So., 27.05.12

Film 05.04.2011 Berührendes Vater-Sohn-Drama aus dem Tschad

Berührendes Vater-Sohn-Drama aus dem Tschad (Foto)
Berührendes Vater-Sohn-Drama aus dem Tschad Bild: dpa

Hinter den Mauern der Luxus-Hotelanlage in N'Djamena, der Hauptstadt des Tschad, ist die Welt noch in Ordnung: Blondinen räkeln sich in der Sonne und Kinder tummeln sich übermütig im Wasser.

Paris (dpa) - Hinter den Mauern der Luxus-Hotelanlage in N'Djamena, der Hauptstadt des Tschad, ist die Welt noch in Ordnung: Blondinen räkeln sich in der Sonne und Kinder tummeln sich übermütig im Wasser.

Darum, dass die Gäste mit dem Service am Swimmingpool zufrieden sind, kümmert sich Adam. Er ist fast 60 und Bademeister und mit sich und seinem Leben ganz zufrieden. Doch dann wird er entlassen und sein Sohn von der Armee zwangsrekrutiert. Elend, Armut und Kriegswirren zerstören seine Scheinwelt.

«Ein Mann der schreit» ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert, denn der Film von Mahamat-Saleh Haroun erzählt nicht nur ein subtiles Familiendrama. Er spiegelt die brutalen Realitäten des heutigen Afrikas wider, das in Elend, Korruption und Kriegswirren versinkt.

Dass der Film 2010 in Cannes im internationalen Wettbewerb gezeigt wurde, sei ein Sieg für das afrikanische Kino, meint der Regisseur, der wegen des Bürgerkrieges aus dem Tschad nach Kamerun flüchtete und sich 1982 in Frankreich niederließ. «Filmen heißt in Afrika kritisieren. Müllhalden zu zeigen, gilt schon als subversiv. Deshalb gibt es in Afrika auch keine Gelder für die Kinoindustrie. Man ist dabei, die Filmindustrie zu töten», sagt der 50-Jährige.

«Un homme qui crie», wie das Drama im Original heißt, ist der vierte Langfilm des Regisseurs und eine französisch-belgische Koproduktion. Ohne Scheuklappen beschreibt Haroun darin die Realität eines Landes, das vom Bürgerkrieg zerrüttet und zum Spielball der Globalisierung geworden ist.

Haroun zeigt weder Blutvergießen, noch bloße Gewalt. «Ein Mann der schreit» ist ein stiller Film: Die Kriegswirren, die seit mehr als zehn Jahren in der zentralafrikanischen Republik immer wieder aufflammen, dienen zunächst als Kulisse, bevor sie am Ende des Films in den Vordergrund rücken.

Viele der Konflikte, existenziellen Nöte und Tragödien offenbaren sich erst auf den zweiten Blick. Darin liegt die Stärke des Films, der vom Zuschauer viel Geduld verlangt. Die Geschichte entwickelt sich behutsam, langsam, schleppend. Leid und Elend werden bei Haroun nie voyeuristisch zur Schau getragen. Sie spiegeln sich in den Gesten, auf den Gesichtern und vor allem im Schweigen der Protagonisten wider.

Seinen nächsten Film wolle sein Herkunftsland finanzieren, sagt der Regisseur, der mit «Bye Bye Africa» seinen internationalen Durchbruch schaffte. Der Film wurde 1999 in Venedig als bester Film ausgezeichnet. «Der Tschad ist dabei, wach zu werden», erklärt der Filmemacher optimistisch, der heute in Paris lebt.

Seite des Films

news.de/dpa
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