Wie wird die europäische Filmförderung ab 2013 aussehen? Am 18. März werden in Brüssel die Weichen dafür gestellt. Bei einer öffentlichen Anhörung diskutiert die Filmbranche über die Anforderungen an das MEDIA-Programm zur Förderung der audiovisuellen Industrie in Europa.
Hamburg (dpa) - Wie wird die europäische Filmförderung ab 2013 aussehen? Am 18. März werden in Brüssel die Weichen dafür gestellt. Bei einer öffentlichen Anhörung diskutiert die Filmbranche über die Anforderungen an das MEDIA-Programm zur Förderung der audiovisuellen Industrie in Europa.
Im Zuge der europaweiten Sparpolitik kommen bei der EU-Kommission sämtliche Initiativen auf den Prüfstand. «Wir möchten eine sehr offene Debatte führen, welche Elemente des Programms gut sind und was in Zukunft verbessert werden sollte», erklärt Aviva Silver, Leiterin des MEDIA-Programms.
Diese EU-Initiative hat unabhängige Verleiher, Kinobetreiber und Produzenten in den letzten 20 Jahren dabei unterstützt, eigene Strukturen zu entwickeln. Davon profitiert haben preisgekrönte Regisseure wie Lars von Trier, Pedro Almodóvar, François Ozon, Stephen Frears oder Nanni Moretti, deren Filme dank der EU-Vertriebsförderung in vielen Ländern ins Kino gekommen sind. Auch im Ausbildungs- und Produktionsbereich hat das Programm europaweit zu einer Professionalisierung der Filmbranche beigetragen.
«Ohne das MEDIA-Programm hätten wir heute keine audiovisuelle Industrie in Europa», konstatierten diverse Filmorganisationen wie die Europäische Filmakademie in ihrem gemeinsamen Schreiben an den EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso. Die Nachricht, dass Barroso die Existenz von MEDIA infragestelle, hat die europäische Filmbranche während der Internationalen Filmfestspiele Berlin in Aufregung versetzt. Seitdem schickten ihm Kino-, Verleih- und Produzentenverbände aus ganz Europa täglich neue Protestbriefe und Petitionen ins Haus.
Der EU-Kommissionspräsident reagierte mit Befremden auf die Proteste. Bei einem Besuch der europäischen Kulturhauptstadt im finnischen Turku erklärte Barroso, dass die Europäische Kommission das MEDIA-Programm nicht beschneiden wolle. Im Gegenteil, er werde sich für eine Verstärkung des Programms einsetzen. Einen Tag vor dem öffentlichen Hearing in Brüssel will ihm eine Delegation europäischer Filmemacher, die von Costa Gavras, Theo Angelopoulos und Radu Mihaileanu («Das Konzert») angeführt wird, persönlich einen Besuch abstatten.
«Die Wichtigkeit der Filmwirtschaft wird von den Politikern unterschätzt, denn es gibt keine andere Industrie, die sich kulturell so stark auf unsere Tradition, Geschichte und auch auf unsere Zukunft auswirkt», betont Silver. Rückhalt kommt von Androulla Vassiliou, der EU-Kommissarin für Bildung und Kultur, die sich für die Verteidigung des MEDIA-Etats einsetzen will, für den die EU von 2007 bis 2013 insgesamt 755 Millionen Euro bereitgestellt hat.
«MEDIA fördert in den riskanten Bereichen Stoffentwicklung und Training, das macht mit dem europäischen Profil niemand sonst», betont Johannes Rexin, Produzent der Kölner Produktionsfirma Heimatfilm, auf deren Konto Erfolgsfilme wie der Goldene Bären-Gewinner «Bal - Honig», «Lemon Tree» oder «Antichrist» gehen. «Mithilfe von MEDIA konnten Filmprojekte entwickelt werden, die ohne diese Förderung, wenn überhaupt, nicht in gleicher Qualität hätten produziert werden können.»
news.de/dpa