Es ist die vielleicht mutigste Rolle ihrer Schauspielkarriere: Im TV-Film Wie ein Licht in der Nacht spielt Christiane Hörbiger eine Trinkerin, die sich unaufhaltsam auf einen Abgrund zubewegt. Ein bewegendes Drama in der ARD.
Christiane Hörbiger durfte wählen. Es hätte eine Komödie sein können oder die Rolle einer Alkoholikerin. Produzent Markus Trebitsch hielt beides bereit. Die Schauspielerin musste nicht lange nachdenken. Die Alkoholikerin sollte es sein: «Ich habe immer schon Kolleginnen beneidet, die so was spielen durften.»
Nun verkörpert sie die eben in den Ruhestand gewechselte, bis dahin sehr erfolgreiche Maklerin Carla Binder im Drama Wie ein Licht in der Nacht. Das Buch schrieb Regisseur Thorsten Näter. Näter arbeitete intensiv, fein und genau. Sein Regie-Kollege Florian Baxmeyer, ansonsten eher Spezialist für Action und Thriller, inszenierte den Film: «Mir gefiel schon mal, dass es keine Geschichte aus der Gosse war, sondern alles ganz leicht, fast beschwingt anfängt», sagt er,
Carla nimmt Abschied von ihren Kollegen. Ein Glas Sekt wird gereicht, wie üblich. Carla schwingt den Kelch. Recht intensiv. Am Telefon ahnt die Tochter (Susanna Simon), dass die Mutter auf einem gefährlichen Weg sein könnte. Ihr beruflicher Erfolg hat bisher ihren latenten Alkoholismus verdeckt. Der Beruf war für sie zugleich auch Ersatz für alle anderen menschlichen Beziehungen: Sie war keine gute Mutter, keine gute Ehefrau. Bei ihr musste die steile Karriere alles andere ersetzen.
Alkohol statt Langeweile
Nun ist sie allein. Und der Alkoholismus droht von Neuem, da am Anfang eines jeden Tags die bange Frage steht: Was mache ich denn nun eigentlich all die Stunden? Die Flasche lockt. Erst nur Champagner, dann die schon härteren Sachen. Carlas Ex (Friedrich von Thun) wendet sich resigniert ab. Aber ein Licht bleibt in der alkoholgeschwängerten Nacht: So was kann man auch, bis zu einem gewissen Grad wenigstens, heilen. Vor allem mit dem richtigen Menschen im richtigen Augenblick. Carla findet ihn in ihrem Hausmeister, einem trockenen Alkoholiker (Klaus J. Behrendt mal in einer Tatort-fernen Rolle).
Erst weist sie alle Hilfsangebote zurück, da sie doch hartnäckig leugnet, irgendwie vom Alkohol abhängig zu sein. Aber allmählich erschließt sie sich ihm. Bis das erlösende Bekenntnis fällt: «Ich bin Alkoholikerin!» Christiane Hörbiger: «Man sagt, das sei der erste Schritt zu einer möglichen Genesung.»
Bis dahin muss sie alle Stadien einer solchen Heilung durchlaufen. Hörbiger scheut dabei kein realistisches Detail und auch nicht äußere Hässlichkeit: «Natürlich musste ich mich etwas überwinden, so vor die Kamera zu treten. Aber ich wusste zugleich, das muss so sein. Denn es ist schlicht lächerlich, in solchen Rollen irgendwie mit Schönheit zu kokettieren.»
Dennoch erschrak sie etwas, als sie sich so ein erstes Mal sah. Dazu noch auf der Riesenleinwand während der letzten Hamburger Filmfestspiele. Aber: «Das Publikum mochte das offenbar. Das hat mich dann getröstet.»
Titel: Wie ein Licht in der Nacht
Regie: Florian Baxmeyer
Darsteller: Christiane Hörbiger, Klaus J. Behrendt, Friedrich von Thun, Susanna Simon
Sendetermin: Dienstag, 26. April 2011, 20.15 Uhr, das Erste
Leider verpasst - gibt es eine Wiederholung?
jetzt antwortenKommentar meldenGrandios gespielt!!! Bravo Frau Hörbiger.
jetzt antwortenKommentar meldenIch habe den Film heute Abend gesehen.Ich war auch verwundert wie sie die Rolle gespielt hat einfach super.Sie ist eine Schauspielerin von Welt und ich habe bisher jeden Film,wenn ich konnte,mit ihr gesehen.Einfach toll,glanzvolle Leistung und alles nicht übertrieben.Aber unser Tatort Kommissar war in seiner Rolle auch sehr gut,den darf man auch nicht vergessen.Allen Beiden großen Applaus.
jetzt antwortenKommentar melden