RTLs zweifelhafter Pakt mit der Kriminalität
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Von news.de-Redakteur Martin Walter
Artikel vom 08.03.2011
Zwischen investigativem Journalismus und Beihilfe zum Menschenschmuggel: RTL Extra begibt sich für eine Reportage über Flüchtlinge aus Nordafrika auf einen schmalen Grat. Das Resultat wird den reißerischen Ankündigungen nur zu Teilen gerecht.
«Dem RTL-Extra-Reporter Jenke von Wilmsdorff ist es jetzt als erstem TV-Journalisten gelungen, hunderte verzweifelte Flüchtlinge auf einem Schlepperboot nach Lampedusa zu begleiten und dabei das skrupellose Geschäft mit der Not zu dokumentieren.» So bewirbt der Kölner Privatsender einen vermeintlich aufsehenerregenden Beitrag seines Reportagemagazins, der im Vorfeld für Kritik von journalistischer Seite gesorgt hatte.
Kein Wort darüber, dass von Wilmsdorff ebenso skrupellos mit den Schleusern paktierte, indem er sich die Passage für teures Geld erkaufte und damit die illegale Überfahrt unterstützte. Eine Kooperation mit Kriminellen sozusagen, bei der Jagd nach exklusivem Bildmaterial zu einem hochbrisanten aktuellen Thema.
Die angespannte Lage in den nordafrikanischen Ländern wird für Europa nämlich zu einem immer massiveren Problem. Tausende von Flüchtlingen aus Tunesien, Ägypten und Libyen drängen mit aller Macht und trotz lebensbedrohlicher Umstände auf europäisches Territorium, in erster Linie auf die Mittelmeerinseln Lampedusa und Malta.
Libyens Machthaber Gaddafi weiß, dass er die europäische Staatengemeinschaft mit der Flüchtlingsproblematik erpressen kann und versucht, sein Überleben mit der Androhung zu sichern, hunderte Afrikaner per Nussschalen nach Europa zu schicken. Für illegale Schleuserbanden ist der Menschentransfer über den Seeweg dagegen ein äußerst lukratives Geschäft, das Jenke von Wilmsdorff auf der Jagd nach exklusiven Bildern unterstützt.
Freie Berichterstattung Fehlanzeige
Thomas Leif, Vorsitzender der Journalistenorganisation Netzwerk Recherche, beurteilt es gegenüber Zeit Online als «hochproblematisch», dass RTL Geld an illegale Schleuser gezahlt habe. Freie Berichterstattung sei so «de facto ausgeschlossen, weil in jedem Fall die Schleuser die Spielregeln der Berichterstattung bestimmen.»
Doch was ist bei Wilmsdorffs grenzwertigem Einsatz wirklich herausgesprungen? Moderatorin Birgit Schrowange und RTL Extra widmen dem Flüchtlingsthema immerhin ein Drittel der 75-minütigen Sendezeit. Einen Großteil des Flüchtlingbeitrags verbringen der Reporter und sein Kameramann Jan Kreuzt allerdings auf dem tunesischen Festland. Ausführlich dokumentiert der RTL-Mann seine Recherchen und verdeckten Erkundigungen, bis es ihm nach Tagen endlich gelingt, durch Kontaktpersonen eine Überfahrt gen Europa zu sichern, von einer Geldübergabe ist nichts zu sehen.
So nahe wie möglich an den Schicksalen der Flüchtlinge dran sein will Wilmsdorff, und rein physisch gelingt ihm dies zweifelslos. Gemeinsam mit 344 Flüchtlingen, die sich für je 2000 Dinar (umgerechnet 1000 Euro) die Überfahrt erkauft haben, finden sich schließlich auch der RTL-Reporter und sein Kameramann auf dem baufälligen, 22 Jahre alten Grenzboot. Zu sehen sind zusammengepferchte Menschen auf engstem Raum, ausgestattet mit der vagen Hoffnung auf einen Neuanfang in Europa.
Zugabe bei Stern TV
Seinen nahezu reißerischen Ankündigungen wird der Beitrag allerdings kaum gerecht. Wie auf einem Sklavenschiff sei es zugegangen, äußerte sich der RTL-Reporter nach der Überfahrt. «Die Menschen hockten wie Vieh auf engstem Raum, völlig ungeschützt vor Sonne, Regen und der nächtlichen Kälte an Deck. Hinzu kamen immer wieder plötzliche und willkürliche Drangsalierungen der Schiffscrew.»
Von all dem ist in den Fernsehbildern nur wenig zu sehen, zu stark sind die Restriktionen, die Wilmsdorff und seinem Kameramann auferlegt wurden. Den Kapitän und den Namen des Bootes dürfen die Reporter nicht filmen, auch Interviews mit den Flüchtlingen sind tabu. Eindringlich wird den Journalisten vor der Überfahrt klargemacht, dass sie sich sonst in Lebensgefahr begeben. Die Bedingungen bestimmen also die Schleuser, ein Zeichen dafür, dass Thomas Leif mit seiner skeptischen Prognose Recht behält.
Immerhin, die Brutalität und Gier der Schleuser lässt sich erahnen, wenn die kriminellen Männer kurz nach Beginn der Überfahrt in dunkelster Nacht trotz des großen Risikos in Küstennähe Halt machen, um noch hundert weitere Flüchtlinge auf das ohnehin schon volle Schiff zu laden. Statt der angepeilten 15 Stunden dauert die Überfahrt fast zwei Tage, dann erreicht das Boot die Küste von Lampedusa.
Beinahe abrupt endet hier der Beitrag des Journalisten. Ausgehärmte Gesichter von erschöpften, aber glücklichen Flüchtligen gibt es nicht zu sehen, ebenso wenig ist das zweistündige Verhör dokumentiert, dem Jenke von Wilmsdorff und Jan Kreuzt direkt nach der Ankunft zugeführt werden und bei dem sie der Polizei eine Zusammenfassung ihres Materials überlassen. So bleiben am Ende die Vorrecherchen Wilmsdorffs auf dem afrikanischen Festland und das Herantasten an die Schleuser über Mittelsmänner der interessantere Teil der Kurzreportage.
Von den Zuschauern wird das für Extra ungewohnt politisch-aktuelle Thema nicht goutiert. Mit lediglich 13,3 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe verzeichnet das Magazin den schwächsten Wert seit Sommer 2010, der Marktanteil beim Gesamtpublikum belief sich auf 10,7 Prozent.
Für den kommenden Mittwoch verspricht RTL eine Zugabe, die über die Hintergründe des miterlebten Flüchtlingsdramas aufschlussreicher sein dürfte als die realen Bilder. Dann ist Jenke von Wilmsdorff nämlich zu Gast bei Steffen Hallaschkas Stern TV.
kra/ivb/news.de
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Ich würde den Beitrag gerne sehen um mir ein noch besseres Bild machen zu können. Wo kann man diesen online sehen? Danke
jetzt antwortenKommentar meldenWas tut ihr alle so als wäre nicht bekannt das RTL - Bertelsmann Kriminelle sind. Mich wundert da nichts. Angezeigt gehört das Rotzpack und ins Gefängnis gesteckt und dann Schlüssel verlieren!
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