Neue Konsole Nintendo 3DS zockt mit Spion

Er gilt als Revolution in der Spielebranche: Doch kann Nintendos neuer Handheld die dreidimensionalen Versprechen halten, mit denen der Konzern den 3DS bewirbt? News.de ist begeistert, fühlt sich aber total verfolgt.

Spielstart für den Nintendo 3DS (Foto)
3D für die Hosentasche: Spielen mit dem Nintendo 3DS ist eine Erfahrung wert. Bild: Nintendo

Seit Monaten warten die Fans des mobilen Spielens auf den Nintendo 3DS. Der ist - rein optisch - so etwas wie eine Rückbesinnung auf die erfolgreichen Werte des Nintendo DS lite. Das 3D-Gerät ist weder größer noch breiter und auch nicht schwerer. Was ihn von früheren Nintendo-Handhelds unterscheidet, sind die beiden Kameras auf dem Konsolendeckel und der Kopfhöreranschluss an der Frontseite.

Doch die äußeren Werte sind für die meisten Spieler nebensächlich. Was zählt, ist der 3D-Effekt, mit dem Nintendo ein neues Spielgefühl schaffen will. Und das gelingt - sogar sehr gut. Die Raumtiefe, mit der Spiele dargestellt werden, ist ein Knüller. Figuren und Gegenstände wirken vom ersten Moment an plastischer, lebendiger, realer.

Nintendo 3DS: Hightech für die dritte Dimension

Bereits beim ersten Start der Konsole wird der Spieler mit dem 3D-Effekt konfrontiert. Noch bevor das Menü des Handhelds zu sehen ist, sieht der Nutzer, wie er den Effekt per Schieberegler aktivieren kann. Erste Eindrücke von der Display-Leistung gibt es dann im Menü. Die Startbildschirme der einzelnen Programme sind animiert, sodass die Raumtiefe schnell sichtbar wird.

Drachen, die aus Tischen wachsen

Optimalen Bildgenuss gibt es, wenn Augen und 3D-Bildschirm etwa 25 bis 35 Zentimeter voneinander entfernt sind. Wer allerdings zu stark mit dem Gerät wackelt oder wenige Millimeter nach links oder rechts vom idealen Blickwinkel abweicht, sieht nur noch verschwommene, unscharfe Bilder. Kleine Orientierungshilfe von news.de: Bringen Sie ihre Nasenspitze und die Öffnung für die Innenkamera auf eine Linie, dann erleben Sie den 3D-Effekt am besten.

Nintendo 3DS: Startschuss für ein neues Spielzeitalter
Video: Nintendo

Probieren Sie gleich zu Anfang das vorinstallierte Programm AR Games aus. Hier beeindrucken die dreidimensionalen Fähigkeiten des Handhelds besonders. Dazu legen Sie eine der sechs mitgelieferten AR-KartenAR steht für Augmented Reality, also erweiterte Realität. Mit Hilfe von Karten, die über die Kamera registriert werden, lassen sich innerhalb des Programms 3D-Gegenstände auf dem Bildschirm anzeigen. auf einen ebenen Untergrund, Kameras darüber halten und schon wachsen aus ihrem Tisch kleine gelbe Kisten, Bäume und Drachen oder Mii-Figuren, die sie in alle Richtungen bewegen können.

Für die Darstellung setzt Nintendo auf Stereoskopie, überlagert also ein Bild für das linke mit einem Bild für das rechte Auge. Wer im 30-Grad-Winkel von der Seite aufs Display schaut, kann beide Bilder sehen. So können Zocker zwar brillenfrei 3D schauen, müssen dafür aber ihre Bewegungsfreiheit abgeben, um ihren Gleichgewichtssinn nicht zu verwirren. Zu viel mit dem Handheld zu wackeln, kann bei einigen Spielern Gaming Sickness auslösen, weil die Augen eine räumliche Bewegung wahrnehmen, dass Innenohr aber nicht.

Ob das der Grund ist, warum Nintendo im Handbuch davor warnt, dass der 3D-Effekt bei Kindern unter sechs Jahren das Sehvermögen beeinträchtigen kann, ist unklar. Der Verband amerikanischer Augenärzte hielt jedoch, als dieser Warnhinweis aufkam, schnell dagegen und erklärte, so könnten Sehschwächen bei Kindern frühzeitig entdeckt werden.

Nintendo selbst warnt bei längerem 3D-Spielen zudem vor müden und trockenen Augen, sogar Kopfschmerzen seien möglich. Der Warnhinweis ist keinesfalls untertrieben und zeigte sich auch im Test von news.de. Die beste Lösung, um dem entgegenzuwirken: Spielpause einlegen oder zumindest zeitweise von der 3D- in die 2D-Darstellung wechseln.

Spielegeschichte: Vom Game Boy zum Nintendo 3DS

Des Stromfressers Zähmung

Das 3D-Display im Format 16:9 zeigt eine gute Tiefendarstellung. Bei der Grafik gibt es aber weiterhin Nachholbedarf, zumal unsaubere Objektkanten und pixelige Figuren beim neuen Spieleffekt noch deutlicher auffallen. Doch als Vorreiter in mobiler 3D-Spieledarstellung hat Nintendo sich das nötige Zeitpolster geschaffen, um die Grafikleistung der Konsole weiter zu verbessern.

Etwas ungewohnt ist, 3D-Objekte auf dem oberen Bildschirm zu sehen, sie aber per Stylus über das 2D-Display im Format 4:3 zu steuern. Es braucht etwas Zeit, bis sich der Spieler an die indirekte Navigation gewöhnt hat.

So beeindruckend der neue Effekt ist, er fordert seinen Tribut. Das zeigt sich besonders bei der Stromversorgung. Musste der DS lite erst nach 15 Stunden wieder aufgeladen werden, macht der Akku des 3DS bereits nach drei Stunden schlapp. Verlängern lässt sich der Spielgenuss über das Menü für die Displaybeleuchtung. Das bietet fünf Stufen, wobei auf Stufe 1 - also der geringsten Beleuchtung - bis zu fünf Stunden gespielt werden kann. Wer will, kann zusätzlich den Energiesparmodus der Konsole einschalten. Wird die Konsole dauerhaft im Stand-by-Modus betrieben, hält der Akku laut Nintendo bei voller Ladung drei Tage.

Nintendo 3DS: Im Rausch der Raumtiefe
Video: news.de

Lesen Sie auf Seite 2, was Kameras und neue Steuerung leisten

Eine tolle Spielerfahrung bieten die drei Kameras - zwei auf dem Konsolendeckel, eine über dem 3D-Bildschirm. Damit lassen sich Spiele wie das vorinstallierte Face Raiders erleben. Dafür werden zunächst Fotos von Gesichtern geschossen, die Software bläst diese zu Ballons auf und verzerrt sie. Mit dem Zielkreuz können die dann vom Spieler zum Platzen gebracht werden.

Die Kameras bereichern die Möglichkeiten der Konsole enorm. Mit 300.000 Pixeln Auflösung gehören sie aber nicht zu den Topmodellen. Gleiches gilt für die Lichtempfindlichkeit. Helles Tageslicht bietet optimale Betriebsbedingungen, Umgebungslicht von Energiesparlampen bremst den Spielgenuss aus, die Bilder sind pixelig, die Farben wirken trübe. Zudem reagiert etwa AR Games bei ungenügender Beleuchtung extrem ruckelig.

Nintendo 3DS: So funktioniert StreetPass
Video: Nintendo

Die Konsole ist nutzerfreundlicher geworden - auch dank der neuen Tastenanordnung. Das D-Pad sowie die Steuerungs- und Schultertasten sind an den gewohnten Positionen zu finden. Neu ist dagegen das Schiebepad, das wie ein Joystick funktioniert und endlich eine bessere Feinsteuerung ermöglicht, Richtungswechsel wirken nicht mehr eckig, sondern weich.

Angriffsfläche für Datenschützer

Die Select- und die Start-Taste sind nun unterhalb des Touchdisplays zu finden, wo sie eingeebnet wurden, aber leicht zu nutzen sind. Neu ist die Home-Taste, die Spielern erlaubt, jederzeit zu pausieren und ins Menü zu wechseln, oder Spiele zu beenden, ohne die Konsole ausschalten zu müssen.

Trotz aller Verbesserungen gibt es auch Streitbares: Dazu gehört die StreetPass-Funktion. Mit Infrarot-Schnittstelle ausgestattet, kann die Konsole auch im Stand-by-Modus mit anderen Konsolen Daten austauschen. Datenschützern wird das wenig gefallen. Doch zu entscheiden, welche Informationen übertragen werden und welche nicht, liegt in der Hand des Nutzers, der entsprechende Einstellungen über die StreetPass-Mii-Lobby vornehmen kann.

Nintendo 3DS: Unter Hunden und Prüglern
Video: Nintendo

Zudem besitzt die Konsole einen eingebauten Verfolgungswahn. Der Schrittzähler, der auch im Stand-by-Modus das Bewegungsverhalten des Trägers aufzeichnet, ist noch harmlos. Das Gerät datiert aber, welche Spiele wie lange und wann gespielt wurden. Eltern verschafft das Einblicke in die Freizeitgestaltung ihres Nachwuchses. Doch die Funktion könnte auf lange Sicht Begehrlichkeiten von Werbeverkäufern wecken - ähnlich wie beim Tracking von Webseiten. Ganz auszuschließen ist das nicht, immerhin verfügt die Konsole nach einem Update auch über einen Webbrowser, über den entsprechende Daten übertragen werden könnten.

Spot-Pass hingegen ist eine Funktion, die vorrangig als Hilfestellung gedacht ist. Wann immer neue Eigenschaften der Konsole aktiviert werden, gibt das Gerät Meldungen ab und hilft mit kurzen Erklärungen weiter. Gewöhnen muss sich der Spieler allerdings an ungewöhnlich lange Lade- und Startzeiten: Beim Einschalten dauert es einige Sekunden, bis sich endlich das Bild zeigt. Gleiches gilt für den Start von Programmen. Das gab es bei den Vorgängermodellen nicht.

Fazit. Nintendos neuer Handheld ist ein Hingucker und ein Volltreffer. Den 3D-Effekt sollte jeder Mobil-Spieler zumindest ausprobieren. Es macht Spaß, überrascht, und ist eigentlich kaum in Worte zu fassen. Diese total verspielte Konsole - auch ohne Spiele - muss man gesehen haben.

Da die Konsole auch ältere DS-Spiele wiedergeben kann, ist sie ein lohnendes Objekt für alle, an deren DS lite bereits der Zahn der Zeit nagt. Weil das Angebot an passenden 3D-Spielen noch sehr überschaubar ist, muss der Handheld aber nicht gleich zum Marktstart für den Preis von 250 Euro gekauft werden. Immerhin bewegt sich Nintendo damit auf einem Preisniveau, das einer Playstation 3 beinahe gleichkommt, aber nicht dieselbe Leistung bieten kann. Wer Glück hat, findet jedoch Bundle-Angebote - also eine Konsole mit einem Spiel - zum gleichen Preis. Dann lohnt es sich durchaus zuzugreifen, immerhin kosten 3D-Spiele derzeit rund 45 Euro. Und der Preis für Download-Spiele steht noch gar nicht fest.

Letztlich haben nicht nur Erwachsene mit dem Gerät ihren Spaß, auch Kinder werden ihre Freude am dreidimensionalen Spielen finden. Trotzdem sollten Eltern gut überlegen, bevor sie das Gerät unbeaufsichtigt in die Hände des Nachwuchses legen. Nicht zuletzt, weil die 3D-Darstellung für die Augen eine hohe Belastung darstellt. Darüber hinaus sollten die Altersbeschränkungen eingestellt werden, insbesondere um den Austausch persönlicher Daten per StreetPass zu kontrollieren.

Eines steht dabei aber unumstößlich fest: 3D wird künftig aus der Spielewelt nicht wegzudenken sein.

Gerät: Nintendo 3DS
Hersteller: Nintendo
Farbvarianten: Aqua-Blue, Kosmos-Schwarz
Preis: zirka 250 Euro
Lieferumfang: 6 AR-Karten, 1 Ladegerät, 1 Ladestation, 1 ausziehbarer Stylus, 1 Reinigungstuch, 1 2-GB-SD-Speicherkarte, Handbücher und Schnellstartanleitungen

sis/zij/reu/news.de

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