Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Der Oscar für den besten Film des Jahres mag an The King's Speech gegangen sein. Wenn jedoch in 20 Jahren jemand etwas über die Nullerjahre erfahren möchte, wird er zu einem anderen Film greifen: The Social Network. Für alle, die nicht so lange warten wollen, gibt es ihn jetzt auf DVD und Blu-ray.
Man kann David Finchers Meisterstück über die Entstehung von Facebook gar nicht hoch genug loben. Aaron Sorkins vor rasiermesserscharfen Dialogen schier berstendes Drehbuch, der brillante Schnitt sowie der ungewöhnliche Industrial-Soundtrack von Trent Reznor und Atticus Ross entfalten einen Sog, der seinesgleichen sucht.
Ziemlich mutig war das Projekt auch - nicht nur, weil es ohnehin schwierig ist, eine Art Historienfilm über nur wenige Jahre zurückliegende Ereignisse zu drehen. Auch bestand die Gefahr, dass der echte Mark Zuckerberg ähnlich unwirsch auf den Film reagiert wie Medientycoon Randolph Hearst vor 70 Jahren auf Orson Welles Citizen Kane. Zuckerberg hingegen mietete sogar eigens ein Kino, um The Social Network mit seiner Belegschaft anzusehen.
Die Nerds übernehmen die Macht
Der Filme erzählt von einer Zeitenwende, davon, wie eine Bande Außenseiter das Establishment praktisch auf dem Standstreifen überholt. Man wird The Social Network einmal ansehen, wie man heute American Graffiti oder Easy Rider guckt, um in die Ära des Rock 'n' Roll oder die Zeit der Hippies einzutauchen.
In The Social Network bringt Informatikstudent Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) 2003 mit seiner Webseite «FaceMash» das Harvard-Netzwerk zum Kollabieren. Auf der Webseite lassen sich Studentinnen anhand ihrer Jahrbuchfotos bewerten. Zuckerberg wird gerüffelt, zieht durch die Aktion aber die Aufmerksamkeit von Kreisen auf sich, mit denen er sonst nie in Kontakt gekommen wäre.
Die steinreichen Winklevoss-Zwillinge (Armie Hammer) sichern sich seine Dienste. Er soll für sie eine Sozialplattform aufbauen. Zuckerberg entwickelt die Idee weiter und bringt im Alleingang «The Facebook» online und wird zum jüngsten Milliardär der Welt. Die Winklevoss-Brüder schäumen vor Wut. Und auch mit seinem besten Freund Eduardo (Andrew Garfield) kommt es zum Zerwürfnis.
In seinem Kern ist das natürlich zutiefst amerikanisch: Der Einzelgänger mit der Zukunftsvision siegt unter Einsatz von Köpfchen und Ellenbogen über das Alte und Traditionen Verhaftete. Die Pointe liegt darin, dass Zuckerberg damit gerade keine Revolution anzettelt, sondern sich perfekt in die große amerikanische Erzählung vom Sich-immer-wieder-neu-Erfinden fügt. Zuckerberg ist ebenso wenig umstürzlerisch wie Bill Gates. Und fast ebenso einflussreich.
Exzellentes Bonusmaterial
Wie üblich bei David Fincher überzeugen DVD und Blu-ray von The Social Network nicht nur hinsichtlich ihrer Bild- und Tonqualität. Auch die Extras liefern tatsächlich spannende Einblicke in die Entstehung des Films. Das mehr als einstündige Making-Of vermittelt einen guten Eindruck von Finchers akribischem Perfektionismus und wie eng Autor Sorkin (Eine Frage der Ehre) in die Vorbereitung sowie die eigentlichen Dreharbeiten eingebunden war.
Für Technikinteressierte gibt es ein paar echte Schmankerl: So setzte Fincher einen markanten Kameraschwenk über den Harvard-Square aus mehreren statischen Einzelaufnahmen zusammen, weil auf dem Gebäude, von dem aus gefilmt wurde, kein Kran installiert werden konnte. Überhaupt entpuppt sich The Social Network als technisch erstaunlich ambitioniert, wenn man bedenkt, dass sich die meiste Zeit über bloß Figuren Wortgefechte liefern. Wortgefechte freilich, in denen die Essenz eines ganzen Jahrzehnts steckt.
Titel: The Social Network
Regie: David Fincher
Darsteller: Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Armie Hammer, Justin Timberlake, Rooney Mara und andere
FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 120 Minuten
Studio/Verleih: Sony Pictures Home Entertainment
Extras: zwei Audiokommentare, Making Of, Szenenanalyse und sechs Kurzdokus
Preis: ab 12,99 Euro (Blu-ray: 19,99 Euro)
Bereits erschienen