Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Leipzig
Er erklärt Pfirsich-Dessert und nun die nukleare Katastrophe: Ranga Yogeshwar. Der Moderator ist die Waffe der ARD, wenn es darum geht, den Wissenshunger ihrer Zuschauer zu stillen. Doch wer gibt da eigentlich der Japankrise ein Gesicht?
Wenn die Fernsehkameras aus sind, die Lichter erloschen. Wenn die TV-Zuschauer sich die beliebtesten Volksschauspieler der Deutschen im Ersten ansehen und mit ihren Gedanken nicht mehr bei der Katastrophe in Japan sind. Wenn der Brennpunkt beendet ist. Dann sitzt Ranga Yogeshwar im kleinen Kreis und sagt Sätze wie: «Ich habe keinen Bock, mir in 25 Jahren wieder die Nächte um die Ohren zu schlagen, um den Leuten zu erklären, was Siedewasser ist.» Was wie Resignation klingt, ist ein politisches Statement.
Bei Anne Will am Sonntagabend hat Yogeshwar seinen ganz großen Auftritt. Während alle in der Runde von einer Katastrophe unbegreiflichen Ausmaßes sprechen, sucht der 51-jährige Wissenschaftsjournalist die positiven Dinge am Erdbeben-Tsunami-Atomunfall-Ereignis in Japan. Immerhin wären die Opferzahlen bei Weitem nicht so hoch wie beim schweren Erdbeben auf Haiti vor gut einem Jahr. Außerdem merkt er an, dass noch nie ein Ereignis dieser Art dermaßen gut mittels Videokameras dokumentiert wurde.
Wer ist dieser Mann, der das Positive in der Krise sucht und dabei auch noch glaubhaft wirkt? Während sich alle rhetorisch weinend um den Hals fallen, wagt es einer, anders zu denken. Und nicht nur das. Yogeshwar erklärt den Zuschauern den größten anzunehmenden Unfall so, dass es jeder versteht. Er weiß, warum Kühlwasser aus der Luft jetzt helfen kann und sagt es auch. Peter Lustig und Jean Pütz waren gestern. Heute ist Ranga Yogeshwar. Seit nunmehr sieben Brennpunkten und ungezählten Nachrichtensendungen kommt das Erste nicht mehr ohne den Mann mit indischen Wurzeln aus.
«Tschernobyl war der Grund, warum man mich vor die Kamera stellte»
Daneben findet Yogeshwar noch Zeit auf der Leipziger Buchmesse, die am Donnerstag begann, sein neuestes Buch zu präsentieren. Von der Liveschaltung zum Brennpunkt läuft er rasch vom MDR-Gelände in den Veranstaltungsraum, dem Asisi-Panometer. 300 Menschen warten bereits auf den nett wirkenden Erklärer. Er setzt seine Brille auf und beginnt ganz ruhig das zu erzählen, was er vor zehn Minuten noch im TV sagte. Nur viel ausführlicher. Reaktoren sind sein Thema. Immerhin studierte Yogeshwar Physik und «Tschernobyl war der Grund, warum man mich das erste Mal vor die Kamera stellte».
Die Lesung seines Buches ist jedoch heute Nebensache. Yogeshwar berichtet lieber vom «Fernsehliveerlebnis» der vergangenen Tage, davon, dass er kaum geschlafen habe und seiner Hoffnung, dass es in Japan doch noch etwas glimpflich ausgeht. «Bei allen Problemen, die Berichte über Japan sind übertrieben», sagt er. Und fragt sich, ob die Journalisten dieser Tage Opfer ihrer eigenen Bilder wurden. Einen Moderator habe er sagen gehört: Gleich nach der Werbung sehen sie die Kernschmelze. «Muss das sein?», fragt der Journalist und weiß, dass er selbst so niemals mit einem Thema dieser Art umgehen würde.
Den meisten Zuschauern dürfte der Journalist bisher von der Sendung Wissen vor 8 bekannt sein. Dort erklärt er zum Beispiel verständlich, warum das leckere Dessert Pfirsich Melba heißt. Nun ist eben der Reaktorunfall in Japan an der Reihe. Jedoch nicht mehr vor Acht, sondern nach Acht. Yogeshwar steht mit einer feinen aber legeren Anzugsjacke am Brennpunkt-Tisch und erzählt mit einem Bleistift in der Hand, dass er Japaner von einer Panik abraten würde. Seine Thesen untermauert er mit Zahlen.
Wissenshäppchen für die Zuschauer
Der Krisenerklärer weiß auch, dass man lieber überhaupt keine Fischstäbchen isst, auch nicht ohne nukleare Katastrophe. Dann würden Fische generell vor dem Aussterben nicht ganz so bedroht sein. Und auch, wenn die Augen von Yogeshwar von Abend zu Abend müder wirken, die Freundlichkeit verliert der Mann nicht. Er ist im Dauereinsatz und zum Gesicht der Japan-Krise geworden – für die ARD ein Glücksfall. Besonders die Einschaltquoten sprechen dafür. Die Zuschauer belohnen seinen Stil. Den Brennpunkt am Mittwoch zum Beispiel sahen beachtliche 7,6 Millionen Deutsche.
Lange sah es danach aus, dass der Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Kunsthistorikerin nicht aus dem Schatten von Jean Pütz heraustreten könnte. Bis 1990 moderierte er mit ihm zusammen die Wissenschaftsshow. Daraus entwickelte der WDR das Konzept für die Sendung Quarks & Co. Sie ist die Grundlage seines heutigen Erfolgs. Doch ganz nach oben brachte ihn das eigene Format: Wissen vor 8. Prominent 19.45 Uhr vor der Tagesschau liefert er seine Wissenschaftshäppchen beim Zuschauer ab.
Im news.de-Interview erklärte Yogeshwar kürzlich, wie er sich das optimale Fernsehprogramm vorstellen könnte: «An einem Tag ändern Sie die Welt nicht. Aber es wäre das Bemühen, an der einen oder anderen Stelle etwas ehrlicheres Programm zu machen. Also zum Beispiel einfache Dinge zu erklären. Natürlich darf auch Humor da sein, aber es wäre nicht dieses selbstbezügliche Fernsehen.» Er erfindet das TV nicht neu. Aber vielleicht ist seine Einstellung ein wenig das Geheimnis des Erfolgs.
boi/reu/news.de
Endlich mal Jemand, der dem allgemeinen Katastrophen –Journalismus in nüchterner Form Zahlen, Daten, Fakten entgegenhält. Keiner will das Desaster in Japan kleinreden: Aber wenn ich von der Hysterie und den Luxusproblemen in Deutschland höre („Geiger-Zähler in Deutschland sind ausverkauft!“,“ Kann ich im Sommer beruhigt in Thailand Urlaub machen?“) sträuben sich mir nicht nur die Nackenhaare. Übringens an meine Vorredner: Nennt mir mindestens ein Beispiel, wo genau RY physikalische Falschaussagen getroffen hat. Ich als Physiker habe keine gefunden!!!
jetzt antwortenKommentar meldenEin eitler inkompetenter Gockel, der Meinungsmache betreibt. Ich mochte ihn noch nie. Fachlich sträuben sich einem die Haare.
jetzt antwortenKommentar meldenMir scheint, das deutsche Fernsehen hat die gleichen Personalprobleme wie die deutsche Politik....
jetzt antwortenKommentar meldenTut mir echt leid, dass ich Ihren "Star" nicht so sehen kann. Banalitäten freundlich im Fernsehen zu erezählen, kann so schwierig nicht sein. Und dass ein paar Tonnen hektisch verteilten Wassers in der Luft über den Reaktoren helfen soll, kann nun wirklich nur jemand glauben, der auch noch ans Christkind glaubt. Dazu muss ich nicht mal Physik studiert haben. Ein wenig gesunder Menschenverstand reicht aus. Und dann noch ein nukleare Superkatastrophe zu verharmlosen und Zahlen von Toten in Haiti und Japan zu vergleichen, ich glaub's ja nicht.
jetzt antwortenKommentar meldenTut mir echt leid, dass ich Ihren "Star" nicht so sehen kann. Banalitäten freundlich im Fernsehen zu erezählen, kann so schwierig nicht sein. Und dass ein paar Tonnen hektisch verteilten Wassers in der Luft über den Reaktoren helfen soll, kann nun wirklich nur jemand glauben, der auch noch ans Christkind glaubt. Dazu muss ich nicht mal Physik studiert haben. Ein wenig gesunder Menschenverstand reicht aus. Und dann noch ein nukleare Superkatastrophe zu verharmlosen und Zahlen von Toten in Haiti und Japan zu vergleichen, ich glaub's ja nicht.
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