So., 27.05.12

«Der Plan» 07.03.2011 Baby, gib mir deine Hand

«Der Plan» (Foto)
Brauchen viel Puste: Matt Damon und Emily Blunt im Kinofilm Der Plan. Bild: Universal

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann

Rebellion gegen das Schicksal: In dem romantischen Thriller Der Plan fliehen Matt Damon und Emily Blunt vor Anzugträgern mit Notizbüchern. Die ziehen nämlich im Hintergrund die Strippen und haben was gegen Gesäusel und verliebte Blicke.

Wer immer in einer Serie roter Ampeln gestrandet ist, den Bus in letzter Sekunde verpasst hat oder auf dem Weg zum Date in einen Platzregen geraten ist, hat sich vielleicht schon einmal gefragt, ob da im Hintergrund ein Sadist die Fäden zieht, der einem das Leben zur Hölle macht. Für David Norris ist das kein Hirngespinst, sondern Wirklichkeit.

Im Kinofilm Der Plan entdeckt der aufstrebende Politiker Norris (Matt Damon), dass hinter der Fassade seiner Welt Männer mit Hüten Regie führen. Wie so oft, ist es der Zufall, der dem ehrgeizigen Mann die Augen öffnet: Er kommt zu früh zu einem Meeting und sieht, wie Anzugträger mit einem Strahler vor dem Gesicht seines reglosen Kollegen hantieren. Ein Blick genügt und eine ganz große Frage der Philosophie schiebt sich in seinen Fokus: Gibt es einen freien Willen?

Die Strippenzieher sind daran zu erkennen, dass sie einen gewichtigen Gesichtsausdruck machen, allesamt Hüte tragen und ständig in Kladden blicken. In den merkwürdig anachronistischen Notizbüchern schiebt sich ein rotes Band durch ein verästeltes Gerüst. Pulsierende Punkte zeigen den Männern an, welche Ereignisse es herbeizuführen und zu verhindern gilt. Ein Kuss auf dem Herrenklo kann da schon ein Katastrophe sein.

Haken statt Explosionen und Faustkämpfe

Es ist eine Geschichte im Geiste von Die Truman Show und auch deutliche Parallelen zur Bourne-Reihe schwingen mit, aber hier ist die Erkenntnis um die Fremdbestimmung eng mit einer Liebesgeschichte verknüpft: Norris verliebt sich in die schlagfertige Tänzerin Elise Sellas (Emily Blunt) - doch die Herren hinter den Kulissen haben offenbar etwas dagegen. Diese Liebe ist in dem Plan, den sie mit dem viel versprechenden Politiker vorhaben, nicht vorgesehen. Doch die Gefühle sind stärker als die Sabotage der Strategen und deshalb schnappt sich Norris Elises Hand, fest entschlossen, gegen das Schicksal zu rebellieren. Und das bedeutet erst einmal: rennen. Das verleiht dem Film Schmiss und sieht dabei auch noch ungeheuer romantisch aus. So richtig Sinn macht das allerdings nicht.

Trailer «Der Plan»
Anzugträger mit finsteren Absichten
Video: amg/news.de/Universal

Norris hat es nicht mit dem A-Team zu tun und deshalb gibt es hier auch keine Explosionen und Faustkämpfe, sondern der Held schlägt Haken wie ein Hase und setzt auf Köpfchen, beziehungsweise einen Hut. Hier gibt es Türen, die vom Dach eines Hochhauses auf ein Fußballfeld und von dort in das Museum of Modern Art führen.

Nur einen Atemzug entfernt warten schon die Herren mit den Kladden. Aber auch hier gibt es einen Fehler im System: Einer unter ihnen, Harry Mitchell, ist amtsmüde, Zweifel haben sich in den Fußsoldaten des großen Plans gegraben. Norris weiß das zu nutzen und sät revolutionäre Gedanken unter die Handlanger, die eigentlich nur ein Rädchen im Getriebe sein und keine Fragen stellen sollen.

Karriere oder Liebe?

Nebenbei hat Norris noch Herausforderungen in Herzensangelegenheiten zu bewältigen: Wie erklärt man einer Frau, dass man sie nicht anrufen konnte, weil Geheimagenten die Nummer verbrannt haben? Und dann muss er sich einer der ganz klassischen Beziehungsfragen stellen: Karriere oder Liebe?

Regisseur George Nolfi hat schon Drehbücher für Das Bourne Ultimatum oder Ocean's Twelve verfasst. Mit Der Plan gibt er jetzt sein Regie-Debüt und man merkt, dass der Mann sein Handwerk beherrscht. Dennoch verliert die Geschichte eine gute Portion ihres Reizes, weil sie sich mit zu viel emotionalem Gewicht belastet. Da wird erst ein weit verästeltes Netz eines spannenden Psychothrillers gespannt, um es dann mit Gesäusel über die Kraft der Liebe, die alles überwinde, wieder zuzukleistern. Schade, etwas weniger wäre hier mehr gewesen.

Dennoch beweist der Regisseur ein gutes Gespür für die Psychologie seiner Figuren und blättert besonders in seiner Hauptfigur Norris gekonnt die Facetten seiner Persönlichkeit auf. In der Öffentlichkeit strahlt sein Gesicht, er schüttelt Hände, greift entschlossen an das Rednerpult und sprüht seinen Charme über die Zuhörerschaft. Schön ist, wie Nolfi diese Szenen mit Momenten kontrastiert, in denen der aufstrebende Politiker allein ist.

Das Papierchen in den Händen

Dabei beweist er ein gutes Gespür für vielsagende Details: Das Papierchen, das Norris gedankenverloren in den Händen dreht, bevor er die Bühne für seine große Wahlkampfrede betritt. Der Atemzug, der ihm entweicht und das breite Kreuz in sich zusammensinken lässt, wenn die Hotelzimmertür hinter ihm zufällt. Mit all diesen sensiblen Beobachtungen zeichnet der Regisseur ein komplexes Bild seines Helden. Das bringt dem Zuschauer die Figur näher, zeigt ihre Verletzlichkeit und macht es leicht, sich mit dem Schicksal dieses Mannes zu identifizieren.

Emily Blunt spielt ihre Rolle mit Witz und Natürlichkeit und gibt damit ein wunderbar frisches Gegengewicht zu dem etwas hüftsteifen Politiker ab. Die Liebe nimmt man diesem Paar ganz selbstverständlich ab, so entspannt gehen Blunt und Damon miteinander um.

Auch wenn manches in diesem Film recht plakativ geraten ist, gelingt es den Hauptdarstellern mit ihrem herrlich lockeren Spiel, den Zuschauer für sich einzunehmen. Dabei darf der Politiker der wunderbaren Elise eine sehr rührende Liebeserklärung machen, nachdem er sie monatelang gesucht und endlich auf der Straße wiedergetroffen hatte: «Ich habe ‹Elise› gegoogelt, aber keiner unter den Millionen Einträgen warst du.» Und dann ist auch die Geschichte mit der verbrannten Telefonnummer nicht mehr so wichtig.

Titel: Der Plan
Regie: George Nolfi
Darsteller: Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie
Filmlänge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Universal
Kinostart: 10. März 2010

wie/ivb/news.de
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