Fotografie Angekommen in der Heimat - Struth in Düsseldorf

Angekommen in der Heimat - Struth in Düsseldorf (Foto)
Angekommen in der Heimat - Struth in Düsseldorf Bild: dpa

In der ganzen Welt ist der Foto-Künstler Thomas Struth für seine Fotos von Museumssälen, Urwäldern, Straßenzügen und zuletzt Maschinenräumen herumgereist. Seine mit einer Plattenkamera produzierten Werke werden von Paris bis New York gezeigt.

Düsseldorf (dpa) - In der ganzen Welt ist der Foto-Künstler Thomas Struth für seine Fotos von Museumssälen, Urwäldern, Straßenzügen und zuletzt Maschinenräumen herumgereist. Seine mit einer Plattenkamera produzierten Werke werden von Paris bis New York gezeigt.

Doch noch nie hatte Struth eine Ausstellung mit all seinen Werkgruppen in Deutschland - und schon gar nicht in Düsseldorf, der Stadt, die berühmte Foto-Künstler wie ihn, Andreas Gursky und Thomas Ruff hervorgebracht hat. Bis zum 19. Juni sind in der Kunstsammlung NRW erstmals fast 110 großformatige Fotografien Struths zu sehen. Zuvor hatte die Schau in kleinerer Form Station in Zürich gemacht.

Struths Künstler-Biographie fußt in Malerei und Fotografie gleichermaßen. Er studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie Malerei bei Gerhard Richter und Fotografie bei Bernd Becher. Zwar betont Struth: «Fotografie ist Fotografie, und Malerei ist Malerei. Beide konkurrieren miteinander.» Doch habe er durch seine Ausbildung als Maler ein starkes «Bewusstsein» für Bildkonstruktionen.

Bei Gemälden habe der Maler die genaue Kontrolle über das Bild, bei Fotografien sei das anders, sagt Struth der dpa. So wartete er in der Kirche San Zaccaria in Venedig eine Woche lang, bis die von ihm gewollte Konstellation von Besuchern endlich auf den Kirchenbänken saß. Manchmal allerdings hilft der Künstler beim Motiv auch etwas nach. So engagierte Struth für seine Aufnahmen im Pergamon-Museum in Berlin 135 Statisten von der Mutter mit Kinderwagen bis zu Asiaten.

Für eine halbe Million Euro wurde kürzlich in London sein Selbstbildnis vor dem Selbstporträt von Albrecht Dürer versteigert. Dürer schaut unbewegt «in die Kamera» - es kommt zu einem Dialog. Das ist bei der Fotografie des Revolutionsgemäldes des Franzosen Eugène Delacroix im Nationalmuseum in Tokio anders. Die Besucher sitzen im Dunkeln vor dem entfernten Bild - die westeuropäische Kultur wirkt fremd.

Kaum zu erkennen sind die Menschen auf Balkonen der Hochhäuser in Südkorea. Der Mensch verschwindet bei Struth hinter dem gigantischen Werk, das er selbst geschaffen hat. Die jüngste Werkgruppe umfasst die «Maschinenräume der Moderne». Mit seiner Technik aus dem 19. Jahrhundert fotografierte Struth das Gewirr der Apparaturen bei der Nasa in Cape Canaveral, im Max-Planck-Institut oder beim Gentest-Hersteller Qiagen. «Die politische Botschaft gibt's gratis», sagt er.

Infos zur Ausstellung

news.de/dpa

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