Wolfgang Lippert «Als sei ich ein Staatsverbrecher»

Entertainer Wolfgang Lippert blickt in seinem neuen Buch Lippi-Bekenntnisse auf ein turbulentes Leben zur├╝ck. Im Interview mit news.de spricht der einstige Wetten, dass...?-Moderator ├╝ber unerf├╝llte Tr├Ąume, die Ossi-Wessi-Nummer und Gottschalks Nachfolger.

Bekenntnisse eines Moderators und S├Ąngers: Wolfgang Lippert pr├Ąsentiert stolz sein Buch. Bild: dpa

Herr Lippert, Klavier- und Gesangsausbildung, Kfz-Mechaniker und Fotograf, Dressman und Rocks├Ąnger: Schon als Jugendlicher waren Sie ein echter Tausendsassa. Bereuen Sie etwas, das Sie in Ihrem Leben nicht gewagt haben?

Wolfgang Lippert: Nein, das nicht. Mein Traumjob war wie bei vielen Jungs Kfz-Mechaniker. Aber auch der Beruf des Fotografen hat mich sehr interessiert und es tut mir etwas leid, dass ich das nicht entsprechend weiterverfolgen konnte. Au├čerdem w├Ąre ich gerne Hubschrauberpilot geworden. Sonst bin ich ganz zufrieden und dankbar f├╝r die M├Âglichkeit, in verschiedene Jobs hinein zu tauchen.

Mit
Erna kommt landeten Sie in der DDR einen Riesenhit, der 1983 Ihr ganzes Leben umgekrempelt hat, wie Sie in Ihrem Buch schreiben. Wie w├Ąre Ihre Karriere ohne den Song verlaufen?

Lippert: Spa├česhalber sage ich immer, ich w├Ąre dann Aushilfskellner auf einem Ausflugsdampfer geworden, ohne diesen Beruf abwerten zu wollen. Witziger Weise wollte ich dieses Lied anfangs gar nicht singen. Aber Arndt Bause (Anm. d. Red.: Der Vater von Inka Bause), damals der popul├Ąrste und erfolgreichste Schlagerkomponist der DDR, wollte mich unbedingt unter seine Fittiche nehmen. Als er mir allerdings den Erna-Text vorgespielte, habe ich zu Ihm gesagt: ‹Sei nicht b├Âse, aber Erna kommt? Und dann auch noch so oft hintereinander?› Im Nachhinein mag das komisch klingen, denn inzwischen habe ich das Lied selbst tausendfach gesungen und es hat mir unendlich viel Gl├╝ck gebracht. Was ohne den Song geschehen w├Ąre? Ich wei├č es nicht.

Sie selbst attestieren sich eine etwas saloppe Art. Vor hochrangigen DDR-Vertretern soll Ihnen einmal der Satz «Gorbatschow wird uns sowieso an den Western verh├Âkern» herausgerutscht sein.

Lippert: Als mir dieser Satz ├╝ber die Lippen kam, hatte ich das Gef├╝hl, dass dieses ganze DDR-System zerf├Ąllt. Deswegen fand ich es schizophren, vor einem Tribunal zu sitzen, das so tat, als sei ich ein Staatsverbrecher. Der Grund daf├╝r war, dass ich mich in Westberlin ├╝ber mein Land und meine Heimat ge├Ąu├čert hatte. In dieser Situation ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe mir gedacht: Was wollen die eigentlich alle von mir? Haben die irgendwie die Zeit verpennt oder schauen nicht aus dem Fenster? Ich bin dann allerdings selbst ├╝ber mich erschrocken, denn es war schon eine gef├Ąhrliche Situation.

Sie sind ein Kind der DDR, waren aber einer der Ersten, der bereits vor der Wende regelm├Ą├čig im Westen unterwegs war. Ist heute, nach mehr als 20 Jahren, noch ein Unterschied zwischen den beiden ehemaligen Teilen Deutschlands zu sp├╝ren?


Lippert: Wie Sie sagen, bin ich ein Kind der DDR, was aber nicht bedeutet, dass ich mir die damaligen Verh├Ąltnisse zur├╝ckw├╝nsche. Ich war schon immer f├╝r den Austausch und fand es sehr traurig, dass Menschen die DDR verlassen haben und nicht mehr wiederkamen. Gl├╝cklicherweise kam ja dann die Wende. Trotzdem gibt es bis heute Unterschiede, die in den verschiedenen Generationen sicher unterschiedlich ausgepr├Ągt sind. Aber die gibt es auch zwischen Nord und S├╝d. Ich finde es sehr charmant, Unterschiede zu leben und trotzdem ein gro├čes Land zu sein. Das ist schon wunderbar.

In Ihrem Buch schreiben Sie von den vielen H├Âhen und Tiefen Ihrer Karriere, bis Sie zu Ihrer eigenen Mitte gefunden haben. Ein notwendiger Entwicklungsprozess?

Lippert: Es war auf jeden Fall hilfreich, um Abstand zu gewissen Dingen zu bekommen und eine Fallh├Âhe zu erleben. Man l├Ąuft immer schnell Gefahr, dass dir viele Menschen sagen, dass du der Allergr├Â├čte bist. Da waren diese Auf und Abs sehr wichtig, um ein Verh├Ąltnis zu sich und zu allem anderen zu finden.

Lesen Sie auf Seite 2, ob Wolfgang Lippert noch einmal Wetten, dass...? moderieren w├╝rde und was ihn mit Piraten auf R├╝gen verbindet.

Viele Zuschauer im Westen kennen Sie vor allem durch die Moderation von Wetten, dass...?, die Sie 1992 von Gottschalk ├╝bernommen haben und nach neun Ausgaben wieder abgeben mussten. Empfinden Sie dieses unr├╝hmliche Ende auch heute noch als schmerzhaft?

Lippert: Grunds├Ątzlich bin ich dankbar daf├╝r, diese Sendung zwei Jahre moderiert haben zu d├╝rfen. Ich hatte mich damals im Vorfeld selbst f├╝r einen Zweijahresvertrag entschieden und der Sender hat meinen Kontrakt schlicht und ergreifend nicht verl├Ąngert. Letztendlich hatte ich einfach zu wenig Netzwerk, denn die Quoten haben gestimmt. Ich bin jedoch nicht traurig, sondern eher stolz auf diese Zeit, h├Ątte aber gerne weiter gemacht, das will ich nicht verhehlen.

Im Augenblick ist die Gottschalk-Nachfolge ja wieder vakant. Hand aufs Herz, wenn morgen das ZDF ums Eck k├Ąme und Ihnen die Stelle anbieten w├╝rde: W├╝rden Sie annehmen?

Lippert (schmunzelt):
Ich glaube, das ZDF wird mich nicht fragen und das ist auch richtig so. Man sollte da eher an eine andere Generation denken.

Wer ist Ihr pers├Ânlicher Favorit?


Lippert: Es gibt ja einige Kandidaten. Hape Kerkeling beispielsweise, oder J├Ârg Pilawa. Letztendlich wird das aber der Sender entscheiden, da will ich mich raushalten.

Ab Juni sind Sie als Balladens├Ąnger wieder bei den St├Ârtebecker-Festspielen auf R├╝gen zu sehen. Eine Herzensangelegenheit f├╝r Sie?


Lippert: Auf jeden Fall. Die Geschichte fing im Jahr 2000 an, als das Gl├╝ck mir gerade nicht so hold war. Damals wollte mich der Intendant der St├Ârtebecker-Festspiele haben. Wir hatten dann das Gl├╝ck, dass unser Publikum die musikalischen Ruhepausen in diesem doch sehr martialischen Theaterst├╝ck goutiert hat. Inzwischen haben sich meine Parts fast zu einer Institution entwickelt und das ist ein gro├čes Geschenk.

Sehen Sie R├╝gen mittlerweile auch als Ihren Lebensmittelpunkt an?


Lippert:
Ich w├╝rde sagen wir teilen uns da auf. Wir verbringen fast ein halbes Jahr da oben, meine Frau Gesine hat dort ein Restaurant und wir besitzen mittlerweile auch ein Haus auf der Insel. Wir genie├čen dieses ganz andere Leben. Ich sage immer: Wenn wir auf R├╝gen sind, fahre ich nur mit einer Hand Auto, weil ich mit der anderen winken muss. Die angeblich schroffen Mecklenburger sind einfach herzensgut und haben uns voll akzeptiert. Und unser Leben wird anders wahrgenommen wie in der Gro├čstadt Berlin, wo alles so schnell geht. Es ist intensiver.

Wolfgang Lippert, Jahrgang 1952, wurde in der DDR einem gro├čen Publikum als Moderator verschiedener Fernsehformate und als S├Ąnger bekannt. Seinen Durchbruch feierte er 1983 mit dem Lied
Erna kommt. Bereits vor der Wende moderierte der Ostberliner auch Shows im Westen, ehe er 1992 den Quotenhit Wetten, dass...? ├╝bernahm, nach zwei Jahren aber wieder abgeben musste. Nun hat der Entertainer sein erstes Buch ver├Âffentlicht. 

Titel: Lippi-Bekentnisse. Unverbl├╝mte Plaudereien ├╝ber ein authentisches Leben.
Autor: Wolfgang Lippert
Verlag: Integral
Seitenzahl: 272 Seiten
Preis: 18,99 Euro
Erscheinungsdatum: 14. M├Ąrz 2011

roj/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig

Wolfgang Lippert: «Als sei ich ein Staatsverbrecher» » Medien » Unterhaltung

URL : http://www.news.de/medien/855151505/als-sei-ich-ein-staatsverbrecher/1/