Surftipp Wucht in Interviews

Kunstschatz auf 1990er-Jahre-Webseiten: Der Autor André Müller hat sagenhafte Interviews geführt und sie alle online dokumentiert. Darunter auch einige, die er nicht veröffentlichen durfte. Für Eilige ist dieser Surftipp also nicht unbedingt geeignet.

André Müller (Foto)
Die graueste Webseite der Welt? Bild: news.de, Screenshot (http://www.a-e-m-gmbh.com/andremuller/)

Es ist die vielleicht schrägste Internetadresse eines großen Künstlers: www.a-e-m-gmbh.com lautet die URL der Web-Präsenz, auf der die Texte des österreichischen Journalisten André Müller online sind. Die Seite in gutem alten 1990er-Jahre-Webdesign (Frames!) lässt jedenfalls nicht gerade erahnen, dass sich irgendwo hinter einem bescheidenen «/andremuller» die mit Sicherheit großartigsten Interviews des deutschen Sprachraums versteckt haben.

Doch Vorsicht ist geboten. Denn diesen Schatz sollte man mit Bedacht heben. Angesichts der Müllerschen Wucht besteht Gefahr, sich eher später als früher daran zu verheben und Stunde um Stunde mit der Lektüre zu verbringen, ohne aus dem feuilletonistischen goldenen Käfig, den Müller um seine Gesprächspartner und um seine Leser baut, entrinnen zu können. Eine Einführung in den weiten Kosmos der Müllerschen Kunst (mit Wucht) ist derweil mit Volker Weidermanns Porträt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung möglich und dringend angeraten.

Der Schatz im Netz enthält einen wahren Giftschrank an Gesprächen, die im besten Fall morbide und im allerbesten Fall fulminant sind. So auch das mythenumrankte Interview mit dem Maler Gerhard Richter, das Müller nicht autorisiert bekam und daraufhin kurzerhand für das SZ Magazin nacherzählte. Dieser Text enthält zudem das schönste Wort, das im Internet je publiziert wurde. Es steht direkt über dem strengen Warnhinweis am unteren Ende der Seite.

boi/ivb/news.de

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