Sie war eine der meistbeschäftigen Schauspielerinnen im deutschen Fernsehen und eine engagierte Kämpferin für die Schwächsten: Drombusch-Star Witta Pohl hat sich in und jenseits ihrer Rollen voller Leidenschaft engagiert.
Witta Pohl war in ihrem Leben auf vielen Theaterbühnen unterwegs - unter anderem in München, in Zürich, in Braunschweig und Darmstadt. Sehr unterschiedliche Rollen waren darunter, ernste und auch komische. Wirklich bekannt wurde sie aber als Vera Drombusch - als treu sorgende und patente Mutter und Ehefrau. Am Montag starb Witta Pohl im Alter von 73 Jahren in einem Hamburger Krankenhaus an LeukämieLeukämie oder Blutkrebs ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems. .
Ihrem Tod sei ein achtwöchiges Leiden vorausgegangen, teilte ein Freund der Familie am Dienstag mit. Ihr Kampf gegen die Krankheit habe am 9. Februar begonnen, nachdem in ihrem Hamburger Haus zusammengebrochen war. Die Diagnose im Universitätskrankenhaus Eppendorf lautete auf myeloische Leukämie, die anschließende Chemotherapie sei für Witta Pohl eine Phase größter Anstrengungen gewesen, der sie sich mit Entschlossenheit und großer Energie gestellt, an deren Ende sie aber mehr und mehr an Kraft verloren habe.
Pohl erfüllte sich mit der Schauspielkarriere Kindheitstraum
Witta Pohl war immer eine Kämpferin gewesen. In einem Interview zu der von ihr erdachten ARD-Serie Happy Birthday, in der sie eine Hebamme spielte, sagte sie einmal über die Titelfigur: «Ich gebe, genau wie sie, in meinem Leben auch nie auf.» Vorbild für diese Einstellung sei ihre Mutter gewesen, die neben Witta Pohl noch fünf weitere Kinder großzog.
Pohl, die am 1. November 1937 in Königsberg geboren wurde, wollte eigentlich schon immer Schauspielerin werden. Zunächst machte sie aber eine Lehre als Kosmetikerin. Nach zwei Jahren auf einer Berliner Schauspielschule hatte sie 1957 am Staatstheater Kassel ihr erstes Engagement in der Hauptrolle für Das Tagebuch der Anne Frank. Weitere Theaterarbeiten folgten unter anderem an den Münchner Kammerspielen und dem Züricher Schauspielhaus. Zu großer Bekanntheit gelangte sie jedoch erst im Fernsehen.
Zwei Goldene Kameras für die Drombuschs
Im TV war Pohl erstmals 1960 in Das Floß der Medusa zu sehen - insgesamt wirkte sie in weit über 100 Produktionen mit. Zu ihrer wichtigsten Rolle wurde die der Vera Drombusch in der ZDF-Serie Diese Drombuschs, deren erste zwölf Folgen Anfang der 1980er Jahre von durchschnittlich 51 Prozent der Fernsehhaushalte gesehen wurden. Hans-Peter Korff spielte bis zu seinem Fernsehtod ihren Mann. Die sechste und letzte Staffel, in der Vera Drombusch tatsächlich selbst einmal einen Zusammenbruch erleidet, lief 1994.
Zwei Jahre später nahm die ARD Pohls Idee einer Serie über eine Hebamme auf. Happy Birthday lief bis 2000. Danach spielte sie in der ZDF-Serie Jenny und Co. die Tante dreier verwaister Nichten. Pohl bekam in ihrer Laufbahn drei Goldene Kameras: 1985 wurden sie und Hans-Peter Korff zum drittbeliebtesten Serienpaar gewählt, 1987 bekam sie eine für ihre Rolle in den Drombuschs, 1993 für ihren Einsatz für Kinder in Not.
Engagement für Not leidende Kinder
Pohl engagierte sich seit Jahren für Not leidende Kinder. Seit 1980Ab einer Verurteilung von über 90 Tagessätzen gilt man übrigens als Vorbestraft, dies wird im polizeilichen Führungszeugnis mit aufgenommen. übernahm sie Patenschaften, 1991 gründete sie die Kinder-Hilfsorganisation Kinderluftbrücke in Hamburg. Zur gleichen Zeit wurde sie Unesco-Ehrenbotschafterin für das Tschernobyl-Hilfsprogramm. 2005 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihr soziales Engagement.
Pohl lebte nach drei gescheiterten Ehen zuletzt ohne Partner, aber mit einer ganzen Menge Tieren in Hamburg. Aus ihrer Ehe mit Schauspieler Charles Brauer stammen die Zwillinge Stefanie und Florian. Von Einsamkeit wollte sie nie etwas wissen. Weil sie das ganze Jahr für ihren Verein Kinderluftbrücke unterwegs sei, sei die Zeit zu Hause das größte Geschenk für sie, sagte sie einmal in einem Interview.
In den schwierigen letzten Wochen ihres Lebens sei ihre Familie ständig bei ihr gewesen, sagte der Freund der Familie.
Anlässlich des Todes von Witta Pohl zeigt das NDR Fernsehen am Mittwoch, 6. April, ab 21.45 Uhr anstelle der ursprünglich geplanten Folge des Großstadtreviers eine Episode mit Witta Pohl aus dem Jahr 2009: Hafenpastor - Der Schein trügt. Auch in den Talk Show Classics am Freitag, 8. April, ab 1 Uhr werden Auftritte der verstorbenen Schauspielerin zu sehen sein.
car/reu/news.de/dapd/dpa