So., 27.05.12

Literatur 12.04.2011 Gedichte für einen Frühlingstag

Gedichte für einen Frühlingstag (Foto)
Gedichte für einen Frühlingstag Bild: dpa

Generationen von Schülern kennen es auswendig. Auch Jahrzehnte später könnten sie es noch im Schlaf herunterbeten.

Berlin (dpa) - Generationen von Schülern kennen es auswendig. Auch Jahrzehnte später könnten sie es noch im Schlaf herunterbeten.

«Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte; süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.» Eduard Mörikes «Er ists» ist das Frühlingsgedicht schlechthin. In einem Sammelband über die Jahreszeit darf es natürlich nicht fehlen.

«Gedichte für einen Frühlingstag» besingen die Schönheit von März, April und Mai. «Die Beobachtung und Beschreibung der äußeren Vorgänge spiegelt inneres Erleben wider, provoziert gleichsam den Widerhall beim Dichter», schreibt Herausgeberin Gudrun Bull. Sie hat bereits mehrere Gedichtbände herausgegeben, unter anderem «Gedichte für einen Wintertag». Ihr Frühlingssammelband ist eine Neuauflage, erstmals erschienen 2004.

Bull setzt darin auf die Klassiker. Sie gibt Heinrich Heine Raum («Leise zieht durch mein Gemüt Liebliches Geläute»), lässt Theodor Storm zu Wort kommen («Schneeglöckchen hob das Köpfchen weiß, Maiblümchen stand im Keimen») und auch Theodor Fontane darf nicht fehlen («Oh, schüttle ab den schweren Traum Und die lange Winterruh»). Bekanntes und weniger Bekanntes wechseln einander ab.

Der Band verspricht «hundert Gedichte deutschsprachiger Lyriker vom Barock bis in die Gegenwart». Allerdings sind nur zwölf der Autoren im 20. Jahrhundert geboren, niemand von ihnen ist heute noch am Leben. So ist das Büchlein zwar eine ansprechende Sammlung, lesenswerter wäre es jedoch, wenn beim Schlenker in die Gegenwart auch einige zeitgenössische, junge Dichter Platz gefunden hätten.

Der 160-seitige Band zeigt aber eines, und das macht er sehr gut: Die Sehnsucht des Menschen nach dem Frühling, nach den ersten Sonnenstrahlen und Blumen, ist so allgegenwärtig wie seine Gier nach Leben. Joseph von Eichendorff ruft überwältigt aus: «Jauchzen möcht ich, möchte weinen. Ist mirs doch, als könnts nicht sein.»

Wie sehr der Frühling nicht nur für die Natur, sondern auch für den Menschen einen Neuanfang bedeutet, hat wohl niemand so treffend aufgeschrieben wie Karl Stieler: «Da rührt mich Wonne allzumal, Ich schließe die Augenlider - Ich fühl es wie einen Sonnenstrahl: Ich lebe wieder!»

news.de/dpa
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