So., 27.05.12

Athen ermittelt 20.04.2011 «Focus» wegen Stinkefinger vor Gericht

Von news.de-Redakteurin Ina Bongartz

Das war zu viel: Die griechische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Focus-Herausgeber Markwort und neun Mitarbeiter wegen Verunglimpfung. Grund ist ein alter Focus-Titel mit obszöner Handbewegung der griechischen Liebesgöttin Aphrodite.

«Betrüger in der Euro-Familie» titelte der Focus im Februar 2010. Es war die Zeit der griechischen Finanzkrise, das Cover zeigt die berühmte Statue der Aphrodite von Milos - allerdings als Fotomontage. Denn die holde Liebesgöttin reckt höchst uncharmant den Mittelfinger empor.

Für Patrioten ein Affront: Denn was ihre Staatssymbole angeht, verstehen die Griechen offenbar keinen Spaß: Wie der Tagesspiegel berichtet, müssen sich nun Focus-Herausgeber Helmut Markwort und neun weitere Mitarbeiter der Zeitschrift, die vom Hubert-Burda-Verlag produziert wird, vor dem Landgericht in Athen wegen besagter Focus-Titelgeschichte verantworten.

Ende Juni soll sich Helmut Markwort, der bis Ende 2010 Chefredakteur der Zeitschrift  war, in Athen vor Staatsanwältin Ourania Stathea erklären. Die griechische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung der Symbole des griechischen Staates. Darauf stehen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren.

Angezeigt wurden Markwort und seine Mitarbeiter von sechs Griechen, die sich und ihr Land nicht nur durch das Cover der Zeitschrift, sondern auch durch die Berichterstattung mit Formulierungen wie «von der Wiege zum Hinterhof Europas», «2000 Jahre Niedergang» und «Griechenlands Abstieg ist beispiellos» beleidigt sehen. Die Focus-Redakteure wollten in einer Geschichte zudem aufzeigen, was aus dem Philosophenvolk geworden ist.

Diese Strafanzeige versetzt Markwort nach eigenem Bekunden jedoch keinesfalls in Aufregung. «Ich habe ein gutes Gewissen, denn ich habe nur meine journalistische Pflicht getan», zitiert Der Tagesspiegel den 74-Jährigen. Bereits bei Erscheinen der Focus-Ausgabe im vergangenen Jahr hätten die Focus-Redaktion mehrere empörte Leserbriefe erreicht, in denen bereits mit Strafanzeigen gedroht worden sein soll.

Der Focus war nicht das einzige Printmedium, das hart mit Griechenland und seiner Finanzkrise ins Gericht gegangen war. Die Bild-Zeitung titelte im März 2010: «Ihr griecht nix von uns. Hier schreibt Bild an Griechenlands Pleite-Premier.» Ob auch dies für ein  juristisches Nachspiel gesorgt hat, ist nicht bekannt.

Währenddessen hat einer der betroffenen Focus-Redakteure bereits eine Vorladung des Gerichtes erhalten. Laut Tagesspiegel sei dieser jedoch noch unschlüssig, ob er tatsächlich zur Verhandlung Ende Juni nach Athen fliegen werde. Er wolle zunächst prüfen, ob dort bereits ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt.

wam/ivb/news.de
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