Damon Albarn hat sich ein bisschen mit seinem iPad beschäftigt, dabei ist Musik herausgekommen. Wie übrigens bei allem, was der Blur-Frontmann anfasst. Thomas D. hingegen hat sich an was Altem versucht und Glasvegas sind völlig abgedreht.
Irgendwas geht immer, heißt es ja. Für Musik-Mastermind Damon Albarn scheint das im Besonderen zu gelten. Gerade mal zehn Monate ist das letzte Gorillaz-Album (Plastic Beach) jetzt her, da liefert der Brite mit The Fall ein besonderes Schmankerl ab.
Während seiner Nordamerika-Tour im vergangenen Jahr hat Albarn ein wenig mit seinem iPad gespielt. Okay, etwas mehr Zeit muss es dann doch gewesen sein, denn herausgekommen sind 15 neue Titel - zum Teil bloße Instrumentalstücke, aber auch richtige Songs, wenn auch mit den Stimmen eher unbekannter Sänger.
Nicht alle Songs sind ausgereift, ein gewisser Demotape-Charakter schwebt über allen Aufnahmen. Den positiven Gesamteindruck trübt das nicht: Alles klingt nach den Gorillaz, auch wenn es keinen Produzenten gab, der am Ende noch mal an dem einen oder anderen Regler geschoben hat. Erstaunlich dabei ist, dass dieses Stück Musikkunst komplett auf dem iPod entstanden sein soll. Zumindest behauptet Albarn das. Zuzutrauen ist es ihm: The Fall ist eine launige Elektro-Pop-Platte, mit alternativen Hip-Hop-Beats und - ja, Tatsache - eindeutigem Country-Einschlag. Verrückt.
Interpret: Gorillaz
Titel: The Fall
Plattenfirma: Parlaphone/EMI
Veröffentlichungsdatum: 15. April 2011
Remakes sind nicht neu. Im Film- und TV-Seriengeschäft sind sie mittlerweile gang und gäbe. Der deutsche Musiker Thomas D, ein Viertel der Fantastischen Vier, überträgt die Idee jetzt auf die Musik - wenn auch nur auf seine eigene. Zehn Jahre ist es mittlerweile her, da hat der deutsche Vorzeige Hip-Hopper das Album Lektionen in Demut zum ersten Mal veröffentlicht. Jetzt folgt eine überarbeitete Fassung, die vorallem musikalisch überzeugt.
Wo vor zehn Jahren noch fiese Gitarren waren, alles ein Stück weit zu brachial und nach Holzhammermethode klang, wurde den Texten von Thomas D jetzt ein deutlich reduzierteres Klanggewand zurechtgeschneidert. Das passt und liefert den Raum, die eindrucksvollen Texte in voller Gänze zu verstehen. Auch die Zwischenverse, die damals nur den Weg ins Booklet fanden, wurden auf dem überarbeiteten Album vertont. Herausgekommen ist ein spannendes Experiment der Popgeschichte, das mehr Hörbuch als herkömmliches Album ist. Aber wie sagt Thomas D selbst so treffend zum Remake seines eigenen Albums: «Es ist lange her, und viel hat sich geändert.»
Interpret: Thomas D
Titel: Lektionen in Demut 11.0
Plattenfirma: Four Music (Sony Music)
Veröffentlichungsdatum: 15. April 2011
Wie klingt ein Album, mit dem man sich durchaus anfreunden könnte, allerdings nur wenn man wirklich will? Glasvegas haben sich bei ihrer zweiten Platte Euphoric /// Heartbreak alle Freiheiten genommen, die als Künstler drin sind. Die erste Single Euphoria, Take My Hand ist ein pompöser Schmachtfetzen, der sich auch gut Off-Broadway machen würde. Bei Pain Pain Never Again säuselt eine zärtliche Frauenstimme irgendwas auf Französisch, um dann unter einer elektronischen Musikwand auf wahnwitzige Weise weiterzumurmeln. Apropos, Frauenstimme: Die wirklich echte Mutter von Sänger James Allan redet ihm bei Change in breitestem Schottisch zu ganz analogen Pianoklängen ins Gewissen. Und Apropos elektronisch: Der britische Produzent Flood hat die Regler hochgezogen, die er auch schon im Studio mit Depeche Mode oder U2 bediente.
James Allan, der ehemaliger Fußballspieler und nunmehr Sänger, gründete 2003 mit seinem Cousin Rab Allan und dem Bassisten Paul Donoghue die Band Glasvegas. Nach dem Erfolg mit ihrem 2008er selbstbetitelten Erstling wurde es schon wenig später stiller um die Band. Mit ihren Hits Geraldine und Daddy's Gone tourten sie durch die Lande. Einzig durch die Eskapaden des Sängers erhielt der Rest der Welt Kunde von der weiteren Existenz der Band. So soll Allan mit einer Überdosis Tierbetäubungsmittel 2009 im Krankenhaus gelandet sein, oder verschwand tagelang, für seinen Bandkumpanen unauffindbar. Ein verrückter Kerl, der James. Euphoric /// Heartbreak klingt so anders als der satte Glasvegas-Indierock von vor ein paar Jahren. Und das ist so verrückt, dass man sich wirklich damit anfreunden könnte.
Interpret: Glasvegas
Titel: Euphoric /// Heartbreak
Plattenfirma: Columbia (Sony Music)
Veröffentlichungsdatum: 8. April 2011