Von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer
Aus seiner Liebe zu Frauen hat Silvio Berlusconi nie einen Hehl gemacht. Egal ob ehemalige Pornodarstellerin oder minderjährige Bauchtänzerin: Italiens bekanntester Playboy schnappt sich, was ihm gefällt. Nun könnte ihm das doppelt zum Verhängnis werden.
Ab heute wird Silvio Berlusconi in Mailand erneut der Prozess gemacht. Schon Anfang April sollte das Verfahren eröffnet werden, wurde aber bereits nach sechs Minuten Verhandlung auf den 31. Mai vertagt.
Es ist nicht sein erster Prozess. Mehr als 15 Mal hat der italienische Ministerpräsident in den vergangenen Jahren vor Gericht gestanden. Dabei ging es meist um Korruption oder Bilanzfälschung. Nun muss er sich zum ersten Mal wegen einer seiner zahllosen Frauengeschichten verantworten. Ihm wird Amtsmissbrauch und der Umgang mit minderjährigen Prostituierten vorgeworfen: Es geht um die sogenannte «Ruby-Affäre».
Die gebürtige Marokkanerin Ruby Rubacuori alias Karima el-Marough war am 14. Februar 2010 in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand zu einer Party eingeladen, bei der sie vom Hausherren Geschenke im Wert von 187.000 Euro erhalten haben soll. Sex soll es dafür aber keinen gegeben haben, behaupten Berlusconi und Rubacuori. Was am Valentinstag des vergangen Jahres in Arcore wirklich zwischen Berlusconi und der damals noch minderjährigen Ruby vorgefallen ist, soll der heute beginnende Prozess klären.
Immer einen anzüglichen Spruch auf den Lippen
Fest steht, dass Silvio Berlusconi alles andere als ein Kostverächter ist. Wenn eine schöne Frau den Raum betritt, ist er der erste mit einem flotten und nicht selten auch anzüglichen Spruch auf den Lippen. Seine verbalen Ausfälle, die sich selbstverständlich nicht nur auf Frauen beziehen, sind inzwischen legendär. In einem Interview sagte er einmal, er habe gelernt, alle 15 Minuten einen Witz zu reißen, damit ihm die Zuhörer nicht verloren gehen. Oft ist auch zu lesen, er reiße so viele schlechte Witze, weil er - ein milliardenschwerer Unternehmer und dazu auch noch einflussreichster Politiker des Landes - es gewohnt sei, dass die Leute über seine Scherze lachten, seien sie auch noch so geschmack- und einfallslos.
Mit seinen peinlichen Äußerungen macht er weder vor Staatsmännern (Obama bezeichnet er als «gut gebräunten jungen Mann») oder vor den Opfern des Erdbebens von L'Aquila halt (Zu deren Zeltunterkünften sagte er, es sei «wie beim Camping»). Am meisten haben es ihm aber nun einmal die Frauen angetan. Die gingen im Februar 2011 sogar auf die Straße, um gegen ihn und seine frauenverachtende Attitüde zu demonstrieren. Auslöser war damals die Ruby-Affäre. Aber wegen eines einzigen Fehltrittes demonstrieren nicht zwei Millionen Frauen. Dafür muss man sich schon mehr geleistet haben. Und das hat Silvio Berlusconi zweifellos.
Nackter Ex-Premier
Silvio Berlusconi, der Self-Made-Millionär, wurde 1936 in Mailand geboren. Sein Vater Luigi Berlusconi war Angestellter einer Bank, zu deren Geschäftsführer er sich später hocharbeitete. Das Talent zum Erfolg liegt bei den Berlusconis offensichtlich in der Familie. Neben seinem Jura-Studium, welches Silvio Berlusconi übrigens «cum laude» abschloss, arbeitete er als Staubsaugervertreter und als Sänger in Nachtclubs und auf Kreuzfahrtschiffen. Wenn man Berlusconi heute bei seinen Auftritten erlebt, kann man den Stimmungssänger immer noch sehen. Wie wohl kein Anderer versucht er offensichtlich mit aller Macht, dem Klischee des Latin Lovers zu entsprechen, der permanent Witze reißt, Frauen anbaggert und gern von seinen zahllosen Scheinheitsoperationen erzählt. Für einen deutschen Politiker wäre das undenkbar.
Der 74-Jährige war zwei Mal verheiratet. Seinen fünf mittlerweile erwachsenen Kindern gehören Anteile seines riesigen Firmenimperiums. Die letzte Ehe mit der Schauspielerin Veronica Laroio wurde 2009 unter großem öffentlichen Interesse geschieden. Veronica Lario ließ ihn ausgerechnet über die Medien - die er doch so wunderbar zu beherrschen glaubt - wissen, dass sie sich von ihm scheiden lassen wolle. Die damals 53-Jährige hatte genug von den peinlichen Auftritten ihres Mannes. Zuletzt war er wegen der gerade einmal 18-jährigen Noemi Letitzia in die Schlagzeilen geraten. Die Medien hatten erfahren, dass Silivio Berlusconi, der ihr Großvater sein könnte, bei der Party anlässlich ihres 18. Geburtstags aufgetaucht sei, ihr eine sehr teure Halskette geschenkt habe und sich von ihr «Papi» rufen lasse. Daran sei nichts Verwerfliches. Erst habe Noemie ihn «Opa» nennen wollen. Da sei «Papi» doch noch in Ordnung.
Später kam heraus, das Noemi auf einer von Berlusconis Partys in seiner Villa auf Sardinien gesehen worden sei. Dass es bei diesen Feiern nicht unschuldig hergeht weiß dank der pikanten Fotos, die die spanische Tageszeitung El Pais im Juni 2009 abdruckte, jeder. Auf denen war Silvio Berlusconi inmitten nackter Frauen zu sehen. Ebenfalls anwesend und vor allem unbekleidet abgelichtet, der ehemalige tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek.
Das Vergnügen der Eroberung
Die Aufregung um Berlusconi und seine undurchsichtige Beziehung zu Noemi hatte sich kaum gelegt, da meldete sich eine Prostituierte, die von Berlusconi für ihre Liebesdienste viel Geld erhalten haben soll. Berlusconi reagierte darauf mit einem Schulterzucken: «Ich habe nie eine Frau bezahlt. Ich habe nie verstanden, welche Befriedigung man dabei empfinden soll, wenn doch das Vergnügen der Eroberung fehlt.» Wie immer perlten derartige Anschuldigungen an ihm ab. Im Interview mit der zu seinem Medienimperium gehörtenden Illustrierten Chi sagte er, er mache sich lediglich Sorgen um seine Familie, die durch solche Skandale mit Schmutz beworfen werde.
Zeitgleich nominierte Berlusconi mehrere zwielichtige Frauen aus dem Showgeschäft für seine Partei, um die Gegenseite mal wieder auf seine ganz spezielle Art bloßzustellen: «Die Linke hat keinen Geschmack, nicht mal bei Frauen. Unsere Frauen sind schöner. Ich sage das, weil sie im Parlament keine Konkurrenz haben werden.» Hatten Sie doch. Bei den Stichentscheiden am vergangenen Wochenende gewann in allen wichtigem italienischen Städten - sogar in Berlusconis einstiger Hochbuch Mailand die Linke. Und das obwohl Berlusconi dort die charismatische Bürgermeisterin Letizia Moratti zur Wiederwahl aufgestellt hatte.
Dabei rühmt Berlusconi doch eigentlich immer die Schönheit aller italienischen Frauen, nicht nur die seiner eigenen Partei. Er lobte die Frauen seines Landes ausgerechnet in einem Gespräch über Vergewaltigung. Diese sei in seinem Land eigentlich kaum zu verhindern, «weil unsere Frauen so schön sind». Signore Berlusconi, passen Sie auf, dass Sie sich nicht um Kopf und Kragen reden!
juz/news.de