Von news.de-Redakteur Martin Walter
Der Heilige Stuhl geht neue Wege: 150 Blogger aus aller Welt treffen sich auf Einladung des Vatikans zu einer Konferenz in Rom. Für einen deutschen Web-2.0-Schreiber kam die Einladung dann doch etwas überraschend.
Bereits Anfang März hatte der Vatikan interessierte Blogbetreiber zu Bewerbungen für die eintägige Blogger-Konferenz aufgerufen und damit unerwartetes Interesse im Netz entfacht: Über 750 Anfragen gingen beim Heiligen Stuhl ein, 300 davon in den ersten 24 Stunden. 150 Blogger aus aller Welt wurden letztlich über eine online veröffentlichte Liste zu dem Treffen eingeladen.
Daniel Lücking ist einer der Auserwählten und davon selbst überrascht. «Meine Chancen, mit einem eher weltlichen Blog in die Auswahl zu kommen, hatte ich eher niedrig eingeschätzt», freut sich der Journalismus-Student aus Darmstadt. Der freie Journalist betreibt im Netz die Seite medienkonsument.de, den unverhofften Ausflug nach Rom will er sich mit dem «Zusammenkratzen der Reserven» finanzieren.
An das Treffen selbst geht Lücking unvoreingenommen heran, ihm liegen hauptsächlich soziale Aspekte am Herzen: «Als Journalist bin ich am Bereich Social Media und Internetthemen allgemein sehr interessiert.» Ein Thema abseits des Medienmainstreams, als das er die katholische Bloggerszene erachtet, dürfe er sich da einfach nicht entgehen lassen.
Einen deutlich engeren inhaltlichen Bezug zur katholischen Kirche pflegt Georg Feßlmeier mit seiner Seite triff-den-papst.de, über die er Möglichkeiten schaffen will, «dem Papst zu begegnen.» Dass dies wörtlich gemeint ist wird schnell ersichtlich, Feßlmeiers Internetpräsenz vermittelt neben Pilgerpaketen auch Audienzen beim Papst.
Der Niederbayer freut sich auf das Treffen unter Gleichgesinnten in Rom. «Mir geht es vor allem um eine Vernetzung der Teilnehmer untereinander», meint Feßlmeier und erhofft sich gleichzeitig «wertvolle Impulse aus dem Vatikan.»
Bloggen als zeitgenössische Kultur
Den Austausch zwischen Blog-Szene und Kirche wünschen sich auch die Initiatoren. Geht es nach den Päpstlichen Räten für Medien und Kultur, soll vor allem die Kommunikation zwischen den Internet-Publizisten und dem Vatikan angeregt werden. Einen «Dialog in beide Richtungen» nennt es Richard Rouse, Leiter der Abteilung Kommunikation und Sprache im Päpstlichen Kulturrat. Wie das konkret aussehen soll, bleibt unklar, doch will das Treffen in Rom ausdrücklich keine Exklusiv-Veranstaltung für katholische Blogger sein.
«Wir wollten eine Kategorie der zeitgenössischen Kultur herausfiltern, die besondere Aufmerksamkeit verdient. In der Vergangenheit zielte die Kultur-Seelsorge vielleicht auf Künstler. Heute sind die Blogger wichtig, und so laden wir sie ein», erläutert Rouse die Hintergründe. Die Idee hinter dem gewählten Termin: Anlässlich der Seligsprechung Johannes Paul II. am 1.Mai hofft die Kurie, dass sich sowieso viele der Teilnehmer bereits in Rom aufhalten.
Eine Rechnung, die aufzugehen scheint: Georg Feßlmeier etwa ist mit einer ganzen Reisegruppe und zwei Bussen zur Seligsprechung nach Rom gefahren, seinen Aufenthalt verlängert er für das Bloggertreffen einfach um einen Tag.
Daniel Lücking sieht das Ganze dagegen eher pragmatisch als «Dienstreise» an, die er als Thema für Studienleistungen und seinen Blog nutzen kann. Dennoch ist auch er bereits am Freitag angereist. Die Reisekosten hofft er im Nachhinein «durch Veröffentlichungen zu refinanzieren».
ruk/news.de