Von news.de-Mitarbeiter Sebastian Stoer
Bei einer Soap fing alles an, doch mittlerweile spielt Tobias Licht auch Theater und neben TV-Größen wie Christine Neubauer. Im Interview spricht der Schauspieler über Erwartungshaltungen, falsche Eitelkeit und seinen neuen Film Lügen haben linke Hände.
In dem TV-Film Lügen haben linke Hände (Ostermontag, 24. April 2011, 20.15 Uhr, ZDF) spielen Sie einen Handwerker, der eine Finca renoviert. Wie steht es mit Ihren handwerklichen Fähigkeiten? Haben Sie schon mal eine Tür abgebeizt?
Tobias Licht: Eine Tür abgebeizt nicht, aber angelaugt. Mein Vater ist Jurist, aber schon ein sehr guter Handwerker. Wir haben immer sehr viel zu Hause selber gemacht. Das habe ich so auch weiter geführt. Eigentlich zum Leidwesen meines Vaters, weil er mir dann immer sein Werkzeug leihen muss und es meist nie rechtzeitig zurück kommt... (lacht)
Es ist also nicht Ihre Freundin, die die Bilder aufhängt?
Licht: Nee, auf keinen Fall. Wie viele Wohnungen ich schon tapeziert und renoviert habe, das ist schon gar nicht mehr zu zählen...
Der Charakter Ihrer Filmkollegin Christine Neubauer ist Werbefigur einer Werkzeugfirma, kann aber in Wirklichkeit keinen Nagel in die Wand schlagen. Hat man Ihnen schon einmal eine bestimmte Fähigkeit aufgrund einer Rolle unterstellt? Oder hat man aufgrund ihrer Arbeit schon einmal ein falsches Bild von Ihnen gehabt?
Licht: Nun gut, klar, wenn man sämtliche Casanova- oder Liebhaber-Rollen spielt und man auch das entsprechende Erscheinungsbild hat, denken die Leute, dass man selber privat auch so ist. Dass man eben der große Liebhaber und Frauenverführer ist. Das mag im Film so sein, lässt aber keine Rückschlüsse auf meine private Art zu.
Dank Ihrer Soap-Vergangenheit fallen zu Ihrer Person ja des öfteren Worte wie «smart» oder «Frauenschwarm». In Lügen haben linke Hände stellt sich Ihr betont chauvinistischer Charakter Lars als schwuler Diskoliebhaber heraus. Ein bewusstes Spiel mit Erwartungshaltungen?
Licht: Es geht ja da nicht wirklich um die Sexualität dieser Figuren. Natürlich wird ein bisschen damit gespielt, dass dieser Handwerker für Mona Nagel theoretisch auch interessant sein könnte. Ein bisschen kribbelt es ja auch zwischen den beiden, aber dann stellt sich am Ende heraus, dass dieser Lars eben doch auf Männer steht. Ich denke, das ist schon ein beabsichtigtes Spiel gewesen.
Ich fragte mich da eigentlich eher, ob Sie als Schauspieler, der oft als Frauenschwarm besetzt wird, mit der Ihnen entgegengebrachten Erwartungshaltung spielten.
Licht: Nun, natürlich stehen solche Dinge erst einmal im Drehbuch und natürlich spiele ich mit den Dingen, die mir nahe liegen. Manchmal spiele ich ja auch mit dem Gegenteil und kokettiere damit überhaupt nicht. Ich spiele auch sehr gerne schwache Figuren oder manchmal trottelige Figuren, die mit meinem Äußeren überhaupt nicht zusammenpassen. In diesem Fall ist es dann eben der Bauarbeiter mit freien Oberarmen. Man wirft dann die Attribute, die man so hat, in die Waagschale.
Ob nun Daily Soap oder Film, ob Theater oder Musical - Sie scheinen darauf bedacht zu sein, sich nicht festlegen zu lassen....
Licht: Das stimmt schon. Gerade wenn man eine Soap-Vergangenheit hat, wird man oft mit diesen Klischees konfrontiert. Ich hab dann auch bewusst den Weg gewählt nach meiner ersten Soap-Erfahrung zu studieren und ans Theater zu gehen. Es hat sich in den vergangenen drei Jahren einfach gezeigt, dass die Palette recht groß ist. Egal ob nun der schwule Handwerker oder ein Mörder: Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich nicht in eine Schublade gerutscht bin.
Womit halten Sie sich eigentlich fit?
Licht: Ach, ich glaube, erstens habe ich mit meinen Genen Glück gehabt. (lacht) Und zweitens habe ich mein Leben lang viel Sport gemacht. Und wenn man dann ein bisschen aufpasst und sich diszipliniert ernährt, dann hält sich das auch einigermaßen. Mein Sport ist seit zwei Jahren das Boxen. Leider komme ich nicht so oft dazu, wie ich gern möchte, da ich doch recht viel unterwegs bin. Aber das ist einfach der Sport, der einen körperlich sehr fordert.
Muss man als Schauspieler eitel sein?
Licht: Man muss das auf zwei Ebenen sehen. Das eine ist natürlich die Eitelkeit neben der Kamera, dass man sich sagt «Okay, Ich werde für gewisse Sachen eingekauft». Es ist eben schon so, dass man mich einfach für körperliche Sachen einkauft. Und da sollte man dann schon sagen «Okay, das scheint gut zu laufen». Dann versuche ich das auch so lange wie möglich auszureizen. Das ist aber nicht dasselbe wie die berüchtigte Eitelkeit vor der Kamera. Die ist dann wiederum sehr schädlich. Vor der Kamera ist es sehr wichtig, Mut zur Hässlichkeit zu haben, wenn die Figur das erfordert, und nicht zu sagen «Oh mein Gott, jetzt sehe ich aber kacke aus». Das wäre mit Sicherheit eine falsche Eitelkeit und die würde einer, ich sage mal, tiefgründigen Schauspielerei sehr entgegen laufen.
Sie haben schon mit Schauspielern gearbeitet wie Herbert Knaup und Fritz Wepper oder in diesem Fall mit Ulrich Noethen und Christine Neubauer, allesamt seit mehreren Jahrzehnten im Geschäft: Bekommt man da oft Tipps für die eigene Karriereplanung?
Licht: Oft machen die natürlich ihr eigenes Zeug. Aber wenn es sich dann ergibt, dann redet man über Karriere oder Rollenwahl oder sonst was. Es gibt so eine typische Sache, dass Schauspieler ganz gerne mal die Hände in die Hüfte stemmen. Also, wenn man nicht genau weiß, wohin mit den Händen... Herbert Knaup sagte dann immer «Vorsicht mit dem Henkelmännchen!» Man hat eben solch lustige Anekdoten. Und Herbert Knaup ist ja auch einfach ein super Kollege. Ich schau gerne sehr respektvoll zu Kollegen auf, die das schon sehr lange machen und sich über viele Jahrzehnte durchgeschlagen haben. Es ist nicht leicht und man kann definitiv immer was lernen. Was man am Ende rauskriegt, ist, dass die, die es am weitesten gebracht haben, die sind, die am bescheidensten, kollegialsten und am wenigsten abgehoben sind.
Kostete es Sie beim Dreh eigentlich eine große Überwindung im Tanga zu tanzen?
Licht: Nein, Schauspieler sind ja auch immer Exhibitionisten. Ich habe nie ein Problem mit Nacktheit gehabt. Solange sich das irgendwie in der Rolle rechtfertigen lässt, dann macht mir das nichts aus. Bei der Soap gibt es auch oft sehr körperlich zu mit vielen Sexszenen. Irgendwann ist man das auch gewohnt. Wenn ich das nicht wollte, müsste ich mir einen anderen Beruf suchen.
Aber es war doch bestimmt ein Riesenspaß...
Licht: Ich habe kurz davor bei Lasko alle Kampfszenen selber gemacht. Zwei Monate später dreht man auf Mallorca und erarbeitet sich eine Choreographie als Stripper. Also, das macht dann schon Spaß. Besser als stumpfes Text aufsagen. Solange man das auch körperlich kann, also bis zu einem bestimmten Alter, sind solche körperlichen Dinge willkommen. Das empfinde ich als Herausforderung, dass das auch noch appetitlich aussieht. (lacht)
Tobias Licht ist am Ostermontag, 25. April 2011, 20.15 Uhr, in dem ZDF-Film Lügen haben linke Hände.
car/news.de