So., 27.05.12

Durchgehört 20.04.2011 Ein bizzle altersweise

Der berühmteste Rapper der Welt singt wieder von Girls, Gras und Geld. Mit Doggumentary beweist Snoop Dogg aber auch, dass sich sein Talent noch längst nicht abgenutzt hat. Auch Black Rust und Daedelus glänzen mit neuen, sehr schlauen CDs.

Doggumentary. Ein wenig klingt das nach Greatest Hits. Doch es ist der Titel für das elfte Studioalbum von Snoop Dogg. Das passt, denn die CD hat zumindest ein bisschen Ähnlichkeit mit einer Best-Of-Sammlung: Snoop Dogg hält auf Doggumentary fast durchweg ein sehr hohes Niveau, zeigt sich enorm selbstbewusst - und fast ein bisschen altersweise.

Einen ganzen Mannschaftsbus voller Star-Produzenten und prominenter Gäste fährt der Doggfather auf, von R. Kelly über T-Pain, Kanye West und die Gorillaz bis hin zu, jawohl: Country-Altmeister Willie Nelson.

Er überlässt ihnen oft die Bühne, er lässt sie auch ein bisschen die Drecksarbeit machen, um dann um so heller zu strahlen. Und: Snoop Dogg ist clever genug, nicht mehr allzu oft seine Shizzle-Bizzle-Masche durchzuziehen. Er will sich nicht auf einen Trick festlegen lassen, und er beweist mit Doggumentary, dass er viel mehr zu bieten hat - und genau darum weiß.

Die Themen sind natürlich noch immer Basketball und Kiffen, Geld und Gangbang, aber der Sound ist so frisch, wie man das nach fast 20 Karrierejahren kaum noch glauben mag. Platinum spielt mit House-Elementen, aus der Single Wet macht David Guetta auf dem hier enthaltenen Remix einen frechen Kracher mit einer gute Prise Eurodance. Manches ist durchgeknallt, vieles extrem entspannt, alles sehr gewitzt - und der gute alte G-Funk hat auch nichts von seinem Reiz verloren.

Interpret: Snoop Dogg
Album: Doggumentary
Plattenfirma: Emi
Erscheinungsdatum: 15. April 2011

The Gangs Are Gone heißt das zweite Album von Black Rust - es ist der perfekte Titel. Denn wenn die Gangs verschwunden sind, dann können sich schließlich die Aufrechten wieder auf die Straßen trauen, die Gutmenschen, sogar die Weicheier. Und genau das sind Black Rust. Hier geht es um Introspektion, um Nabelschau. Hier vertont jemand sein Tagebuch, und viele der Seiten darin haben einen Trauerrand.

Ganz oft regiert hier eine zarte Melancholie, eine raue Stimme und eine Liebe zum Jangle wie im Titelsong. Ryan Adams' Love Is Hell klingt gleich mehrfach an, auch Fans der Counting Crows werden hier ihre Freude haben. Es gibt bei Black Rust ganz viele Instrumente (von Mandoline über Glockenspiel, Posaune und Banjo bis hin zur Tuba), aber immer nur eine Stimmung: den großen, amerikanischen Weltschmerz.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass Ahlen die Heimatstadt von Black Rust ist. The Gangs Are Gone beweist aber: Feine Americana-Songs können auch aus Westfalen kommen.

Interpret: Black Rust
Album: The Gangs Are Gone
Plattenfirma: Strange Ways
Erscheinungsdatum: 15. April 2011

In Sachen Elektronik ist Daedelus aus Los Angeles quasi schon ein Altmeister. Auch mit seinem zwölften Album Bespoke beweist er, wie gut er sein Metier begriffen hat: Diese Musik funktioniert am besten als Oberfläche, die glänzt, schillert, leuchtet – in möglichst vielen Farben und Facetten.

Daedelus, der sich gerne in Klamotten aus der viktorianischen Ära hüllt, hält auch in seiner Musik nichts von Erwartungshaltung, Konventionen oder dem Naheliegenden. Bespoke mixt unfassbar viele Stile, zerfällt dennoch nicht in ein beliebiges Sammelsurium und beweist vor allem immer wieder den Willen zur Weiterentwicklung, der im Hause Ninja Tune nun einmal Programm ist.

Der Höhepunkt von Bespoke ist das sehr treffend betitelte Overwhelmed ganz am Ende. Ein tatsächlich überwältigender Beat ist hier am Werk, und das Ergebnis wirkt, als hätten die Chemical Brothers damals für Setting Sun nicht Noel Gallagher, sondern Damon Albarn engagiert – und gleich auch noch die Wucht von Galvanize dazu gepackt. Ein großer, cleverer Spaß.

Interpret: Daedelus
Album: Bespoke
Plattenfirma: Ninja Tune
Erscheinungsdatum: 8. April 2011

mik/boi/ivb/news.de
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