Theater Das tapfere Schneiderlein - Lacroix in München

Das tapfere Schneiderlein - Lacroix in München (Foto)
Das tapfere Schneiderlein - Lacroix in München Bild: dpa

Vor zwei Jahren verlor Christian Lacroix sein Modehaus und brach mit der Haute Couture. Doch von der Theaterbühne verabschiedete er sich nicht. An diesem Sonntag feiert die Bellini-Oper «I Capuleti e i Montecchi» in München Premiere - mit 120 Kostümen des Meisters.

München (dpa) - Vor zwei Jahren verlor Christian Lacroix sein Modehaus und brach mit der Haute Couture. Doch von der Theaterbühne verabschiedete er sich nicht. An diesem Sonntag feiert die Bellini-Oper «I Capuleti e i Montecchi» in München Premiere - mit 120 Kostümen des Meisters.

Die Sonne scheint durch die angelehnten Fenster in das kleine Zimmer der Bayerischen Staatsoper. «Es ist Frühling», ruft Christian Lacroix aus und blickt genüsslich aus dem Fenster hinunter auf die Münchner Maximilianstraße. Der 59-Jährige ist zu einem Kurzbesuch in München, um die Ergebnisse seiner Arbeit für die Oper zu begutachten. Sie werden an diesem Sonntag bei der Premiere der Bellini-Oper «I Capuleti e i Montecchi» zu sehen sein. Seit November hat Lacroix insgesamt 120 Kostüme für die Sänger entworfen und pendelte dafür zwischen Paris und München.

Dabei arbeitete er eng mit dem Regisseur Vincent Boussard zusammen, wie bereits mehrfach in den vergangenen elf Jahren. «Ich vertraue ihm und bewundere sein Talent. Ich bin häufig fasziniert, weil es überraschend ist, was er tut», sagt der Modeschöpfer. Zuletzt hatten die beiden mit Georg Friedrich Händels Barockoper «Agrippina» in Berlin einen großen Erfolg gefeiert.

Die Arbeit mit den Kostümen beginnt für Lacroix stets mit Zeichnungen. «Vincent mag es, wenn ich mit einigen groben Skizzen mit einigen Spritzern Farbe anfange. Wenn wir über die Kostüme sprechen, steht das Bühnenbild schon. Nicht wirklich, sondern nur auf dem Papier, aber ich kann mit einer Szenerie arbeiten. Für mich ist es hilfreich, einen Rahmen zu haben», erzählt der 59-Jährige. «Ich muss die Wünsche des Regisseurs erfüllen. Wenn ich eines Tages wieder mein eigener Regisseur bin, wäre ich nachsichtiger mit mir. Aber für den Moment bin ich glücklich.»

Für die Kostüme in München habe er vor allem im Fundus der Staatsoper gewühlt, in dem auch die Stoffe von längst vergessenen Münchner Modemachern schlummerten. Der Modeschöpfer schnitt diese Stoffe neu zu, alte Kleider auseinander und fügte alles zu neuen Kreationen zusammen. «Schon als Kind habe ich dieses Spiel gespielt. Ich habe Körper, Beine und Köpfe auf Karten gemischt und immer neu gekleidete Menschen zusammengewürfelt», sagt er.

Beim Blick in die Vergangenheit wirkt Lacroix nachdenklich, senkt Stimme und Blick. Damals habe er sich immer gefragt, warum sein Leben nicht wie die Geschichten in den Büchern war. Denn vor dem echten Leben habe er Angst gehabt. «Ich war ein kleiner netter Junge, der bei Besuchen mit den Eltern bei Freunden den Mund hielt», erzählt er. «Zuhause zeichnete ich all das so, wie ich es gerne gehabt hätte. Ich wäre am liebsten mein ganzes Leben in einem Theater gewesen. Das echte Leben begann für mich, wenn der Vorhang aufging, die Bühne hell und der Zuschauerraum dunkel wurde. (...) Heute denke ich, dass ich als Kind zeichnete, um meine Realität in die Fantasie zu übertragen. Und genau das mache ich heute.»

Auch deshalb sei die Arbeit für das Theater so wichtig für ihn. Und besonders stolz ist er auf den französischen Molière-Theaterpreis, den er erstmals 1996 für seine Kostüme erhielt. «Das war ein Wendepunkt in meinem Leben. Ich hatte nicht viele Momente wie diesen», erzählt er.

Vor knapp zwei Jahren hatte der gebürtige Südfranzose mit seinem 1987 gegründeten Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Frankreich verabschiedete bei der letzten Lacroix-Show einen seiner großen Couturiers. Doch der 59-Jährige trauert der Zeit nicht mehr nach: «Heutzutage geht es vor allem um Werbung, drei oder vier Gruppen kämpfen gegeneinander», sagt er. «Ich habe mich befreit gefühlt, nachdem der ganze Stress vorbei war. Ich brach mit der Mode und verstand, dass ich nun genau das tun konnte, von dem ich als Kind immer geträumt hatte.»

Bayerische Staatsoper

news.de/dpa

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