Fernsehen «Die wundersame Reise der unnützen Dinge» bei Arte

Wenn in Bodenheim (Rheinland-Pfalz) der Sperrmüll nach draußen gestellt wird, ist Piotr Liszcz nicht weit.

«Die wundersame Reise der unnützen Dinge» bei Arte (Foto)
«Die wundersame Reise der unnützen Dinge» bei Arte Bild: dpa

Berlin (dpa) - Wenn in Bodenheim (Rheinland-Pfalz) der Sperrmüll nach draußen gestellt wird, ist Piotr Liszcz nicht weit.

Im Bauch seines gelben Lieferwagens verschwindet das ein oder andere Möbelstück oder manch Teppich, den die Bewohner des Städtchens in der Nähe von Mainz nicht mehr wollen. Auch das Filmemacher-Team Katja Schupp und Hartmut Seifert ist häufiger in Bodenheim zu Gast gewesen, um die Dokumentation «Die wundersame Reise der unnützen Dinge» zu drehen, die an diesem Mittwoch (23.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Es war nicht leicht für Schupp und Seifert, einen dieser Männer zu erwischen, so einen wie Piotr Liszcz, die sich zu erkennen geben und vor laufender Kamera reden: Normalerweise ziehen sie sich zurück und agieren im Dunkeln. «Am Tisch der Reichen werden auch die Hunde satt», sagt der Pole. «Wir sind hier keine Gäste. Wir sind Eindringlinge, nicht Gäste. Keiner lädt uns ein. Wir müssen uns absolut unauffällig benehmen, leise sein, keinen Dreck machen, keinen Alkohol trinken.»

Auch mehr als fünf Jahre nach dem EU-Beitritt Polens seien die Vorurteile tief in der westlichen Welt verankert: «Heute gestohlen, morgen schon in Polen», das bekamen auch die Filmemacher nach eigenen Angaben immer wieder zu hören. Zweieinhalb Jahre brauchten die beiden, bis die Dokumentation fertig war. Schließlich konnten sie die polnischen Sperrmüllsammler begleiten und die Kamera von früh morgens bis zum Zubettgehen in den engen Wohnwagen laufen lassen.

Am Straßenrand stehen mal ein Sofa, ein rostiges Dreirad und andere Gegenstände. Das Sofa ist 75 Jahre alt und könnte viele Geschichten erzählen. Jetzt ist es Sperrmüll, weil die Logopädin Regina Leupold ihre Praxis und ihre Wohnung ausgeräumt hat, denn sie «verkleinert sich», wie sie im Arte-Film sagt. Doch die Fundstücke beschreiben ein Europa zwischen Arm und Reich und «machen deutlich, wie sich der Wert der Dinge mit jedem Meter verändert, den sie sich von der westlichen Wohlstandsgesellschaft entfernen», wie Arte es in seiner Programmankündigung beschreibt.

news.de/dpa

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