Leute Schriftsteller und Holocaust-Überlebender Arnost Lustig gestorben

Der tschechische Schriftsteller und Schoah-Überlebende Arnost Lustig ist am Samstag in Prag gestorben. Das berichtete die Nachrichtenagentur CTK unter Berufung auf Vertreter seines Verlags.

Schriftsteller und Holocaust-Überlebender Arnost Lustig gestorben (Foto)
Schriftsteller und Holocaust-Überlebender Arnost Lustig gestorben Bild: dpa

Prag (dpa) - Der tschechische Schriftsteller und Schoah-Überlebende Arnost Lustig ist am Samstag in Prag gestorben. Das berichtete die Nachrichtenagentur CTK unter Berufung auf Vertreter seines Verlags.

Der Autor, dessen Bücher auch auf Deutsch erschienen sind, erlag im Alter von 84 Jahren einer Leukämie-Erkrankung. Als Jugendlicher überlebte Lustig die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Buchenwald. Beim Transport in das Lager Dachau gelang ihm die Flucht. Sein Vater starb in Auschwitz.

Lustigs furchtbare Erlebnisse gaben den Anstoß zu mehr als einem Dutzend Romanen, Erzählungen und Drehbüchern, die den Holocaust und die menschenverachtende NS-Herrschaft anprangern. «Jeder Autor kann nur über das schreiben, was ihm vertraut ist, was unter seiner Haut steckt», sagte Lustig einmal. Er debütierte mit den Erzählbänden «Nacht und Hoffnung» 1957 und «Diamanten der Nacht» im folgenden Jahr, die beide als Vorlagen für Filme dienten.

Einer seiner letzten Romane erschien 2007 in deutscher Übersetzung im Berlin-Verlag. «Deine grünen Augen» thematisiert die Zwangsprostitution unter der Nazi-Herrschaft. Protagonistin ist die 15-jährige jüdische Gefangene Hanka Kaudersova, die in einem Feldbordell deutsche Soldaten bedienen muss. Es sei ein wichtiger Roman, der aber auch zeige, dass die literarische Darstellung des Holocaust eine «ästhetische, politische und emotionale Gratwanderung» sei, schrieb ein Rezensent.

Lustigs Bücher, die in Tschechien zum Schulkanon gehören, sind keine leichte Lektüre. Immer wieder wirft der Autor Fragen darüber auf, wie sich Menschen in Extremsituationen auf Leben und Tod verhalten. Lustig zeigt, wie es den Opfern der nationalsozialistischen Willkürherrschaft gelingt, aufgrund einer inneren Kraft allen Erniedrigungen zum Trotz ihre Würde zu bewahren.

Nach dem Krieg arbeitete Lustig zunächst als Journalist für Zeitungen und den Rundfunk der damaligen Tschechoslowakei. Als Reporter berichtete er 1948 über den israelisch-arabischen Krieg. Nach der Zerschlagung des Prager Frühlings 1968 emigrierte er nach Israel und zog dann in die USA, wo er an der American University in Washington einen Lehrstuhl für Literatur, Film und Judaistik übernahm.

In den 90-er Jahren wirkte der von Bekannten als «Lebemann» beschriebene Lustig für zwei Jahre als Chefredakteur der tschechischen «Playboy»-Ausgabe. Im Jahr 2003 kehrte er endgültig in seine Heimatstadt Prag zurück. Lustig war mehrmals für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch. Vor drei Jahren erhielt er in Prag den Franz-Kafka-Literaturpreis.

news.de/dpa

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