Hamburg (dpa) Eben noch am «Plastic Beach», jetzt schon on the road in Nordamerika: Die Gorillaz sind zurück mit dem Album «The Fall», entstanden während einer Tour von Damon Albarns Cartoon-Crew vorigen Herbst.
Hamburg (dpa) Eben noch am «Plastic Beach», jetzt schon on the road in Nordamerika: Die Gorillaz sind zurück mit dem Album «The Fall», entstanden während einer Tour von Damon Albarns Cartoon-Crew vorigen Herbst.
Für die Gorillaz untypisch, hat Albarn es nahezu im Alleingang und quasi in Nullkommanichts aufgenommen. Das Ergebnis ist beeindruckend.
Dan The Automator oder Danger Mouse hießen die musikalischen Partner auf früheren Alben. Dieses Mal war Albarns wichtigster Begleiter das iPad, mit dem er «The Fall» aufgenommen hat, sowie Städte und Landschaften der USA und Kanadas als Quellen der Inspiration. Nach einem Monat waren die 15 Songs im Kasten beziehungsweise auf dem Tablet-Rechner und mussten nur noch in Albarns Londoner Studio abgemischt werden.
Die Reise beginnt in Montreal mit «Phoner To Arizona», einem entspannt groovenden Electro-Instrumental. Zu Ende geht sie in Oakland mit der Sound-Collage «California And The Slipping Of The Sun», aus der heraus sich ganz ähnlich wie beim «Plastic Beach»-Stück «Empire Ants» erst auf der Zielgeraden ein knackiger Beat an die Spitze drängt. Endgültig Schluss ist dann in Seattle, mit einem 39 Sekunden kurzen Jodel-Sample.
Dazwischen verschlägt es die Gorillaz nach Boston, wo «Revolving Doors» entstanden ist, eine typisch melancholische Albarn-Nummer, deren Protagonist in einem Diner vor sich hin sinniert. Dagegen grüßt die Reisegruppe aus der wirtschaftlich am Boden liegenden Ex-Motor- und -Motown-City «Detroit» überaus beschwingt. «The Parish Of Space Dust» ist eine Quasi-Ode an Texas Schnipsel von Country-Hits aus dem Autoradio inklusive.
Ob «Amarillo» zufällig oder absichtlich nach Albarns «anderer» Band nach Blur klingt, weiß wohl nur der Meister selbst. Zu überhören sind die Parallelen jedenfalls nicht. Die einzige Kollaboration, wie man sie von den Gorillaz kennt, hält indes «Bobby in Phoenix» bereit: Soul-Legende Bobby Womack macht daraus eine Art heruntergedimmtes Gegenstück zur letztjährigen Single «Stylo», für die er ebenfalls hinterm Mikro stand.
Unterm Strich ist an «The Fall», das sich Mitglieder des Gorillaz-Fanclubs bereits am vergangenen Weihnachtsfest gratis aus dem Netz laden durften, vieles fragmentarisch und unvollendet geblieben. Das betrifft sowohl Ideen als auch ihre Umsetzung. Aber vielleicht ist es gerade das, was diese vertonte Herbst-Reise zu einer so hörenswerten Angelegenheit macht.
news.de/dpa