Von news.de-Redakteurin Katharina Bott
So liest sich der Frühling: Im Debütroman Ada liebt von Nicole Balschun treffen Bauer Bo und das studierende Blassgesicht Ada aufeinander. Eine bezaubernde Liebesgeschichte ohne Happy End.
Seine Leitsau heißt Siegfried. Sein Anzug ist schwarz. Sein Gebetbuch fiel soeben mit lautem Plong in Tante Rosis Grab. Sein Gesicht ist nun rot, aber das stört Ada nicht. Im Gegenteil. «Bo war kräftig und gesund und deshalb war er ein guter Sargträger. Von den Schweinen kann man nicht leben, hatte Bo gesagt.» Deshalb laufen sich die beiden Haupthelden auch auf dem Friedhof über den Weg: der «hornochsige Schweinehirt» namens Bo und «sein kleines Blassgesicht», wie er Ada später liebevoll benamst. Adas Vater steht der sich anbahnenden Liebe sehr skeptisch gegenüber: «Er sagte, jemand wie du und dann ein dahergelaufener Landwirt mit einer Tuntensau, wie soll das gehen.»
Ada kann nicht kochen, nicht melken, nicht sagen, dass sie liebt. Keine gute Basis für eine Bauer-sucht-Frau-Geschichte mit Happy End. Das weiß Bo, das weiß Ada, das weiß der Leser. Und trotzdem pendelt Ada zwischen romantischen dungverströmenden Wochenenden auf dem Land und dem staubtrockenem, silagefreien Studienleben in der Großstadt hin und her. Die angehende Doktorantin weiß nicht so recht, was sie will, nur was sie nicht will: Beides ist hin und wieder Bo. Nein, eigentlich nur das gummibeschuhte Landleben, mit dem Ada und Jane Austens englische Damen - über die sie ihre Doktorarbeit schreibt - nichts anfangen können.
Nicole Balschun, 1975 in Leer geboren und derzeit Hannoveranerin, stellt den Prolog des Scheiterns selbstbewusst an den Anfang ihres Debütromans. Wohl wissend und darauf vertrauend, dass der Leser, obwohl er bereits eingeweiht ist, dem Buchtitel vertraut. Und der heißt Ada liebt, nicht Ada liebte. Luftig-leicht fächert die Literaturwissenschaftlerin und Förderschullehrerin Balschun drei Beziehungen nebeneinander auf, die unterschiedlicher nicht sein können: Adas große Liebe, das Gefühlsdesaster ihrer Freundin Elisabeth und das alltägliche eheliche Auf und Ab ihrer Eltern. Missverständnisse, Krokodilstränen und Augenzwinkern inklusive.
Ada liebt riecht gleichermaßen nach kleinen blauen Veilchen, staubtrockenen Bücherseiten und Schweinemist. Balschuns Wortwahl ist zum Niederknien stimmig, der Satzbau simpel und stilvoll. Ja, es passiert nicht allzu viel in diesem Buch. Aber: Die Beziehungen der Buchhelden Bo und Ada, Elisabeth und Leo sowie der reifen Variante zwischen Adas Eltern sind komisch und anrührend zugleich. Sie wurden so liebevoll gezeichnet, so treffend beschrieben, in wunderbar fluffige Sätze gehüllt und mit Humor gespickt, dass man die Lektüre des 190 Seiten starken Liebesromans einfach empfehlen muss.
Autorin: Nicole Balschun
Titel: Ada liebt
Verlag: Dumont Buchverlag
Seitenzahl: 191 Seiten
Preis: 16,99 Euro
Erscheinungstermin: Februar 2011