Sa., 25.05.13

«Sucker Punch» Überwältigender Mumpitz

Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Schlechte Filme können gut unterhalten. Schund kann witzig sein. Zack Snyders Fantasyspektakel ist leider nichts davon. Sucker Punch ist so öde, als sähe man jemandem beim Computerspielen zu.

Filme können auf unterschiedliche Arten scheitern. Mal sind die Macher einfach inkompetent oder eine Naturkatastrophe zerstört das Set. Weitaus interessanter wird es jedoch, wenn Regisseure ein Projekt mit heiligem Ernst in den künstlerischen Graben steuern. Mit seinem so maß- wie erfolglosen Epos Heaven's Gate versenkte Michael Cimino 1980 ein ganzes Hollywoodstudio. Ähnliche Bruchlandungen erlebten Paul Verhoeven (Showgirls) oder Richard Kelly (Southland Tales). Wenn man Künstlern freie Hand lässt, riskiert man in der Hoffnung auf ein Meisterwerk immer kapitale Fehlschläge.

Zack Snyder – um wieder in die Gegenwart zurückzukehren – bekam für sein jüngstes Werk ebenfalls einen Freifahrtschein. Seine bisherigen Filme wie 300 oder Watchmen waren umstritten, aber große Kassenerfolge, und so durfte er nun aus dem Vollen schöpfen, bekam ein üppiges Budget und die Möglichkeit, ein eigenes Drehbuch umzusetzen.

Kein Leben, nirgends

Das Ergebnis, Sucker Punch, ist ein riesiger Haufen visuell umwerfenden Blödsinns, ein Hochgebirge, aufgeschüttet aus sinnlos zusammengetragener Popkultur. Treffsicherer kann man einen Film nicht vor die Wand setzen – mit mehr Schwung allerdings auch nicht.

Es geht um ein Mädchen, dass von ihrem bösen Stiefvater in die Psychiatrie gesperrt wird. Sie bildet sich ein, es handele sich dabei in Wirklichkeit um einen Nachtklub und schmiedet unter dem Künstlernamen Babydoll mit vier Leidensgenossinnen einen Ausbruchsplan. Die dazu notwendigen Hilfsmittel beschaffen sich die fünf in einer zweiten Fantasieebene, die allenfalls noch der Logik von Videospielen folgt. Sie ziehen gegen Wehrmachtsroboter, Samuraidämonen oder profane Drachen zu Felde.

Snyder manscht fröhlich Showgirls mit Pans Labyrinth durcheinander, Shutter Island mit Kill Bill und vieles, vieles mehr. Aus einer vergleichbaren Unzahl popkulturellen Strandguts setzt Quentin Tarantino regelmäßig große Filme zusammen, weil er wirkliche Charaktere zu formen versteht. Snyder hingegen zeigt nur Oberflächen, nein, mehr noch: Es sind Karikaturen von Schablonen von Klischees. Sucker Punch ist vollkommen leblos.

Kämpfe, so mühelos, als gäbe es sie nicht

Aus der Idee einer Irrenanstalt mit angeschlossener Theaterbühne ließe sich ein hübsches Gleichnis auf die Rolle junger Frauen im Popkontext modellieren, aber Snyder macht nichts daraus. Inhalte sind ihm egal, er reiht einfach Bilder aneinander, die für sich genommen hübsch aussehen, aber nichts bedeuten und von nichts erzählen. Schon der Prolog des Films wirkt wie ein Trailer für eine Geschichte, die Snyder nicht entwickeln mag.

Babydolls Fluchten in die Fantasie justiert Snyder – und das ist so beknackt, dass einem der Atem stockt – genau an die Stellen, an denen sie Männer mit ihrem offensichtlich betörenden Tanz ablenkt, damit ihre Kameradinnen die fraglichen Gegenstände entwenden können. Den spannenden Punkt dabei – den eigentlichen Diebstahl – sieht man nicht, man sieht, was Babydoll sich einbildet. Wenn man an das Kino als Erzählmedium glaubt, ist das, als zeigte man bei einer Fußballübertragung 90 Minuten lang nur das Publikum. Oder den Trainer.

Die Fantasiewelten haben einen weiteren Pferdefuß: Sie fordern die Protagonistinnen nicht heraus. In Pans Labyrinth musste Ofelia wirklich um ihr Leben fürchten. Hier mähen die fünf Mädels Gegner nieder wie die Jediritter in den jüngeren Star-Wars-Filmen tumbe Kampfroboter. Die Gefechte gestalten sich derart mühelos, dass es keinen Unterschied machte, gäbe es gar keine. Vielleicht finden Pubertierende jeden Alters die Idee reizvoll, dass leichtbekleidete Amazonen Orks en gros mit Sturmgewehren über den Haufen schießen. Sie ist es nicht.

Viel zu zeigen, nichts zu erzählen

Probleme bekommen Babydoll und Co. erst, als etwas in ihrer (vermeintlichen) Realität dramatisch schief läuft. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Das Verhalten der Mädchen in der Fantasiewelt beeinflusst nicht die Realität - es ist lediglich die Illustration derselben. Einem versierten Spieler bei einem Hack-and-Slay-Adventure zuzusehen, könnte darum nicht langweiliger sein.

Vielleicht suchte Snyder in Sucker Punch nur ein beliebiges Vehikel für einen Bilderrausch beliebter Fetische der Popkultur. Das wäre in Ordnung, ließe er irgendeine Haltung erkennen, zu seinen Figuren, ihrer Geschichte, zu all der Gewalt. Aber da ist nichts. Und das ist noch mal erheblich weniger, als selbst Ruinen wie Showgirls oder Southland Tales zu bieten haben.

Bestes Zitat: «Wenn du für nichts kämpfst, wird dich alles besiegen.» (Der Weise zu Babydoll)

Titel: Sucker Punch
Regie: Zack Snyder
Darsteller: Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone, Vanessa Hudgens, Scott Glenn, Carla Gugino und weitere
Filmlänge: 109 Minuten
FSK: ab 16
Verleih: Warner
Starttermin: 31. März 2011

car/reu/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Suras
  • Kommentar 2
  • 02.06.2011 18:35
 

Völlig danebengegriffene Bewertung des Filmes. Intention des Autors nicht erfasst, setzen 6! Am besten nocheinmal anschauen und nicht davon ausgehen, es würde sich um Popconkino handeln, Fastfood von nebenan, sondern richtig harte Kost für den Kopf zum Nachdenken. Und ich dachte schon ich wäre langsam, als ich erst bei hälfte des Films von "was ein Schrott" zu "liebe güte steckt da viel Anspruch dahinter". greez

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  • wtf
  • Kommentar 1
  • 16.04.2011 12:13
 

Jüngchen, du hast doch n Schatten 0.o... Und definitiv den Film nicht verstanden... Die Story spielt sich auf 3 Ebenen ab, ähnlich wie bei Inception - aber den hast du wahrscheinlich auch nicht verstanden, wenn ich mir deinen Artikel so durchlese. Jedes mal, ich deinen Artikel gelesen habe "– und der ist so beknackt, dass einem der Atem stockt –", wenn ich mir dachte du kannst eigentlich nicht noch tiefer sinken, schreibst du noch einen Absatz und beweist - das du es doch noch niedriger schaffst. Fazit: Cord Krüger ist mal wieder ein Makelloses Beispiel für... (keine Zeichen mehr übrig)

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