Drei Angehörige von RAF-Opfern reden bei Beckmann. Sie alle leiden am Schweigen der Täter. Und zweifeln an der Justiz.
Karlsruhe (dpa) - Drei Angehörige von RAF-Opfern reden bei Beckmann. Sie alle leiden am Schweigen der Täter. Und zweifeln an der Justiz.
Lange Zeit wurde die Geschichte der RAF vor allem mit Blick auf die Täter geschrieben - erst seit einigen Jahren rücken auch die Angehörigen der Opfer in den Fokus der Öffentlichkeit. Drei von ihnen waren nun bei Reinhold Beckmann: Corinna Ponto, Jörg Schleyer und Michael Buback. Schon die Nachnamen - ein Dreiklang des Jahres 1977, als die Rote Armee Fraktion mit aller Gewalt versuchte, die in Stammheim einsitzenden RAF-Gründer um Andreas Baader freizupressen.
Die Diskussion in der vorab aufgezeichneten Sendung zeigt: Sie alle leiden am Schweigen der Täter. Da sind Corinna Ponto und Julia Albrecht, wie aneinandergekettet durch den Mord an Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto. Susanne Albrecht, die ältere Schwester von Julia Albrecht diente als Türöffner - die Familien waren eng befreundet. Ein Vertrauensmissbrauch, der fassungslos macht. Von nun an war Corinna Ponto für viele zuerst die Tochter eines Opfers, und Julia Albrecht die Schwester einer Täterin. «Jeder wusste, dass ich die Schwester bin», sagt Julia Albrecht, die ebenfalls an der Runde bei Beckmann teilnimmt. Doch niemand redete mit ihr darüber.
Für Julia Albrecht gibt es noch eine zweite Enttäuschung: 1990 wird ihre in der DDR untergetauchte Schwester festgenommen. Julia Albrecht besucht sie. Und die große Schwester, an der sie immer festgehalten hat, sagt zu ihr: «Ich habe dich ganz vergessen.» Julia Albrecht geht trotzdem in den Prozess, schreibt alles mit, in der Hoffnung, eine Erklärung zu finden, mit der «man irgendwann mal zur Ruhe kommt». Doch das gab es nicht. «Vielleicht ist ein Gerichtsprozess dafür nicht der richtige Ort.»
Auch Michael Buback hoffte auf Erkenntnisse vor Gericht. Noch immer ist ungeklärt, wer Generalbundesanwalt Siegfried Buback von einem Motorrad aus erschoss. Derzeit ist in Stuttgart Verena Becker angeklagt. Als Mittäterin, aber nur wegen ihrer Rolle bei der Vorbereitung des Attentats. «Wir wollen wissen, wer sind die Täter», sagt Buback. Er meint damit ausschließlich: wer geschossen hat. «Und leider sehen wir uns dabei von der Bundesanwaltschaft im Stich gelassen, weil sie diesen wesentlichen Teil der Tat nicht angeklagt hat.» Deshalb wirft er der Bundesanwaltschaft vor, sie sei «sehr nah bei der Verteidigung».
Denn Buback ist davon überzeugt, dass Becker selbst geschossen hat - und kämpft darum, dass diese, seine Wahrheit vor Gericht anerkannt wird. Dabei blendet er aus, dass der Prozess bislang in den Augen der meisten Beobachter keine belastbaren Anhaltspunkte dafür geliefert hat, dass Verena Becker auf dem Tatmotorrad saß.
Jörg Schleyer hingegen geht es nicht so sehr darum, wer seinen Vater am Ende der anderthalb Monate Geiselhaft erschoss. «Mich interessiert viel mehr wie es war. Hat er leiden müssen?»
An Aufklärung durch die Justiz glauben die Hinterbliebenen kaum noch. Corinna Ponto, Jörg Schleyer und Michael Buback haben einen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben. Sie fordern die Einsetzung einer internationalen Historikerkommission. Ponto und Buback deuten an, dass sie an einen größeren Hintergrund glauben. Geheimdienste hinter der RAF. Oder die Stasi. Eins vor allem eint die Hinterbliebenen: Sie alle leiden sichtbar am Schweigen der Täter - und es ist dieses Schweigen, das den ehemaligen Terroristen der RAF noch immer Macht über die Opfer gibt.
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