So., 26.05.13

Sonya Kraus «Schminke kann täuschen»

Sonya Kraus (Foto)
Laut, schön und selbstbewusst: Sonya Kraus sieht es nicht ein, sich verstellen zu müssen, um ernstgenommen zu werden. Das Lebensmotto der Einserabiturientin: Think pink! Bild: Bastei Lübbe

Corina BroßmannVon news.de-Redakteurin
Sexy zu sein ist keine Schande: TV-Moderatorin Sonya Kraus philosophiert im news.de-Interview darüber, warum sie chronisch unterschätzt wird, wie stark sie der Selbstmord ihres Vaters gemacht hat und wieso Selbstironie ihr immer wieder den Tag versüßt.

Frau Kraus, Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila heißt Ihr aktueller Feel-Good-Ratgeber. Ein schönes Lebensmotto, aber Sie mögen doch gar keinen Tequila. Wieso trotzdem dieser Titel?

Kraus: Das ist einfach eine so schöne Metapher. Ich habe sie vor bestimmt 25 Jahren mal auf einem vollgekritzelten Lokus in irgendeiner Kaschemme gelesen und fand sie so witzig, locker-flockig und zugleich tiefgründig. Da konnte ich mich drin wiederfinden, denn nur weil man gutgelaunt durchs Leben geht, heißt das nicht, dass man nicht eine gewisse Weisheit darunter trägt.

Haben Sie denn auch oft das Gefühl, dass Sie wegen Ihres fröhlichen Wesens als naiv abgestempelt werden?

Promi-Bücher 2010
Schreibende Promis

Kraus: Ja, das kenne ich absolut. Nur weil man temperamentvoll, herzlich und offen ist, wird das so ausgelegt, als wäre man so tief wie eine Pfütze. Deshalb würde ich aber niemals in dieser Beziehung an mir arbeiten und versuchen die Strategie zu ändern. Denn eine Frohnatur zu sein, ist nichts, dessen man sich schämen müsste. Im Gegenteil. Ich finde es nur peinlich und traurig für diese armen Menschen, die in die Falle treten, uns zu unterschätzen und noch nicht mal die Selbstironie zu verstehen. Das ist doch ein Armutszeugnis und Eigentor. Ich finde es zum Beispiel immer sehr lustig, wie viele Journalisten, die sich selbst für tiefgeistig halten, nicht genügend Toleranz und Blickschärfe haben, zu merken, dass nicht alles so ist, wie es scheint, und Fassade und Schminke täuschen können. Man muss schließlich nur nicht immer den eigenen Intellekt raushängen lassen. Das ist «Lipstick Feminism»: Ich will mich nicht brav uniformieren müssen, um ernstgenommen zu werden.

Und welche Rolle spielt dabei die Selbstironie?

Kraus: Die rettet mir immer wieder den Tag. Selbstironie ist aber auch mein Erfolgsgeheimnis. Es ist so viel einfacher und entspannter, mit jemanden zu arbeiten, wenn der sich nicht so bierernst nimmt. Sie glauben nicht, wie viele Leute in meiner Branche unglaublich anstrengend sind, weil sie in ihrem künstlerischen schaffen aufgehen und dabei nicht über sich lachen können.

Waren Sie schon immer so offen?

Kraus: Nein, ich habe mich um 180 Grad gedreht. Ich war tatsächlich ein unheimlich schüchternes Mädchen. Der Punkt, an dem ich mich geändert habe, war der Tod meines Vaters. Ich war damals in der achten Klasse, er hatte sich umgebracht, und plötzlich wusste keiner mehr, wie er mit mir umgehen sollte. Es kam mir eine Woge des Mitleids entgegen, aber gerade daran wäre ich fast erstickt, und ich wollte wieder ganz normal behandelt werden. Da habe ich angefangen, ganz bewusst auf meine Mitschüler zuzugehen, mich zu öffnen und ihnen zu zeigen, dass sie mich nicht wie ein rohes Ei behandeln müssen. Dabei habe ich gemerkt, dass mir das Spaß macht und die Reaktionen positiv sind, und ich habe diese offensive Haltung beibehalten.

Apropos offensiv. Warum reden Sie eigentlich so gern über Ihre Beautytricks und kleinen Schummeleien?

Kraus: Weil mich diese schamhaften Ausreden nerven: Da höre ich von Frauen im Uromaalter, die aussehen wie meine jüngere Schwester, dass sie keine Falten haben, weil sie sich makrobiotisch ernähren und die Fettabsaugung eigentlich ein Personal Trainer ist. Das ist doch lächerlich. Die Frauen da draußen dürfen doch wissen, dass nicht alles so perfekt ist, wie sie es auf dem Bildschirm präsentiert bekommen.

Nervt es nicht trotzdem, ständig gefragt zu werden, ob die Brüste heute wieder gepushed oder die Wimpern künstlich sind?

Kraus: Oh doch. Es langweilt natürlich, darauf beschränkt zu werden. «Frau Kraus, was ist denn heute wieder bei Ihnen gemogelt?», die Frage beantworte ich am roten Teppich mittlerweile wie ein Aufsageroboter. Das Interesse zeigt aber, dass es immer noch ein Tabu ist, zuzugeben, dass man hübsch sein will und nachhilft. Das ist doch keine Schande.

Sind da auch Schönheitsoperationen denkbar?

Kraus: Wenn ich mit 50 oder 60 noch meine Visage in die Kamera halte, bin ich wahrscheinlich die Erste, die sich das dritte Kinn weg machen und die Brustwarzen von den Knien liften lässt.

Aber heute ist noch nichts reparaturwürdig?

Kraus: Naja, ich bin vielleicht nicht die Allerschönste und habe eine krumme Nase und schmale Lippen, aber was soll's. Zurzeit sehe ich sowieso ohne Make up aus, als wollte ich bei einer Gruftiparade den Zombie geben. Mein Sohn ist nämlich der Traum meiner schlaflosen Nächte. Acht Stunden Schlaf am Stück wären jetzt sieben Monate nach der Geburt schon mal was. Aber der Kleine denkt: «My mum loves to entertain me.» Zum Glück wohnt meine Mutter mit im Haus.

Was steht neben Schönheitschirurgie noch auf dem Plan für die nächsten Jahre? Weitere Bücher?

Kraus: Ich träume ehrlich gesagt noch davon, mal einen Krimi zu schreiben. Ganz blutrünstig und brutal böse. Mal was ganz anderes. Aber für etwas Fiktives braucht man wahrscheinlich mehr literarisches Know-How als für Biografien und Sachbücher und persönliche Sachen, wie ich sie bisher geschrieben habe.

Sonya Kraus (37) ist eine deutsche Fernsehmoderatorin, Autorin und Schauspielerin. Im Jahr 1998 wurde sie durch ihre Tätigkeit beim Glücksrad bekannt. Ihre regelmäßige Sendung seit August 2000 auf Pro7 ist talk talk talk. Privat engagiert sich Kraus als Tierschützerin.

Buchtipp: Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila: Die Sonya-Strategie für Lebensglück, Erfolg und jede Menge Spaß, von Sonya Kraus, erschienen im Bastei Lübbe Verlag im Januar 2011, 9,99 Euro.

car/cvd/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • wsd
  • Kommentar 2
  • 09.04.2011 13:21
 

«Schminke kann täuschen» Es ist eine Tatsache- die von einer intelligenten Sonja Kraus- gelassen, souverän ausgesprochen wurde. Ich glaube, einige der ungeschminkten weibl. Wesen haben null Vorstellung wieviel intensive "Arbeit" investiert wird, um der Umwelt ein angenehmes Äußeres zu präsentieren. Hinzukommt, dass Frau mit "Maske" oft eine Einschätzung erfährt, die nicht nur vorteilhafte Äußerungen beinhaltet, egal wie hoch der jeweilige IQ -beidseitig- ausfällt. Es sollten mehr Prominente ein "wahres" Gesicht der Öffentlichkeit offerieren.Allerdings: Wahrheit ist nicht immer schön.

Kommentar melden
  • Barbi
  • Kommentar 1
  • 09.04.2011 12:34
 

ich finde diese Frau einfach nur gut ! ein Vorbild im positiven Denken und Sein und nicht zu Schade dafür, sich selbst auf den Arm zu nehemn, Hut ab. Sie ist selbstbewußt und hat es nicht nötig , nur so zu tun. eben einfach authentisch gut ! In Wahrheit wird diese Frau eben nicht unterschätzt und das weiß sie wohl auch . Nur dumme Menschen unterschätzen, was sie nicht verstehen und was nicht alle machen.

Kommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Eingabe-Feld.
CAPTCHA Image Neuladen
Anzeige
Wir empfehlen
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige