«Kein deutsches AKW ist absolut sicher»
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Von news.de-Mitarbeiter Ronny Janke
Artikel vom 16.03.2011
Selten war eine Runde Menschen bei Maischberger so gut zusammengestellt wie gestern. Die wichtigsten Antworten zu den Themen Restrisiko, Sicherheitsstandards und Atomkraftwerk-Standort Deutschland hat news.de für Sie zusammengefasst.
Unter der Überschrift Die Geister, die wir riefen: Atomkraft außer Kontrolle? lud Sandra Maischberger gestern Abend eine Expertenrunde zu sich ein. Befürworter und Gegner des Atomstroms versuchten dabei die wichtigsten Fragen zu beantworten. News.de gibt einen Überblick und fasst die Antworten zusammen:
Wie sicher sind die deutschen Reaktoren?
Die Antwort des Nuklear-Experten Wolfgang Renneberg überrascht: «Kein Kraftwerk in Deutschland ist zu 100 Prozent sicher.» Renneberg ergänzt, dass es sich dabei um eine Illusion handelt, die nur für die Bevölkerung aufrecht erhalten wird. Laut der Logik des Umweltministers Norbert Röttgen müssten alle Kraftwerke sofort abgeschaltet werden, da keines absolut sicher sei. Aus eigenen Erfahrungen weiß Renneberg, dass es schon allein durch die Betreiber immer ein Restrisiko geben wird. Im Atomkraftwerk Brunsbüttel hat er selbst erlebt, dass der Reaktor gefährlich gewackelt habe. Auch wichtige Leitungen seien aufgeplatzt gewesen. Erst die Aufsichtsbehörde habe den Reaktor vom Netz genommen. «Die Betreiber hätten davon gewusst, aber nichts unternommen», erzählt Renneberg.
Sind wir bereit, das Restrisiko zu tragen?
Erwin Huber (CSU) findet eine eindeutige Antwort auf diese Frage: «Ja, denn in 35 Jahren, in denen Energie aus Atomkraftwerken gewonnen wird, hat man viel aus dem Umgang mit ihnen gelernt.» Auch Ralf Güldner, Präsident des deutschen Atomforums, findet: «Deutsche Kraftwerke sind heute genauso sicher wie vor einer Woche», doch sei dies jetzt erst zum Thema geworden. Trotzdem hält er die Stresstests, die jetzt durchgeführt werden sollen, für notwendig. Güldner macht aber auch darauf aufmerksam, dass es nach derzeitiger deutscher Rechtslage «nicht gerechtfertigt ist, die Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen». Auch Huber legt noch einmal nach: «In meiner Heimat gibt es keine Panik, die Menschen vertrauen den Betreibern und der Technik.» Der frühere bayerische Staatsminister lebt in unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerks Isar 1. Parteikollege Horst Seehofer warnte vor Flugzeugabstürzen, weil bei Isar 1 für einen solchen Fall nicht ausreichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sind.
Können wir den aktuellen Sicherheitsstandards überhaupt vertrauen?
Philosoph Richard David Precht findet: «Seit 2005/2006 ist bekannt, dass ‹Isar 1› keinem Flugzeugabsturz gewappnet ist.» Der Atomkraft-Gegner ist der Meinung, dass die deutsche Politik der Entwicklung realistischer Bedrohungsszenarien hinterherhinke. Seit Jahren würden die Menschen das immer gleiche Argument zu hören bekommen: «Die Atomkraftwerke sind sicher.» Doch wer kann das jetzt noch glauben?
Ist das geplante Abschalten der sieben Atomkraftwerke in Deutschland eine politische Panikreaktion?
Glaubt man dem Spiegel-Autor Jan Fleischhauer, dann ja. «Ein Gefühlstsunami hat die deutsche Politik bewegt», sagt er und ist zugleich davon überzeugt, dass die aktuellen Schritte der Regierung nur für einen gewissen Zeitraum für Beruhigung sorgen werden und dann die Diskussion wieder abebbt. Erhard Eppler (SPD), ein weiterer Gegner von Atomkraft in der Runde, kritisiert die Regierung: «Wenn jemand so schnell eine 180-Grad-Kehrtwende macht, weiß ich als Bürger nicht, wann die nächste kommt und wie sie aussieht.» Geht es nach ihm, muss der Moment genutzt werden, um aus der Atomenergie «vernünftig rauszukommen». Nuklear-Experte Renneberg ergänzt: «Eine Wiederbelebung der Kernenergie, wenn überhaupt, gibt es vor allem in den Ländern, in denen sie staatlich gefördert wird.»
Wie leicht ist das deutsche Volk zu beeinflussen?
«Der Motor des sozialen Geschehens ist der Affekt», sagt Atomkraft-Gegner Precht. In diesem Fall scheint dem Philosophen die von Gefühlen beherrschte Debatte recht zu sein. Er sagt weiter: «Nach Japan gibt es auch in Frankreich eine Anti-Atom-Bewegung. Und einer muss anfangen, auszusteigen.» Im Grunde müsse das Volk entscheiden, wie der Strom entsteht, den es nutzt. Allerdings hält er nichts davon, in der jetzigen Situation eine Volksabstimmung durchzuführen. Auch Güldner, Vertreter der Atom-Lobby, weiß: «Im Moment ist klar, wofür sich das Volk entscheiden würde.»
Werden die Änderungen dauerhaft sein?
Fleischhauer ist nicht davon überzeugt. «Auch nach dem 11. September war die Rede von Veränderungen,» sagt der Atomenergie-Befürworter und ergänzt: «Lange gehalten hat sich der Vorsatz nicht.» Gegenteiliger Meinung ist Eppler: «Es ist relativ wahrscheinlich, dass es bei der Abschaltung der Reaktoren bleibt.» Und irgendwo in der Mitte positioniert sich Precht, der findet: «Nur, wenn es seitens der Wähler eine Abstrafung bei den Wahlen gibt und der öffentliche Druck zunimmt.»
Woher könnte der Strom kommen, der im Moment von den Atomkraftwerken geliefert wird?
Die Antwort liegt scheinbar auf der Hand, zumindest wenn man Huber glauben kann: «Der Strom würde dann durch Kohleverbrennung gewonnen.» Allerdings wird das so ausgeschiedene Kohlenstoffdioxid auch wieder für Gegenbewegungen sorgen, weil genau das zum Schutz vor dem Klimawandel verhindert werden soll. Die Lösung, die Spiegel-Autor Fleischhauer vorschlägt, klingt einfach, aber schwer umsetzbar: «Verzicht.» Die Menschen müssten lernen, ihren Stromverbrauch einzuschränken. Letztes Wort bei der Beantwortung dieser Frage hat der Präsident des deutschen Atomforums Ralf Güldner: «Es wird verbrauchsstarke Monate geben, aber wir kommen hin.» Allerdings muss sich der Verbraucher auch auf einen Anstieg des Strompreises um bis zu 25 Prozent einstellen.
Was können die 50 verbliebenen Mitarbeiter der gefährdeten Atomkraftwerke in Japan jetzt noch tun, um Schlimmeres zu verhindern?
«So viel Kühlmittel bereitstellen, wie nur geht», rät Nuklear-Experte Renneberg. Kommt es zu einer Explosion einiger Reaktoren, seien 20 bis 30 Kilometer des Umlandes stark kontaminationsgefährdet. Ähnlich wie in Tschernobyl müsste dann eine Schutzzone errichtet werden, möglicherweise über Jahrzehnte. Allerdings könne über die Folgen im Moment nur spekuliert werden.
Wenn die gestrige Ausgabe von Menschen bei Maischberger eines gezeigt hat, dann, dass eine Gesprächsrunde mit Informationsgewinn für den Zuschauer tatsächlich möglich ist. Sandra Maischberger verabschiedete sich am Ende mit den Worten: «Das ist sicherlich erst der Beginn der deutschen Atom-Debatte» und bedankte sich bei ihrer Runde dafür, den Anfang gemacht zu haben. Dass es ein derart sachlich-sortierter Anfang war, macht Hoffnung auf einen positiven Verlauf.
Sehen Sie hier die aktuelle Folge von Menschen bei Maischberger.
cvd/reu/news.de
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Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!
jetzt antwortenKommentar meldenVerzicht ist gut. Ich für mein Teil verzichte schon auf so einigen Schhnick schnack. Aber wie deckt sich das mit den Interessen der Wirtschaft? Ein Elektroauto soll der Heilsbringer sein das bewahrt die Umwelt vor CO2 heißt es. Eine Wärmepumpenheizung soll es sein, aber die braucht ja nun mal auch Strom. Ja also was denn nun? Verzichten oder verbrauchen auf dem heiligen CO2 Altar? Ich für mein teil habe die größten CO2 Dreckschleudern bereits anderswo ausgemacht, es ist die Industrie und die Bankentempel. Die haußen mit der Energie das die Schwarte kracht. Von Effizienz keine Spur.
jetzt antwortenKommentar meldenZu Kommentar 12: Meine uneingeschränkte Zustimmung. Vergleiche mit Verkehrsunfällen sind hahnebüchener Unfug.
jetzt antwortenKommentar meldenMei erster Lehrgang im Kernkraftwerk Karlsruhe vor 43 Jahren machte mir klar: - saubere Energiegewinnung mit dem ungelösten Problem der Abfallbeseitigung-! Jetzt, fast 45 Jahe später werden viele Menschen wach wegen der großen Risikoschwelle. Aber was ist mit den Alternativen? -Wind und Sonne - o.K. Warum werden nicht jetzt mit Hochdruck die fast fertigen modernen Kohlekraftwerke in HAMM und DATTELN fertig gebaut? Davon noch ein paar mehr und wir können ohne Probleme aus der Kernkraft aussteigen!!! Nur der alte Müll bleibt ein riesieges Problem. Deswegen bitte nicht noch mehr erzeugen.
jetzt antwortenKommentar meldenAlso man muss kein Techniker sein um solchen Schwachsinn zu erkennen. Der Ausfall der elektr. Versorgung ist an sich schon ein Konstruktionsfehler, denn für einen solchen Fall muss eine Notstromversorgung anspringen, die hier aber versagt hat. Man stelle sich vor, da produziert ein AKW über Jahre Mill. von KW und wenns drauf ankommt, fehlt der Saft für den Start der Notstromdiesel. Der Faktor Mensch und Atom ist eine nicht beherrschbare Mischung, jeder Vergleich mit anderen Konstruktionen hinkt, weil als Folge eines GAU Zehntausende elend verrecken und ...............
jetzt antwortenKommentar meldenbw:genau und deswegen muss der Saulus-Mappus weg.der sich gestern wie ein Paulus verkauft hat! Aber warum hat er klamm heimlich die ENBW -Aktie gekauft?Da hat IHN die REALPOLITIK und JAPANKATASTROPHE WIEDER EINGEHOLT!HOFFE DAS DIE WÄHLER IN BW WISSEN WAS FÜR EIN FALSCHES SPIEL GESPIELT WIRD,WIE BEI S21!
jetzt antwortenKommentar meldenMit Deinen Argumenten "dann kann man ja nicht..." kann man nicht "vernünftig" diskutieren... Man muss zwischen vermeidbaren und unvermeidbaren Risiken differenzieren. "Leben" heißt, sich auch mit Risiken durch dieses Leben zu bewegen. Ein Pastorenehepaar nebst Kindern kam vor einigen jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben - weil es eben ein "Restrisiko" gibt, dass Flugzeuge abstürzen. rd. 4.000 Personen starben 2010 auf der Straße, 14.000 Personen im Haushalt. Viele Unfälle wären sicher vermeidbar gewesen, wenn der "einzelne" aufgepasst hätte - aber ein AKW-Unfall ??? Eine andere Güte...
jetzt antwortenKommentar meldenScheinheiligkeit oder Realpolitik?!!Der Wähler ist jetzt gefragt die Antwort zu geben.Alles andere wird sich finden.
jetzt antwortenKommentar meldenAKW's sind für bestimmte Leute richtig schöne GELD-Maschinen, wobei die Bevölkerung abgezockt wird und auch noch das sog. Restrisiko tragen darf, daß bei Eintritt verheerend bzw. existenzvernichtend ist. Für den letzten Fall erwarte ich natürlich, daß alle MdB's tapfer vor Ort den Gau bekämpfen werden und nicht die Ersten sind, welche ihre Verantwortung vergessen haben. Vielleich sollte man etwas mehr in Richtung Wilhelm Reich, Nicola Tessla etc. forschen. Atomenergie ist eine Mio-Jahre alte Technologie, welche schon früher nicht voll beherrschbar war.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Diskussionen in den Medien machen nur Stimmungsmache. Real ist, das, wenn in Deutschland ein vergleichbares Erdbeben auftreten würde, was durchaus möglich wäre, würden alle Versorgungen (Strom, Erdgas usw.) zerstört werden. Die Erdgasleitungen würden brennen bzw. explodieren. Kein Strom zum Kochen und Heizen! Das totale Chaos! Würden wir damit fertig? In Japan war der Ausfall von elektrischer Energie Auslöser der AKW-Katastrophe, nicht ein Konstruktionsfehler! Ein Ausfall von elektrischer Energie würde bei uns einen unkontrollierten Kollaps auslösen.
jetzt antwortenKommentar meldenRestrisiko? Wenn Atomkaftgegner sich ins Auto, aufs Motorrad oder aufs Fahrrad setzen, fragen sie dann auch nach dem Risiko? Wenn sie das genauso betrachten würden wie bei den Risiken der Kernkaftnutzung, müssten sie auf jegliche Verkehrsteilnahme angesichts von Millionen Toten und noch mehr Verletzten seit Anbeginn der Motorisierung des Verkehrs verzichten!!! Auch in Züge oder Flugzeuge dürften sie nicht mehr einsteigen!!!
jetzt antwortenKommentar meldenIMMERZU:DIE GENOSSEN WOLLTEN SCHON ZWISCHEN 2001-2009 abschalten!ZU DER DEINER INFORMATION WENN DU DAS KAPIERST,IN DEUTSCHLAND KOMMEN 23% UNSERES STROMES AUS AKWS!ALSO WARUM DIE LÄCHERLICHEN 23% AUFRECHT ERHALTEN?DAMIT DIE KONZERNE WIE ENBW,RWE,VATTENFALL UND EON NOCH MEHR VERDIENEN?DEN SCHWARZ/GELBEN DIE PARTEISPENDEN SICHER SIND? DIE ZECHE ZAHLT DER STEUERZAHLER SOWIESO,ABER WARUM UNS VON DEN VERSTRAHLTEN POLITIKERN NOCH ATOMAR VERSTRAHLEN LASSEN?EIN KLEINER UNFALL DANN MÖCHTE ICH LEUTE WIE DICH HÖREN,WIE DIE,DIE GESTERN VOM SAULUS ZUM PAULUS WURDEN WEGEN DER LT-WAHLEN VORALLEM MERKELTRUPPE!
jetzt antwortenKommentar meldenDer augenblickliche Atomstrommix ist eben 60% Kohle/Gas/Öl, 23% Atom, 17% altern. Strom. Der Entfall des Atomstromes führt zum Engpass, der entweder Stromabschaltung oder Zukauf zu Folge hat. Heute schon melden die Medien Strompreissteigerungen, weil der billige Mix offensichtlich ohne Atomstrom nicht geht. Nach alle Landtagswahlen geht die Preissteigeung los. Dann können sich die sogeannten Atomstromgegener auf etwas gefasst machen und das zu recht. Wer Ökostrom fordert, soll ihn ohne Wenn und Aber kaufen, was diese Feiglinge aber nicht tun werden.
jetzt antwortenKommentar meldenAls Ingenieur muß ich gewisse Richtlinien bei der Konstruktion, der Inbetriebnhame und der Stilllegung von Maschinen und Anlagen befolgen. Unter anderem heißt es, daß die Technologie in jedem Fall und zu jeder Zeit zu 100% beherrschbar bleibt. Andernfalls darf ich besagte Maschine oder Anlage nicht in den Verkehr bringen. Merkwürdig, daß man bei Kernkraftwerken nicht so vorgeht, zumal im Falle eines Falles unzählige Menschenleben in Gefahr stünden. Welche juristische Person stellt sich dafür verantwortlich??? @immerzu: Würden Sie sich einen Kernreaktor in den Keller Ihres Hauses stellen???
jetzt antwortenKommentar meldenNun kommen die "Genossen" Opportunisten wieder aus allen Löchern gekrochen- Gabriel - Trittin- Künast-Roth-und am Ende auch noch Gysi von der Mauerschützenpartei. Es sind die gleichen Leute, die in der Nähe ihrer eigenen Behausungen auch sicher keine Windkraftanlagen stehen haben möchten. Bei denen kommt der elektrische Strom aus der Steckdose. Einfach mal 3 Tage alle AKW's abschalten, mal sehen wie viel danach noch demonstrieren ... und wo kommt denn dann der Strom her na klar, von unserm Nachbarn den Franzosen… natürlich „alternativen“ Atomstrom…
jetzt antwortenKommentar meldenAuch Huber legt noch einmal nach: «In meiner Heimat gibt es keine Panik, die Menschen vertrauen den Betreibern und der Technik.» Naja jetzt noch. Wenn das mal brennt, dann stellt sich die Panik schon noch ein! Das sind unsere Volksvertreter!
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