Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Slapstick mit dem Gummigesicht: Jim Carrey war Der Grinch, Die Maske und Der Dummschwätzer. In Der Ja-Sager spielt er einen Totalverweigerer in der Sackgasse. Der Film bietet Unterhaltung mit anrührenden Momenten.
Ein kleines Wörtchen kann das Leben verändern. Es heißt «Ja». Aber das Wörtchen will Carl einfach nicht in den Mund nehmen. Er bevorzugt «Nein, nein, nein». In dem Film Der Ja-Sager, der 2009 erfolgreich in den Kinos lief, spielt Jim Carrey einen pessimistischen, übervorsichtigen Bankangestellten. Carl täuscht seinen Freunden ein funktionierendes Sozialleben vor, während er zu Hause auf dem Sofa liegt und seiner Verlobten nachtrauert, die ihn vor langer Zeit verlassen hat. Ein Selbsthilfeseminar, selbstherrlich geführt von dem grandios diabolisch drein blickenden Terence Stamp, befiehlt dem Miesmacher, ab sofort alle Möglichkeiten anzunehmen, die das Leben so bietet.
Das Szenario gleicht ein wenig dem Leben von Jim Carrey. Nur dass der Schauspieler der Außenwelt nichts vormachte, als er sich vor einem Jahr von dem früheren Playmate Jenny McCarthy trennte und dies ebenso wie seinen Liebeskummer per Twitter publik machte. Inzwischen scheint sich der 49-Jährige wieder gefangen zu haben. Erst kürzlich brachte er alle Welt durch seinen Auftritt in einer amerikanischen TV-Show zum Lachen. Carrey machte sich in der Sendung minutenlang über das Ballettdrama Black Swan lustig und gab die Ballerina im schwarzen Tutu.
Auch in Der Ja-Sager hat der Zuschauer reichlich Gelegenheit zum Schmunzeln und Lachen, auch wenn der Film einige ernste, anrührende Momente enthält. In einem Interview sagte Carrey, dass er die Botschaft des Films - «Sag zu allem Ja und das Leben wird bunt» - teilt: «Ich sage ‹Ja› zu dem, was ist, und zu dem, was kommt. Denn ich glaube, das, was auf mich zukommt, ist gut.»
Das klingt nach einer großen Portion «Yes I can»-Lebensphilosophie. Im Film führt das dazu, dass Carl alle Kreditanträge in der Bank bewilligt, einen Obdachlosen durch die Gegend chauffiert, ein süßes Mädchen (Zooey Deschanel) an der Tankstelle kennen lernt oder Koreanisch und Gitarre spielen lernt. Die Richtung ist klar: Wenn Carrey Gitarre lernt, wird er mit dieser neuen Fähigkeit wenig später einen Selbstmörder retten. Die drei Drehbuchschreiber Nicholas Stoller, Jarrad Paul und Andrew Mogel sowie Star-Regisseur Peyton Reed behalten eine stimmige Linie bei, schicken ihren Star in verwegene Slapstick-Situationen, gerne auch unterhalb der Gürtellinie, schenken ihm aber auch allerlei charmante Momente.
Dem Zuschauer mag das Strickmuster bekannt vorkommen, erinnert es doch an Der Dummschwätzer, in dem Carrey durch Magie dazu verdonnert wird, immer die Wahrheit zu sagen. Jetzt muss er immerzu «Ja» sagen. Es gibt aber noch mehr Parallelen: Wie schon in Der Dummschwätzer verwandelt sich das Leben der Hauptfigur in Der Ja-Sager von einem Tag auf den anderen. Und wie schon Der Dummschwätzer hat auch Der Ja-Sager eine originelle Grundidee, die im ersten Teil des Films auch recht unterhaltsam umgesetzt wird. Doch irgendwann plätschert die Handlung nur noch vor sich hin; satirische Ansätze wie der bitterböse Seitenhieb auf Amerikas Terrorismus-Paranoia verlaufen ins Leere. Statt überbordender Slapstick hätte dem Film mehr Tiefe gut getan.
Dass Der Ja-Sager dennoch sehenswert ist und einen vergnüglichen TV-Abend garantiert, liegt an den Darstellern. Carrey zeigt sich in Bestform und ist ganz in seinem Element. Bradley Cooper, der vor allem als Lover von Renée Zellweger (mit der Schauspielerin war auch Carrey mal liiert) bekannt ist, ist als Carls wohlmeinender Kumpel etwas mehr als der übliche langweilige Normalo; er spielt glaubhaft und sorgt für angenehme Bodenhaftung. Und dank der bezaubernden Zooey Deschanel (bekannt als WG-Genossin von Sarah Jessica Parker in Zum Ausziehen verführt) kommt die Romantik nicht zu kurz, sie verleiht der Figur Allison einen verhuschten Charme und eine gute Portion Verletzlichkeit. Die Chemie zwischen ihr und Carrey stimmt – trotz des auffälligen Altersunterschieds.
Vielleicht kann der Zuschauer neben der Freude über den finalen Kuss von Carrey und Deschanel noch eine kleine Botschaft mitnehmen, die Carrey von sich gibt: «In der Regel bedauern wir selten Dinge, die wir bejahen, vielmehr schauen wir später zurück und resümieren, dass wir an manchen Stellen ein wenig mehr hätten leben sollen.»
Titel: Der Ja-Sager
Regie: Peyton Reed
Darsteller: Jim Carrey, Zooey Deschanel, Bradley Cooper und andere
Sendetermin: Donnerstag, 3. März, 20.15 Uhr, Sat.1