Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
Vater und Sohn durchwandern eine postapokalyptische Welt. Ein Terrorist soll unter Folter ein Geständnis ablegen. News.de stellt mit The Road und Unthinkable zwei DVD-Starts vor, in denen Moral im Angesicht äußerer Bedrohung das Nachsehen hat.
The Road
Die Verfilmung von Cormac McCarthys Endzeitroman Die Straße bedeutet nicht mehr aber auch nicht weniger, als ein mit dem Pulitzer-Preis gekröntes Meisterwerk der zeitgenössischen Literatur zu adaptieren. Der australische Regisseur John Hillcoat nahm in seinem ersten Hollywood-Film diese Herausforderung an - und ihm gelingt das Erstaunliche: Er schafft es, das düstere postapokalyptische Szenario in einen ebenso beklemmenden wie nachdenklich stimmenden Film zu transportieren.
Die Ausgangslage in The Road, der am 18. März auf DVD und Blu-ray erscheint, ist eine denkbar trostlose. Nach einem nicht näher erläuterten Licht am Himmel und dem Aussterben fast aller Tiere und Pflanzen begeben sich ein Vater (Viggo Mortensen) und sein Sohn durch ein verwüstetes Amerika. Ihr Ziel ist das Meer. Doch geht eine ständige Gefahr aus von Hunger und Kannibalen, die überall ihr Unwesen treiben.
Die Bilder sind so ausgemergelt, grau und dreckig wie die beiden Hauptdarsteller, denen im von Misstrauen Anderen gegenüber geprägten Sozialverhalten ihr letztes Fünkchen Menschlichkeit verloren zu gehen droht. The Road wurde zum Teil an mit Computereffekten aufgefüllten Originalschauplätzen in Vororten von New Orleans und in Pittsburgh gedreht. Die noch präsenten Auswirkungen des Hurricane Katrina und die verfallende Industriestadt sollen dabei vor Augen führen, wie wenig entfernt diese postapokalyptische Trümmerwelt doch ist. Das geht aus dem aufschlussreichen Audiokommentar des Regisseurs hervor.
Darin geht John Hillcoat auch auf die enge Zusammenarbeit mit Cormac McCarthy ein, dessen literarische Vorlage nur dann leicht abgeändert wurde, wenn bestimmte Elemente im Medium Film nicht funktioniert hätten. So wurde die Rolle des Jungen aus emotionalen Gründen etwas kindlicher angelegt als im Buch. Und dem Filmzuschauer bleiben Bilder von den Resten eines gegrillten Babys erspart. Weitere Extras wie allesamt sehr kurze Deleted Scenes stechen nicht aus handelsüblichem Bonusmaterial heraus.
Titel: The Road
Regisseur: John Hillcoat
Darsteller: Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce und weitere
FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 108 Minuten
Verleih: Senator/Universum Film
Extras: Making Of, Audiokommentar, Deleted Scenes, Interview mit Regisseur
Preis: zirka 15 Euro (DVD) und zirka 17 Euro (Blu-ray)
Erscheinungsdatum: 18. März 2011
Unthinkable
Die Anschläge des 11. September berühren immer noch tiefe Wunden in den Seelen der US-Amerikaner. Dass eine versteckte Bedrohung Einzug gehalten hat in das Land der unbegrenzten terroristischen Möglichkeiten, sorgte für die Verabschiedung des Patriot Act durch die US-Regierung. Nach den Russen zu Zeiten des Kalten Kriegs war ein neues Feindbild geboren: jenes des islamistischen Terroristen. Das machte auch vor seiner Repräsentation in zahlreichen Filmen nicht halt.
Der Politthriller Unthinkable gehört zu diesen Filmen. Zwar verhandelt er vordergründig Fragen der moralischen wie grundrechtlichen Legitimität von Folter und Verstümmelung im Kampf um die Sicherheit eines Landes, deren grausige Darstellung auch ein ums andere Mal im Bild zu sehen ist. Hintergründig gibt Unthinkable jedoch genau diesen Anspruch durch eine bemüht clevere Pointe einer erzkonservativen Botschaft preis, die nicht für mehr Menschlichkeit, sondern für (noch mehr) Rücksichtslosigkeit im Kampf gegen den Terror plädiert.
Mit der FBI-Agentin Helen Brody (Carrie-Anne Moss) und dem ominösen Verhörexperten H. (Samuel L. Jackson) stehen sich die sensible Verfechterin rechtstaatlicher Prinzipien und der gnadenlose Folterknecht mit brutalen Verhörmethoden gegenüber. Beide wollen sie den Willen des Terroristen Steven Arthur Younger (Michael Sheen) brechen und herausfinden, wo er drei Atombomben versteckt hat – und die Uhr tickt.
Der australische Regisseur Gregor Jordan (The Informers, 2008) inszenierte den brisanten Politthriller als um Intensität bemühtes Kammerspiel. Actionsequenzen sind selten, dafür wird der Fokus eher auf die Figuren gelegt. Besonders in Erinnerung bleibt dabei der pummelige Samuel L. Jackson (Die etwas anderen Cops) nicht nur ob seiner etwas aus dem Leim gegangenen Statur, sondern auch aufgrund der Skrupellosigkeit und Monstrosität seiner Figur. Dabei schießt der Film das ein oder andere Mal über die Grenzen der Glaubwürdigkeit hinaus.
Die spannende Inszenierung vermag über einige phrasenhafte Dialoge, ein ab und an zu geringes Tempo und die fragwürdige Botschaft hinwegzutäuschen. Ein solider und auch nachdenklich stimmender Politthriller, dessen Extras leider mit einem Audiokommentar des Regisseurs und einem Trailer sehr spärlich ausgefallen sind.
Titel: Unthinkable
Regie: Gregor Jordan
Darsteller: Samuel L. Jackson, Carrie-Anne Moss, Michael Sheen, Stephen Root, Martin Donovan und weitere
Produktionsland/-jahr: USA 2010
Länge: 93 Minuten
Verleih/Label: Universum Film
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Preis: zirka 14 Euro (DVD) und zirka 18 Euro (Blu-ray)
Erscheinungsdatum: 25. Februar 2011