Beady Eye Nicht totzukriegen

Oasis sind Geschichte, Beady Eye müssen sie erst noch schreiben: Liam Gallagher will mit seiner neuen Band sogar noch erfolgreicher werden, als es Oasis je waren. Das überrascht, denn: Beady Eye klingen wie die Britpop-Legende.

Beady Eye (Foto)
Keine Angst: Die Musik von Beady Eye ist nicht mal halb so streng, wie es die Blicke der Band vermuten lassen. Bild: Beady Eye (Indigo)

Am Anfang stand der gegenseitige Hass unter Brüdern. Schon als Kinder konnten sie sich nicht ausstehen, die Brüder Noel und Liam Gallagher. Trotzdem rauften sie sich zusammen und versuchten Anfang der 1990er, ihren gemeinsamen Traum vom Rockstarleben in die Tat umzusetzen. Die Britpop-Band Oasis war geboren.

Nach etwa 18 Jahren, sieben regulären Alben, drei Best-Of-Platten, einem Live-Album und unzähligen Streitereien sollte die Oasis-Bandgeschichte dann doch zu Ende erzählt sein. Im Spätsommer 2009 ereignete sich die Tragödie, auf die vielleicht deshalb kein großer Fan-Aufschrei folgte, weil ohnehin alle damit rechneten: Nach monatelangen gegenseitigen Anfeindungen der beiden Gallagher-Brüder erklärte Noel, dass er zum Ausstieg gezwungen wurde. Sein Bruder Liam krallte sich die übriggebliebenen Bandmitglieder und machte allein weiter. Jedoch nicht als Oasis. Das verbot ihm sicher nicht nur der Anstand, sondern auch der Wunsch nach einem tatsächlichen Neuanfang. Und den soll es jetzt mit seiner neuen Band Beady Eye geben.

Beady Eye: Oasis-Restposten
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Bescheidenheit: Nicht gerade Liams Stärke

In einem Interview mit der Frankfurter Neue Presse antwortet Liam Gallagher auf die Frage, warum Oasis fast 20 Jahre lang so erfolgreich waren: «Weil wir keine beschissenen Chamäleons waren.» Auf Oasis mag das vielleicht zugetroffen haben, für Beady Eye aber gilt das nicht.

Different Gear, Still Speeding heißt das Debütalbum einer neuen Band, die aus der Asche einer alten entstanden ist. Weil Noel Gallagher als Mastermind von Oasis galt, hatten viele geschmunzelt, als Liam Gallagher gewohnt großmundig verkündet hatte, dass Beady Eye erfolgreicher werden würden, als es Oasis je waren. Dass Bescheidenheit noch nie zu Liams Stärken zählte, beweist jetzt auch das erste Album der Band. Denn die Lieder zitieren munter Vorbilder wie T. Rex, die Beatles, The Who und - selbstverständlich - Oasis.

Beady Eye als Oasis-Resterampe

Wobei letztere von Beady Eye nicht nur zitiert, sondern regelrecht wiederbelebt werden. Nicht ein einziger der 13 Songs, die auf Different Gear, Still Speeding versammelt sind, klingt nach einem Neuanfang. Erst kürzlich hatte Liam noch über die Kollegen von Radiohead gelästert. Deren gerade erschienenes Album The King Of Limbs hält der großmäulige Tausendsassa für schlichtweg lächerlich. Dass Radiohead sich musikalisch immer wieder neu positionieren, sich entwickeln und so Musik abliefern, die möglicherweise nicht gleich beim ersten Hördurchgang hängen bleibt, dafür aber ihre Zeit braucht und wächst, ließ Liam Gallagher vollkommen unberücksichtigt.

Dass Beady Eye wie Oasis klingen, überrascht am Ende kaum: The Roller sollte ursprünglich als B-Seite auf eine der Oasis-Singles gepackt werden, lag also schon länger unbenutzt in einer der Gallagher-Schubladen. Jetzt hat es der Song auf Different Gear, Still Speeding geschafft und erinnert dabei an eine beschwingtere Variante von Oasis' Stop Crying Your Heart Out. Mit Beatles And Stones geben Beady Eye noch mal zu verstehen, an wem sie gern gemessen werden wollen. Standing On The Edge Of Noise klingt, als würde es sich um einen Oasis-Song handeln, der von deren Erfolgsalbum Be Here Now stammt.

Lange lebe Oasis!

Auch wenn Liams Texte nicht an die seines älteren Bruders Noel heranreichen, die größte Sorge bestand letztlich darin, dass die Songtexte an platte Kinderreime erinnern würden, wie das bei einigen von Liams frühesten Kompositionen der Fall war. Genau das bleibt einem glücklicherweise erspart. Der jüngere der Gallagher-Brüder wählt den einfachen Weg: Immer dann, wenn es gerade nichts zu erzählen gibt, müssen Sha-la-las die Lücken füllen. Kill For A Dream verweist auf Hey Jude von den Beatles und endet im Na-Na-Na-Gedächtnischor.

Sogar romantisch wird es: «So let it be and give it time, you go you're way and I'll go mine» heißt es in The Morning Son. Vielleicht ist das Liams Art, seinem Bruder die Hand zu reichen. Darauf wetten sollte aber niemand. Different Gear, Still Speeding ist Rock'N'Roll, gemacht für lange Nächte, laute Konzerte und das letzte Stückchen Rebellion, das einer Teenagerschar, die ihre Jeans bügelt, noch bleibt.

Und was ist nun mit der erfolgreichsten aller Britpop-Bands? Wie Beady Eye beweisen, sind Oasis nicht tot. Ganz klar: Der Geist der Band liegt in der Familie. Und weil Blut bekanntlich dicker ist als Wasser, muss auch nach der Trennung kein Oasis-Fan seiner Lieblingsband nachweinen. Sie lebt tatsächlich ewig.

Interpret: Beady Eye
Titel: Different Gear, Still Speeding
Plattenfirma: Beady Eye (Indigo)
Veröffentlichungsdatum: 25. Februar 2010

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