Von news.de-Redakteurin Corina Broßmann
Internetpornos, mecklenburg-vorpommersche Städtchen und Bandwettbewerbe: Der belgische Sänger und Songwriter Milow spricht mit news.de über sein neues Album und über dankenswerterweise falsch verstandene Texte.
Sie haben selbst an einem Casting für Musiker teilgenommen, haben Ihren Durchbruch aber erst später auf eigene Faust geschafft. Wie denken Sie heute über Castingshows?
Milow: Ich habe 2004 an einem Bandwettbewerb teilgenommen und bin unter den ersten zehn aus 1000 gelandet. Aber das wurde nie im Fernsehen ausgestrahlt. Es war also auch keine Castingshow. Ich bin kein Fan von Castingshows, weil die Künstler meistens nicht die Chance bekommen, sich zu entwickeln oder ab und an einen Fehler zu machen, aus dem man erst lernt. Wer langfristig Erfolg haben will, sollte einen anderen Weg gehen.
Welchen Rat würden Sie jungen Künstlern dann geben?
Milow: Gebt nicht auf. Vertraut auf eure Instinkte. Seid geduldig. Arbeitet hart an euch und versucht euch sowohl als Songwriter als auch als Musiker und vor allem als Live-Performer zu verbessern. Die Live-Qualität macht letztendlich den Ruf aus. Das ist der wichtigste Ansatzpunkt.
Warum wollen Musiker überhaupt berühmt werden? Muss Erfolg sein?
Milow: Ich weiß nicht. Ich halte mich nicht für berühmt. Die meisten Leute kennen eher meine Musik als mein Gesicht. Das halte ich für ein gutes Zeichen, denn es geht schließlich um meine Musik und nicht meine Person. Ein Vorteil daran, Erfolg zu haben, ist aber auf jeden Fall, dass so viele Leute meine Musik hören wollen, dass ich das ganze Jahr über quer durch Europa reisen und Konzerte spielen kann.
Also macht Ihnen das viele Unterwegssein nichts aus?
Milow: Ich liebe es. Sonst könnte man den Job auch nicht ertragen.
Der Karriere halber umzuziehen, käme aber nicht in Frage? Sie leben schließlich immer noch in Ihrem Heimatland Belgien, obwohl das nun keine Metropole der Musikbranche ist.
Milow: Wenn ich den Durchbruch in den USA schaffe, überlege ich mir, zumindest teilzeit dort zu leben. Noch habe ich das aber nicht. Bis dahin bleibe ich lieber in Belgien. Von Brüssel aus erreiche ich auch alle europäischen Metropolen schnell und günstig. Das ist ganz praktisch so.
Ihr bisher größter Hit war Ayo Technology, ein 50-Cent-Cover mit ziemlich explizitem, pornographischem Text, der so gar nicht zu Ihren eigenen Texten passt. Inwiefern mussten Sie erkennen, dass sich Sex gut verkauft?
Milow: Das Coole daran ist, dass ich das Gefühl habe, dass nur ganz wenigen Leuten in Deutschland und dem Rest Europas, die meine Version hören, bewusst ist, dass ich da über Internetpornos singe. Nur weil ich eine Gitarre dazu in der Hand habe und die Melodie weich klingt, glaubt man schnell, es müsse um etwas Romantisches gehen.
Ihre eigenen Texte sind ja auch tiefgründiger und sehr emotional. Lassen sich Frauen damit leichter beeindrucken als mit Hiphop?
Milow: Das glaube ich nicht mal. Manche stehen auf Rock, manche auf Hiphop, nicht alle auf Akustikmusik. Frauen rumzukriegen ist auch ganz ehrlich kein Grund für mich, Musik zu machen.
Am Freitag bringen Sie Ihr neues Album North and South heraus. Alle elf Songs darauf sind sehr persönlich. Welche ist Ihre Lieblingsgeschichte?
Milow: Ich will mich nicht entscheiden. Ich stehe 110 Prozent hinter allen Songs, denn ich habe weit mehr als elf dafür geschrieben und schon wirklich nur meine Lieblingslieder ausgewählt. Son erzählt zum Beispiel vom Verhältnis zu meinem Vater, You and Me (In My Pocket) ist eine ungewöhnliche Liebeserklärung und ein Gute-Laune-Track.
Worin unterscheidet sich North and South vom Vorgängeralbum?
Milow: Ich denke, diesmal ist mir eine bessere Balance zwischen hell und dunkel gelungen und es liegt mehr Fokus auf den Grooves.
Wissen Sie , dass Milow eine deutsche Stadt in Mecklenburg-Vorpommern ist?
Milow: Ja, aber noch nicht lange. Das habe ich gehört, als ich in Deutschland auf Tour war. Vielleicht fahre ich mal hin.
Interpret: Milow
Titel: North and South
Plattenfirma: B1 Recordings (Universal)
Erscheinungsdatum: 1. April