Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Das ZDF traut sich was: Wer rettet Dina Foxx? ist ein Krimi, der auf halbem Wege aufhört. Im Internet sollen die Zuschauer den Fall selbst lösen. Es geht um Datenschutz - und um Mord natürlich.
Experimente zeichnet aus, dass man ihren Ausgang nicht kennt. Im Idealfall bewahrheitet sich eine Prognose. Das Ganze kann aber auch in sich zusammenfallen wie ein Soufflé. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und Wagnisse aller Art sind im deutschen Fernsehen eher die Ausnahme.
So gesehen ist es mehr als lobenswert, dass das ZDF mit Wer rettet Dina Foxx? mit einem crossmedialen Krimi experimentiert. Ein TV-Film schildert einen Mordfall vor dem Hintergrund aktueller Datenschutzprobleme, im Internet kann der Zuschauer selbst an der Aufklärung des Verbrechens mitarbeiten. Drei Wochen später klärt eine Dokumentation dann alles auf.
Bei der Titelheldin handelt es sich um eine Datenschutzaktivistin, die unter Mordverdacht gerät. Bei freidaten.org prangert sie an, wie Staat und Wirtschaft Daten sammeln und die Privatssphäre der Bürger gefährden. Ihre Mitstreiter sind entsetzt, als Dina zu einer Firma wechselt, die eine Software anbietet, die Datentreibgut im Internet löschen kann - oder speichern.
Ihr Freund Vasco, der ebenfalls dort arbeitet, hat derweil ganz andere Probleme: Erst fehlt Geld auf seinem Konto, dann spielen auch noch Verkehrsampeln in seiner Nähe verrückt. Plötzlich ist Vasco tot und Dina dringend tatverdächtig. Irgend etwas muss Qoppamax damit zu tun haben, jene mysteriöse Firma, über die Vasco zuletzt recherchierte. Der Zuschauer ist gefordert und gehalten, auf der eigens eingerichteten Seite freidaten.org selbst Ermittlungen anzustellen.
Hollywood zeigt wie's geht
Wer rettet Dina Foxx? ist nicht das erste Experiment dieser Art. Bereits 1991 zeigten ARD und ZDF einen Krimi zeitgleich aus zwei verschiedenen Perspektiven: Mörderische Entscheidung. Die SWR-Miniserie Alpha 0.7 breitete ihr Science-Fiction-Szenario 2010 im Fernsehen, im Internet und im Radio aus. Diesen Experimenten ist gemein, dass sie keine große Wirkung entfaltet haben. Allenthalben gelobt, verschwanden die Konzepte wieder in der Versenkung. Warum? Vielleicht lassen sich Zuschauer zum Mitdenken bewegen, zum Mitmachen aber nur höchst ungern - vom Televoting einmal abgesehen.
Dass crossmediale Projekte nicht zwangsläufig scheitern müssen, zeigt ein Blick nach Hollywood. Blockbuster werden dort seit Jahren nicht nur crossmedial vermarktet, sondern auch als umfassendes Unterhaltungserlebnis angelegt. Filminteressierte werden schon Monate vor dem Start mit Informationshäppchen angefüttert. Zu The Dark Knight konnte man 2008 Hintergründe zur Handlung aus einer fingierten Tageszeitung Gotham Citys herauslesen. Auf der Seite zu J.J. Abrams neuem Science-Fiction-Film Super 8 können sich Interessierte mit mysteriösen Heimvideoschnipseln beschäftigen. Inzwischen werden die Hinweise zum Film in einem eigenen Wiki verwaltet. Besonders viel Mühe machte sich Richard Kelly bei seinem Epos Southland Tales: die Vorgeschichte seiner Zukunftsvision erschien als aufwendige Graphic Novel.
Dina predigt zu den Bekehrten
Hier investieren Filmfans gern Zeit und Mühe, weil sie etwas dafür bekommen: Informationen, einen Wissensvorsprung. Fernsehen hingegen ist in erster Linie ein Medium, das man konsumiert. Das Mitmachangebot bei Wer rettet Dina Foxx? sieht jedoch so aus, dass man - überspitzt formuliert - die Arbeit der Filmemacher erledigen soll, nämlich, die Geschichte zu einem Abschluss zu bringen. Entscheidend dürfte sein, wie stark sich das Publikum mit der Hauptfigur zu identifizieren vermag.
Unglücklich scheint auch das Thema gewählt: Jüngere Zuschauer mit einer Geschichte zur Diskussion um Datenklau und -sicherheit zu ködern, klingt erst mal nachvollziehbar. Bloß wer hinreichend internetaffin ist, um die Probleme überhaupt als solche wahrzunehmen, der erfährt bei Wer rettet Dina Foxx? nichts Neues und dürfte sogar von den kleinen Videos schnell genervt sein, in denen Dina ihr Publikum belehrt. Wer sich hingegen nicht auskennt, wird angesichts der wirren Dramaturgie und des bemüht hippen Berlin-Friedrichshain-Milieus nur schwer Zugang zur Thematik bekommen. Dina Foxx predigt zu den Bekehrten. Aber das ist ja das Schöne an Experimenten: Sie können auch wider Erwarten gelingen.
Bestes Zitat: «Nicht nur die neuen Pässe haben klitzekleine Chips mit Informationen, sondern auch Milchtüten.» (Dina)
Titel: Wer rettet Dina Foxx?
Regie: Max Zeitler
Darsteller: Jessica Richter, Max Woelky, Sven Gerhardt, Björn Bugri, Thomas Sinclair Spencer, u.a.
Sendehinweise: Wer rettet Dina Foxx? läuft am Mittwoch, 20. April, um 23.20 Uhr im ZDF. Am Donnerstag, 12. Mai, um 20.15 Uhr zeigt der ZDFinfokanal die Reportage Wer löst das Rätsel um Dina Foxx?.