Fernsehen Schandmal - der Tote im Berg

Schandmal - der Tote im Berg (Foto)
Schandmal - der Tote im Berg Bild: dpa

Zu Zeiten von «Stahlnetz» oder «Der Kommissar» durften TV-Ermittler höchstens mal einen Schnupfen haben. Sonst nichts, sie mussten kerngesund sein, Heroen des Alltags ohne Furcht und Makel. Das ist heute anders.

Hamburg (dpa) - Zu Zeiten von «Stahlnetz» oder «Der Kommissar» durften TV-Ermittler höchstens mal einen Schnupfen haben. Sonst nichts, sie mussten kerngesund sein, Heroen des Alltags ohne Furcht und Makel. Das ist heute anders.

Da ist auch ein Gehirntumor möglich, wie bei Ulrich Tukurs LKA-Ermittler Felix Murot im ARD-«Tatort». Oder Kollegin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) fürchtet, HIV-positiv zu sein. Für Schauspielerin Katja Flint ist das eine normale Entwicklung: «Die Menschen sprechen mehr miteinander, auch über Krankheiten, das ist gut. Und das geht eben auch in die Filme ein.»

So wie im ZDF-Landschaftsthriller «Schandmal - der Tote im Berg», den das ZDF am Montag um 20.15 Uhr zeigt. Darin spielt Flint eine Kommissarin, die gerade eben - hoffentlich - den Brustkrebs überwunden hat und noch nicht wieder so ganz bei sich angekommen ist: «Das ist nicht die eigentliche Geschichte. Die ist der Krimi. Aber dieses Stadium, in dem sie sich befindet, erklärt manches. Zum Beispiel ihre Hinwendung zum Hauptverdächtigen.»

Der ist Polizist in einem kleinen Bergdorf, ein Außenseiter, da sein Vater wegen angeblicher Vergewaltigung im Gefängnis sitzt. Warum dieser Thomas Hafner dennoch dort kleben geblieben ist? Sein Darsteller Max Riemelt findet das gar nicht so unverständlich: «Das ist seine Heimat, er hat keine andere Perspektive.» Und vielleicht treibt ihn zugleich die idealistische Hoffnung, eines Tages den möglicherweise unschuldigen Vater rehabilitieren zu können.

Dann aber hängt ein Toter im Berg. Unfall? Oder Mord? Prompt gerät Hafner in Verdacht. Denn das Opfer gehört zu denen, die einst den Vater verunglimpft haben. Viele halten den Dorfpolizisten nun für den Mörder, und schon prangt ein «Schandmal» an seiner Tür wie einst beim Vater. Nur die aus der Stadt angereiste Kommissarin Hanna Weiß sieht in ihm nicht den Täter. Und er wiederum fühlt sich zu ihr hingezogen. Eine zarte Beziehung zeichnet sich ab, überschattet vom Mordverdacht. Und von der gerade überstandenen Brustkrebserkrankung Hannas, die sich nicht mehr als vollwertige Frau empfindet.

Thomas Berger inszenierte den Film nach einem Buch von Stefan Holtz und Florian Iwersen vor dem wildromantischen Hintergrund der Tiroler Alpen. Katja Flint (51), passionierte Skiläuferin seit ihren Jugendjahren in den Rocky Mountains, hat mit dieser Welt keine Schwierigkeiten und war begeistert zum 1500 Meter hoch gelegenen Drehort hinaufgekraxelt: «Das war ein bisschen wie bei einem Schulausflug.»

Riemelt (27), bekennender Stadtmensch, musste in seiner Rolle noch etwas höher steigen, und das fand er nicht immer so lustig. Aber ein Erlebnis war es doch: «Man bekommt dort oben in der Höhe ein Gefühl für die Winzigkeit des Menschen.» Und er hat die Bergführer zu schätzen gelernt, die ihm behilflich waren: «Tolle Typen, mit einem ganz besonderen Humor. Manchmal etwas zynisch, aber doch recht lustig.»

Ob er bei einer möglichen Fortsetzung der Kommissarin Hanna erneut begegnen könnte? «Lieber nicht. Es sollte bei diesem einen Märchen bleiben.» Und außerdem ist ein weiterer Film um Hanna derzeit nicht geplant. «Es muss nicht immer alles gleich eine Reihe werden», meint Flint.

news.de/dpa

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