Von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer
Charlie Sheen schlittert mit rasanter Geschwindigkeit auf einen Abgrund zu. Seine jüngsten Eskapaden lassen nur einen Schluss zu: Dem Mann ist nicht mehr zu helfen. Dank peinlicher Interviews und durchgeknallter Twitter-Meldungen sorgt er täglich für neue Schlagzeilen.
Sein Haar ist zerzaust und wird vom Festiger nur notdürftig im Zaum gehalten. Seine Augen sind weit aufgerissen, immer wieder zieht er nervös an einer Zigarette, sein Gesicht zuckt seltsam und selbst eine dicke Schicht Make-up kann es nicht überdecken: Charlie Sheen geht es nicht gut. Während der Interviews, die er Anfang der Woche verschiedenen amerikanischen TV-Sendern gab, macht der höchstbezahlte Fernsehschauspieler der Welt (1,8 Millionen US-Dollar pro Episode) einen stark verwirrten Eindruck.
Im Sog der Filmbranche
Die Interviews sind der vorläufige Höhepunkt eines Mannes außer Rand und Band. Charlie Sheen wurde 1965 als Carlos Irwin Estévez in New York geboren. Er ist der Sohn von Schauspieler Martin Sheen und der Bruder von Emilio Estévez, der ebenfalls im Filmbusiness erfolgreich ist. Und wie es in Hollywood-Schauspielerfamilien nicht selten vorkommt, geriet auch Charlie Sheen ganz schnell in den Sog der Filmbranche. Schon während seiner High-School-Zeit drehte er zusammen mit seinem Bruder, Rob Lowe und Sean Penn Super-8-FilmeSuper-8 ist ein Schmalfilm-Formta, das 1965 von Kodak eingeführt und hauptsächlich im privaten Bereich genutzt wurde, um Familienfeste oder Urlaube in bewegten Bildern festzuhalten. Heute wird es nur noch selten verwendet. . Seine erste große Rolle hatte er in Oliver Stones Vietnamkriegs-Drama Platoon. Wenig später besetzte ihn der Regisseur auf eine der beiden Hautprollen in Wall Street. Von da an gehörte Sheen fest zur Stammbesetzung Hollywoods.
Gleichzeitig begann er auch mit seinem Privatleben für Schlagzeilen zu sorgen. Bereits mit 19 wurde er Vater einer Tochter, datete zwei Jahre lang eine Pornodarstellerin und schoss seiner Verlobten Kelly Preston (sie ist seit 1991 mit John Travolta verheiratet) in den Arm. Zwischendurch checkte er immer wieder mal in verschiedene Enzugskliniken ein, litt angeblich unter Sexsucht und drehte Filme wie Hot Shots und Scary Movie 2.
Der Beginn der Ausraster
2002 heiratete er das ehemalige Bond-Girl Denise Richards und bekam mit ihr die beiden Töchter Sam und Lola. Kurz vor der Geburt des zweiten Mädchens reichte Richards plötzlich die Scheidung ein und Sheens Ausraster begannen regelmäßig stattzufinden. Zunächst lieferte er sich einen erbitterten Sorgerechtsstreit mit seiner Frau Denise. Dann heiratete er die Immobilienmaklerin Brooke Mueller und wurde erneut Vater zweier Söhne. Während der Weihnachtsfeiertage 2009 ging ein Notruf bei der Polizei in Aspen ein. Ein Mann solle seine Frau mit einem Messer bedroht haben. Als die Polizei am Tatort erschien, trafen sie auf die gerade einmal einjährigen Zwillinge Bob und Max sowie auf Sheen und seine Frau Brooke, die beide keinen nüchternen Eindruck machten.
Brooke Mueller zeigte ihren Mann an. Dieser reichte die Scheidung ein. Nach dem Vorfall in Aspen machten beide eine Entziehungskur und die Situation schien sich zu bessern. Bis zum 26. Oktober letzten Jahres. An diesem Tag wurde Sheen erneut festgenommen, weil er im New Yorker Plaza Hotel unter Drogen- und Alkoholeinfluss randaliert hatte. Besonders pikant: Im Schrank seiner Suite war eine Pornodarstellerin eingesperrt. Nach einer weiteren Drogennacht im Januar dieses Jahres, die für Charlie Sheen im Krankenhaus endete, entschied er sich erneut für einen Entzug. Er versprach, alles zu tun, um so schnell wie möglich am Two and a Half Men-Set zurück zu sein. Der amerikanische Sender CBS, der Two and a Half Men produziert, setzte die Produktion der Serie vorerst aus.
«Verpestete Made»
Nur wenige Wochen nach Sheens großspuriger Rede verließ er die Klinik schon wieder, um den Entzug zu Hause fortzusetzen. CBS weigerte sich aber, mit dem Dreh zu beginnen, bis Sheen seinen Entzug abgeschlossen hätte. Daraufhin begann er in wirren Radiointerviews, den Produzenten der Sendung, Chuck Lorre, wüst zu beschimpfen. Dieser wiederum hatte bald genug. Schließlich hätten er und der Sender CBS zu dem Schauspieler gestanden, als es ganz danach aussah, dass er wegen des Angriffs auf seine Noch-Ehefrau ins Gefängnis wandern würde. Sie verlängerten in dieser Zeit sogar seinen Vertrag um zwei weitere Jahre. Und dann kam Sheen und beschimpfte ihn als «verpestete Made». Daraufhin wurde die Produktion der Serie nicht einfach nur auf Eis gelegt, sie wurde vorläufig beendet.
Sheen reagierte wie ein wilder Stier auf ein rotes Tuch. Er verklagte CBS auf 300 Millionen Dollar Schadenersatz und ließ sich von mehreren amerikanischen Sendern - alles Konkurrenten von CBS - interviewen. Dabei gab er Einblicke in die kaputte Welt eines gefallenen Stars. Auf die Frage, ob er Drogen nehme, antwortete er: «Die einzige Droge, die ich nehme, heißt Charlie Sheen. Die vertrage nur ich. Jeder andere würde daran sterben.» Angst, an einer Drogenüberdosis zu sterben, habe er nicht: «Ich habe keine Angst, weil ich ich bin und ich überlebe. Sterben ist nur etwas für Narren. Ich bin zu schlau, um zu sterben.» Und auf seine Drogenpartys und deren Folgen für seine Freunde angesprochen sagte er allen Ernstes: «Ich bin stolz auf diese Partymomente und ich mache mir keine Gedanken um die Folgen, die es für meine Freunde haben könnte. Ich habe dafür gesorgt, dass sie die schönsten Momente ihres Lebens haben. Ich biete ihnen Magie.»
Charlie Sheens Niedergang ist Unterhaltung
Darüber hinaus ließ sich Sheen in seinem Zuhause filmen, das er sich mit seinen beiden Gespielinnen, einem Model und einer Pornodarstellerin, teilt. Vor der Kamera spielten die «Göttinnen», wie er sie nennt, mit seinen beiden Zwillingssöhnen. Dies nahm Brooke Mueller zum Anlass, ihrem Noch-Ehemann das Sorgerecht im Eilverfahren entziehen zu lassen. Wie kaputt Sheen ist, zeigt seine Reaktion darauf. Statt sich persönlich bei ihr zu melden, rief er sie über die Medien auf, sich noch einmal mit ihm zusammen zu setzen. Außerdem soll er im regen SMS-Kontakt mit der Zeitschrift People stehen.
Seit dem 2. März hat der derangierte Schauspieler nun auch noch einen eigenen Twitter-Account, über den er mittlerweile rund zwei Millionen Menschen an seinen Ausfällen teilhaben lässt. Die Menschen, die ihm über den Mikroblogging-Dienst folgen, tun dies eher weniger, weil sie ihn unterstützen, sondern weil sie unterhalten sein wollen. Und keiner tut das momentan so gut wie Sheen.
Medienexperte Jo Groebel erklärt news.de das Phänomen Charlie Sheen: «Private Eskapaden in der Unterhaltungsindustrie haben einen gewissen Reiz. Leute, die sich für die schräge Persönlichkeit des Charlie Sheen begeistert haben, werden darin jetzt noch bestärkt. Viele denken wahrscheinlich, das ist so ein Revolutionär, der es ‹denen da oben› noch mal zeigt.» Dazu kommt, dass Sheen in seinem Privatleben nur das fortführt, was seine Rolle Charlie Harper in der Serie Two and a Half Men tut. Nach wie vor erreicht die Serie Millionen Fernsehzuschauer.
Charlie Sheen hat gesagt, er sei zu schlau zum Sterben. Wenn er so weiter macht, wird er ganz sicher bald der Dumme sein.
eia/ivb/news.de
habe ich ich richtig gelesen? "(1,8 Millionen US-Dollar pro Episode)"!!! Jetzt frege ich mich! Wer ist wirklich durchgeknallt? Charlie Sheen oder US-Fernsehen?
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