unbestritten überaus gelungene Songs, energiegeladen und sofort in die Beine schlüpfend - nur vielleicht manchmal etwas zu eingängig und durchsichtig. Das Wort gefällig wäre allerdings zu viel des Kritischen. Auch wenn das ein oder andere langgezogene «Oh!» und «Ah!», «Wuhu» und «Bada-bap» weniger vermutlich gut getan hätte.

This Modern Glitch ist verspielt, äußerst rhythmisch und melodiös. Der Sound ist elektronischer, Murphys Keyboard und Synthesizer ersetzen nicht selten die Lead-Gitarre. Und die Texte des Sängers, zugleich Gitarrist sowie Keyboarder, zeigen eine deutliche Entwicklung. Sie gehen tief, sind schon mal persönlich, schonungslos. Vor allem verdeutlichen sie, dass Murphy tolle Geschichten erzählen, gelungene Bilder zeichnen kann.

Melancholisch und selbstironisch blickt er auf die Welt

Nicht nur, wenn er sich in Anti-D selbst als Antidepressivum anpreist, in Techno Fan «East London's not a bomb site / It is a treasure chest / We use our penguin costumes more than our evening dress»Der Londoner Osten ist kein Trümmergrundstück / Er ist eine Schatzkiste / Wir tragen unsere Pinguinkostüme häufiger als unsere Abendgarderobe singt oder Tokyo mit Worten wie «We're self imploding / Under the weight of your advice / I wear a suitcase / Under each one of my eyes»Wir brechen zusammen / Unter dem Gewicht Deines Ratschlags / Ich trage einen Koffer / Unter jedem meiner Augen beginnt.

Und das mit einem - melancholischen, oftmals (selbst-)ironischen - Blick auf Situationen und die Ereignisse, für besondere Momente und Szenarien. Davon zeugen nicht bloß folgende Zeilen aus Last Night I Dreamt, «I'm a good friend and an excellent lover / I can fool myself just like no other person can / I'm turning into a twisted man»Ich bin ein guter Freund und ein hervorragender Liebhaber / Ich kann mich selbst belügen, wie es niemand sonst kann / Ich werde zu einem verdrehten Typen oder aus Girls/Fast Cars: «We don't care for romance / Romance or shooting stars / They were last found together in 18th century memoirs (...) I'm a man of simple tastes / No whiskey and caviar / And what I feel is what I say / I'm not trying to be smart»Wir machen uns nichts aus Romantik / Romantik oder Sternschnuppen / Zuletzt fand man diese gemeinsam in Geschichten aus dem 18. Jahrhundert (...) Ich bin ein Kerl mit einem einfachen Geschmack / Kein Whiskey und Kaviar / Und ich sage, was ich denke / Ich versuche gar nicht, elegant zu sein .

Aufgenommen haben Matthew Murphy, Dan Haggis und Bassist Tord Øverland-Knudsen all dies im Laufe des Jahres 2010 in Los Angeles - während drei Sessions mit unterschiedlichen Produzenten und inklusive eines Gastauftritts von Dave Navarro, Gitarrist bei Jane's Addiction sowie einst bei den Red Hot Chili Peppers, der bei Girls/Fast Cars die sechs Saiten anschlägt.

Herausgekommen ist zwar kein absoluter Kracher, aber ein wirklich gutes, recht griffiges Stück Musik: Indie-Rock mit Pop-Appeal, der in gewissen Augenblicken und Stimmungslagen garantiert sehr viel Spaß macht.

Titel: This Modern Glitch
Künstler: The Wombats
Label: 14th Floor / ADA / Warner
Veröffentlichung: 29. April 2011
 

mik/news.de

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