Von news.de-Redakteurin Ina Bongartz
PC-Spiele für den Weltfrieden, ethische Banker und meditierende Manager: Das Wirtschaftsmagazin Enorm ist angetreten, um die Welt ein Stück besser zu machen. Nach dem ersten Jahr ist klar, warum das funktionieren kann.
Zeigen, dass Wirtschaftlichkeit nicht auf Kosten der Umwelt laufen muss. Dafür sensibilisieren, dass Konsum und ständiges Wachstum auf Dauer nicht mit dem Leben vereinbar sind. Das Wirtschaftsmagazin Enorm widmet sich dem Guten in der Wirtschaft. Es geht um Umweltbewusstsein, um Nachhaltigkeit, um Fairness und soziales Unternehmertum. Vor genau einem Jahr kam das Magazin als Start-upEin Start-up ist ein Unternehmen in der Gründungsphase. Es befindet sich im strukturellen Aufbau und beginnt gerade, seine Produkte in einem größeren Umfang zu vermarkten. auf den deutschen Zeitschriftenmarkt. Vierteljährlich wollte es die Welt ein kleines Stückchen besser machen.
Das erste Heft sei eine «schwere Geburt» gewesen, sagte damals Chefredakteur Thomas Friemel im news.de-Interview. Dem pflichtet nun Verlagsleiter und Enorm-Manager Alexander Dorn bei: «Das erste Jahr war deutlich leichter als das erste Heft.» Zur ersten Ausgabe sei das Team noch sehr klein, die positive Resonanz dafür umso größer gewesen.
Zu den prominenten Unterstützern des Magagzins zählt der Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen. Er sagt: «Geld gibt einem nie das Gefühl von Sättigung. Und die wirtschaftliche Ideologie von ungebrenztem Wachstum ist vom Kern auf krank.» Mit Enorm lerne die Gesellschaft, wie Menschen einander positiv beeinflussen können. Hirschhausen findet: «Gesundheit ist also ansteckend. Etwas Sinnvolles tun und dabei auch noch Spaß haben, ist das Gesündeste, was man tun kann.»
Wirtschaft für den Menschen - ein dankbares Thema
Alexander Dorn gibt sich in Rückblick geradezu euphorisch: «Ich glaube, wir haben im vergangenen Jahr alles richtig gemacht. Besonders, was unsere Glaubwürdigkeit und die Form des Journalismus, für den wir stehen wollen, angeht. Wir haben gehalten, was wir uns vorgenommen haben.» Social Business und soziales Unternehmertum - eben Wirtschaft für den Menschen - seien sehr dankbare Themen.
Dennoch seien die eigenen Sorgen groß gewesen, so Dorn, ob man regelmäßig eine Ausgabe füllen könne. «Aber das Thema ist riesig, wir bemerken eine stetig wachsende Nachfrage - auch sehr stark auf Seiten der Unternehmen.» Die Themenvielfalt und Nachfrage sei sogar so gut, dass Enorm ab dem kommenden Jahr mit sechs statt bisher vier Ausgaben pro Jahr erscheinen werde.
Die Macher von Enorm hätten sich keinen besseren Zeitpunkt fürs Erscheinen aussuchen können. Öko ist in, bio ist cool, Fairer Handel ist angesagt. Dieser Trend hält sich seit einigen Jahren, ein Ende ist nicht absehbar. Genau dieser Zeitgeist ist es, der Enorm Aufwind beschert. Das Magazin bringt zeitgemäße Wirtschaftsethik auf den Punkt, rückt Menschheitsthemen ins Bewusstsein. Das Paket stimmt: ausführlich recherchierte Geschichten, die nah am Menschen sind und neue, innovative Formen des Wirtschaftens in den Mittelpunkt rücken. Das alles ist verpackt in ein optisch sehr klares Design - edel, ohne luxuriös zu sein, aufwendig und professionell gemacht, nicht überladen.
Aktuell erscheint Enorm mit einer Auflage von 80.000 Exemplaren, 4000 werden an Abonnenten ausgeliefert. «Wir sind nicht unter dem Dach eines Großunternehmes gestartet und werden nicht subventioniert. Wir leben, wie das bei einem Start-up nun mal so ist, von der Hand in den Mund.» Dennoch ist Alexander Dorn optimistisch. Ist die kleine Revolution also geglückt? «Ich will nicht sagen, dass wir die Revolution sind, aber wir begleiten eine», meint Dorn. «Ich habe das Gefühl, das ist eine sich langsam von unten aufbauende Kraft. Keine Revolution mit einem Ruck oder wie eine Welle, die bricht. Ich glaube es ist eher wie ein Gletscher, der sich ins Tal schiebt.»
Mit gutem Beispiel voran
So erfolgreich sich Enorm in seinem ersten Jahr auf dem Zeitschriftenmarkt behaupten konnte, so einzigartig ist das Format in der deutschen Medienlandschaft. Bei Zeit Online und Spiegel Online erscheinen regelmäßig Artikel aus der Druckausgabe. Doch richtige Nachmacher, die auf den Nachhaltigkeits-Öko-Zug aufspringen, gibt es bisher nicht.
Als Unternehmen geht der Verlag mit gutem Beispiel voran: 15 Prozent des Abopreises fließen in gemeinnützige Projekte. Welche das sind, entscheiden die Leser. Es soll in erster Linie nicht ums Geld machen gehen, sondern um die Sache an sich. Eventuelle Gewinne will der Verlag zu 100 Prozent in soziale Projekte reinvestieren, die Produktion läuft klimaneutral.
Und was wird sich 2011 bei Enorm ändern? «Für 2011 möchte ich diese kleine Nussschale ein bisschen hinter den Brandungsgürtel bringen», so Dorn. Das heiße auch ein bisschen Ruhe fürs Team, auch hier und da einmal eine wohlverdiente Woche Urlaub.
Die erste Enorm-Ausgabe 2011 erscheint am Freitag, 7. April.
ruk/news.de