So., 27.05.12

Nachkriegsdrama 18.04.2011 Liebe in Zeiten der Feindschaft

Liebe deinen Feind (Foto)
Gesa (Katharina Wackernagel) ist mit Friedrich (Stephan Kampwirth, rechts) verlobt, aber in Simon (Benjamin Sadler) verliebt. Bild: ZDF/Thomas Bader

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Der Krieg ist vorbei, aber das Leben steht noch still: Tatort-Autor Niki Stein erzählt eindrucksvoll, wie sich Deutschland im Sommer 1945 noch nicht zwischen Nazidrill und Menschlichkeit entschieden hatte. Nur die Liebesgeschichte ist in diesem Film überflüssig.

Simon ist in einer schwierigen Lage. Er hockt als britischer Offizier im Lager seiner Armee auf der Insel Nordstrand und hat sich in die Krankenschwester Gesa verliebt. Was er nicht weiß: Gesa wartet alle zwei Wochen am Nordseestrand auf ihren Verlobten Friedrich, der als deutscher Soldat auf dem Festland interniert ist und heimlich zu ihr herüber schwimmt. Dann stirbt ein britischer Soldat - und Simon muss wegen des Mordes ermitteln, in den Friedrich verwickelt scheint.

Friedrich (Stephan Kampwirth) wird vor dem Militärgericht angeklagt. Seine alten Kameraden wollen ihn erschießen. Simon (Benjamin Sadler), der in Berlin geboren wurde, aber als Jude nach Großbritannien floh, kämpft für die aufkeimende Demokratie im Nachkriegsdeutschland. Auch in Friedrichs Fall sagt ihm sein Gewissen, dass die Hinrichtung des Mannes falsch ist. Er muss sich entscheiden: Folgt er seinen Überzeugungen oder übermannt ihn die Eifersucht?

Im Sommer 1945, nach den Schrecken des Krieges, waren die britischen Internierungslager in Schleswig-Holstein für die deutschen Soldaten wie Urlaub: Weit weg von den zerstörten Innenstädten Deutschlands wurden sie von den Kriegsgewinnern versorgt. Gleichzeitig fanden sie Halt in den noch existierenden Strukturen der Wehrmacht: Die Briten hatten der deutschen Armee erlaubt, sich selbst zu verwalten.

Die Kriegsverlierer plustern sich auf

Wer den Militär Dr. Erich Müller (überzeugend vom blonden Scheitel bis zu den Stiefeln: Hubertus Hartmann) in Liebe deinen Feind so reden hört, glaubt kaum, dass es sechs Wochen nach Ende des Zweiten Weltkrieges wirklich so zugegangen ist. Der eigentlich gedemütigte Kriegsverlierer plustert sich noch ein letztes Mal auf. «Hier gilt immer noch die Kriegsstrafverfahrensordnung der Wehrmacht», poltert er gegen den Briten Simon. «Fahnenflucht - was ist es denn sonst, wenn ein Offizier sich gegen alle Befehle von seiner Truppe entfernt?» Die alten Muster greifen, Müller fixiert Simon, «den deutschen Juden», scharf. In seinen Augen liegt all die in der Nazizeit antrainierte Feindseligkeit, die mit der Kapitulation seiner Armee nicht einfach so verschwunden ist.

Regisseur Niki Stein fängt die Atmosphäre dieser Zeit grandios ein. Während niemand so genau weiß, wie es mit Deutschland nun weitergeht, glaubt die Führung der Wehrmacht, sie könne ihren Einfluss in die neue Zeit retten – und versteckt sich hinter der Ausrede, die Befehle Hitlers nur ausgeführt zu haben.

Vor dieser historischen Wucht wirkt die Liebesgeschichte um Gesa, Simon und Friedrich verloren. «Sie ist natürlich dem Genre Fernsehfilm geschuldet», sagt Regisseur Stein, der auch das Drehbuch schrieb, fast entschuldigend im Interview mit der Sylter Rundschau. Jedoch fügen sich die Hauptfiguren seiner hoffnungslosen Romanze überhaupt nicht in die Szenerie ein und bleiben blass.

Liebesgeschichte packt emotional nicht

Katharina Wackernagel muss als Krankenschwester Gesa eine viel zu naive Frau geben, die in keiner Szene ernsthaft Gefühle zu empfinden scheint. Ihren nichtssagenden Gesichtsausdruck ändert sie noch nicht einmal, als sie vor dem Militärgericht aussagen muss und ihrem Verlobten Friedrich die Todesstrafe droht. Und auch Friedrich bleibt seltsam gefühllos, als er von der Romanze zwischen Simon und seiner Gesa erfährt. Dabei ist er wegen ihr gerade sechs Kilometer durch die Nordsee geschwommen, steht nass und frierend am Strand.

Auch Benjamin Sadler, der Filmen für gewöhnlich allein schon seiner Präsenz wegen gut tut, wirkt in Liebe deinen Feind, als spiele er mit angezogener Handbremse. Glattrasiert und mit brav gescheiteltem Haar mimt er den sanften Anti-Soldaten, der eigentlich Anwalt ist. Allzu aufgesagt klingen die Dialoge zwischen Simon und Gesa. Sadlers unambitionierter Auftritt ist kein Vergleich zu dem im Hannover-Tatort, in dem er den kernigen Typen mit reichlich Sexappeal neben Maria Furtwängler mimte.

Liebe deinen Feind ist ein hervorragend recherchierter Historienfilm. Er zeigt das Chaos im Deutschland kurz nach Ende des Krieges. Die Potsdamer Konferenz steht noch bevor, wer das Sagen hat, ist ungeklärt. Die Menschen verharren in Perspektivlosigkeit und hoffen doch darauf, dass nun alles besser wird.

Es braucht nicht die allzu konstruierte Dreiecksgeschichte zwischen Gesa, Friedrich und Simon, um das zu erzählen. An der Romanze ist nur der Gedanke spannend, dass Friedrich, ausgemergelt vom Krieg, die übermenschliche Kraft aufbringt, in einer Nacht zweimal den sechs Kilometer breiten Streifen Nordsee für seine Freundin zu überwinden. Emotional packend ist das, was außerhalb des Wassers geschieht, jedoch nicht.

Titel: Liebe deinen Feind
Regie: Niki Stein
Darsteller: Katharina Wackernagel, Benjamin Sadler, Stephan Kampwirth, Stefanie Stappenbeck, Ian Dickinson, Peter Lerchenbaumer, Niklas Osterloh, Hubertus Hartmann, Udo Schenk
Sendetermin: Montag, 18. April 2011, 20.15 Uhr, ZDF

car/reu/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Osterhase
  • Kommentar 1
  • 18.04.2011 13:06
 

Wo ist Deutschland? Bis heute ist Deutsfchland kein souverner Dtaat und die SHAEF Gesetze sind immer noch bis zum Abschluß eines Friedensvertrages gültig. Nach dem Kriege hatten wir umd überleben gekämft und über 1Million Kriegsgefangene sind nach dem Kriege auf den Wiesen vor Aachen , in amerikanischer Kriegsgefangenschaft verhungert.

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