Kunst Judy Lybke: Vom Aktmodell zum Galeristen

Judy Lybke: Vom Aktmodell zum Galeristen (Foto)
Judy Lybke: Vom Aktmodell zum Galeristen Bild: dpa

In seiner Wohnung hängt kein einziges Kunstwerk an den Wänden. Und das, obwohl er viele Künstler unter seinen Fittichen hat. Doch der Leipziger Galerist Judy Lybke, der sowohl Neo Rauch als auch der Malerei-Richtung «Neue Leipziger Schule» weltweiten Ruhm verschaffte, trennt gerne Privates und Geschäftliches.

Leipzig (dpa) - In seiner Wohnung hängt kein einziges Kunstwerk an den Wänden. Und das, obwohl er viele Künstler unter seinen Fittichen hat. Doch der Leipziger Galerist Judy Lybke, der sowohl Neo Rauch als auch der Malerei-Richtung «Neue Leipziger Schule» weltweiten Ruhm verschaffte, trennt gerne Privates und Geschäftliches.

«Ich muss mal abschalten können», sagt der Sachse, der einst Aktmodell war und nun einer der erfolgreichsten deutschen Galeristen ist. Zum Abschalten gehört auch, dass er keinen Fernseher hat und sein Handy grundsätzlich nach 18 Uhr auf «Aus» stellt. Das heißt aber nicht, dass er seinen Beruf nicht liebt. «Es macht mir absolut Spaß!», sagt er nach fast drei Jahrzehnten als Galerist - und kurz vor seinem 50. Geburtstag am 8. März.

Der Beruf des Galeristen war nicht seine erste Wahl und ergab sich eher zufällig. Lybke, ausgebildeter Maschinenmonteur, wollte ursprünglich Kosmonaut werden. Doch dafür hätte er in der Sowjetunion studieren müssen, das kam für ihn aber nicht infrage. Auch der Wunsch, Schauspieler zu werden, scheiterte. Also verdiente sich der junge Lybke sein Geld als Aktmodell in einem Hochschul-Vorkurs. So lernte er Künstler kennen; auch jene, die nach dem Kurs die Prüfung nicht bestanden und daher nicht zum Kunststudium in Leipzig zugelassen wurden.

Mit diesen «Losern», wie er sie heute scherzhaft nennt, begann seine Karriere als Galerist. Die Werke dieser jungen Künstler stellte der kontaktfreudige Leipziger, der eigentlich Gerd Harry heißt, aber meist Judy genannt wird, ab 1983 in seiner eigenen Wohnung aus. «Die Unkonkreten» nannte er diese Künstlergruppe, EIGEN + ART die Galerie. Da es sich um eine Ausstellungsfläche im Untergrund handelte, nahm ihn auch die Stasi ins Visier. «Wir wurden von fünf Stasi-Leuten bewacht, die Pläne gingen bis zum Mord. Wenn man uns gesagt hätte, wie ernst es ist, hätten wir es damals gelassen», blickt er auf die DDR-Zeit zurück.

Nach dem Fall der Mauer zog EIGEN + ART auf das Areal einer Leipziger Baumwollspinnerei, das nun ein Galerien-Viertel ist. Seit 1992 ist Lybke, der jeden duzt, auch mit einer Galerie in Berlin präsent. 20 Künstler vertritt der Kunstmanager derzeit, etwa ebenso viele Mitarbeiter unterstützen ihn. «Eine Galerie ist nur so gut wie die Künstler, die sie vertritt. Da habe ich einfach Glück gehabt», meint Lybke.

Mit einem sicheren Gespür und großem Vermarktungsgeschick hat der Autodidakt nicht nur Neo Rauch internationalen Erfolg gebracht, für den er einst fünf Jahre lang Modell stand. Auch eine Reihe weiterer junger EIGEN + ART-Künstler sind unterdessen auf dem internationalen Kunstmarkt begehrt; etwa Matthias Weischer, Martin Eder, Tim Eitel oder David Schnell. Mindestens fünf Jahre lang beobachtet Lybke einen Künstler, bevor er ihn offiziell betreut.

In der Regel verdient ein Galerist 50 Prozent an jedem verkauften Werk seiner Künstler. Lybke dürfte schon allein mit dem hoch gehandelten Neo Rauch ausgesorgt haben. «Man muss auch eine hohe Ehrfurcht vor dem Geld haben, weil es sehr viele Dinge ermöglicht in der heutigen Gesellschaft», sagt er. Der Leipziger, der mit seiner Freundin - einer Malerin - und der Tochter zusammenlebt, wirkt aber bescheiden. «Ich bin nicht groß konsumfreudig und sammle nix.»

Sein einziges Faible und zugleich Markenzeichen sind extravagante Maßanzüge, oft Dreiteiler mit weit geschnittenen Hosen. «Anzüge sind wie Wohnungen. Die brauche ich, weil ich ständig unterwegs bin», sagt der Galerist, der derzeit binnen weniger Wochen auf Kunstmessen in Madrid, New York, Mexiko und Hongkong präsent ist. Nur zur weltgrößten Kunstmesse in Basel wird er 2011 nicht fahren. Die Galerie erhielt erstmals seit Jahren keine Einladung nach Basel, was für Entrüstung in der Kunstszene sorgte.

www.eigen-art.com

news.de/dpa

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