Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Berlin
Mit einem eigenen Sportdienst will dapd endgültig zum Volldienst werden. Der Konkurrenzkampf auf dem Markt der Nachrichtenagenturen wird dadurch noch härter. Der Neuling will vor allem mit Qualität punkten.
Nachrichtenagenturen bestimmen immer mehr, was wir sehen, hören und lesen. Ihr Geschäft besteht darin, andere Medien mit fertigen Texten und Bildern zu beliefern, die diese dann weiterverwenden. Die Agenturen ersetzen damit die Journalisten vor Ort, die sich viele Verlage nicht mehr leisten können. Was heute in einer Tageszeitung über die Börsendaten aus Frankfurt, einen Wirbelsturm in Florida oder die Parlamentswahl in Ungarn steht, das kommt mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Nachrichtenagentur.
Dieser Markt war in Deutschland lange vom Monopol der Deutschen Presse-Agentur (dpa) geprägt. Doch spätestens seit sich im September 2010 der Deutsche Depeschendienst (ddp) und der deutsche Ableger der Associated Press (AP) zu dapd zusammengeschlossen haben, kommt Bewegung in die Branche. Der Neuling ging sofort in die Offensive.
Bisher galt: No Sports
Mutig verkündeten die dapd-Macher schon kurz nach dieser Fusion, dass sie sich nun auf Augenhöhe mit dpa sehen. Doch in einem Punkt konnte davon keine Rede sein. Für dapd galt bisher das Motto von Winston Churchill: No Sports. Das wird sich nun ändern: In drei Wochen startet der Sportdienst von dapd - damit bietet die Agentur erstmals Texte aus allen Themenbereichen an. Als weitere Attacke gegen den großen Widersacher soll der Sportdienst aber nicht verstanden werden. «Der Kampf zwischen dpa und dapd wird sicher nicht im Sport entschieden», sagt dapd-Chefredakteur Cord Dreyer im Gespräch mit news.de.
Der neue Service zielt wohl eher auf einen anderen Konkurrenten. Denn das erweiterte Angebot von dapd bringt vor allem die Sport-Nachrichtenagentur sid (Sport-Informationsdienst) in Bedrängnis. Viele Redaktionen nutzen sid als Ergänzung zum dpa-Paket, und sie könnten sich künftig womöglich stattdessen für dapd als Zweit-Agentur entscheiden.
«Die Muskeln spielen lassen»
Bei der Vorstellung des Angebots in Berlin zeigen sich die dapd-Macher selbstbewusst, und natürlich fehlen auch die üblichen Sport-Metaphern nicht. Das Sportteam solle sich erst einmal ab Mitte April warmlaufen, aber auch in der ersten Phase schon die Muskeln spielen lassen, erklärt Dreyer. Und Sport-Chef Sebastian Holder, der vom Fernsehsender Sport1 zur Berliner Nachrichtenagentur kam, kündigt an, man werde bis zum endgültigen Startschuss am 1. August «jeden Tag an Schlagkraft gewinnen».
Überzeugen will die Sportberichterstattung von dapd in erster Linie durch Qualität. Es soll viele Interviews, Hintergründe und Porträts geben, auch exklusive Themen. Mit «jein» beantwortet Holder die Frage, ob man somit anderen die 1:0-Berichterstattung überlassen wolle und dafür selbst stärker auf die Themen setze, die darüber hinaus gehen. «Wir wollen journalistisch hochwertige Formate anbieten. Aber die Kunden wollen auch das Pflichtprogramm - vor allem einen zuverlässigen Ergebnisdienst. Und das werden wir liefern», verspricht er.
«Fußball, Fußball, Fußball»
Mit Fragebögen habe man ermittelt, welches Angebot sich die Redaktionen in Zeitungen, beim Rundfunk und in der Online-Branche wünschen. Das Ergebnis sah eindeutig aus: «Fußball, Fußball, Fußball», fasst Holder zusammen. Das will dapd liefern, aus derzeit 30 fest angestellten Sportjournalisten sollen bis zum August deshalb 50 werden. In fünf Regionalbüros werden sie künftig arbeiten, beim internationalen Geschehen setzt dapd zudem auf das umfangreiche Angebot des Partners AP.
Eine Prognose, wie schnell man mit Erfolgen rechnet, wollte heute Mittag in Berlin niemand wagen. An zu wenig Kondition soll es indes nicht scheitern. «Die Eigentümer glauben an das Konzept der Vollagentur und investieren weiter», betont Dreyer. Sie wissen, dass sie in einen umkämpften Markt einsteigen, der angesichts der sinkenden Auflagen vor allem bei den Zeitungen eher schrumpft als wächst. Holder schwärmt trotzdem. Der Aufbau des neuen Dienstes sei ein Traumjob gewesen. Bei der Suche nach Personal hat er sich wohl gefühlt wie ein Bundesliga-Manager, der mit einem stattlichen Scheckbuch den Transfermarkt aufmischen kann. Doch auch er stellt klar, dass sich das Team erst beweisen muss: «Was zählt ist auf'm Platz.»
ruk/news.de