So., 27.05.12

Durchgehört 27.02.2011 Leben im 4/4-Takt

Während Ghost Of Tom Joad auf ihrem neuen Album eine riesige Bandbreite abseits des Gitarreneinerleis zeigen, setzen die Dropkick Murphys auf Altbewährtes: bierseligen Dudelsackpunk. Und auch die Itchy Poopzkid mögen es etwas härter, lauter und schneller.

My Body Is A Drum Machine heißt der zweite Song auf Black Musik. Henrik Roger, Frontmann von Ghost Of Tom Joad, thematisiert darin seine lebenslange Besessenheit, sein Leben für die Musik. «My heart beats / in 4/4 time», heißt die Selbsterkenntnis. Diese Zeile kann durchaus als Credo für das gesamte Album gelten: Black Musik macht deutlich, wie sehr Ghost Of Tom Joad die Musik lieben – und vor allem all die Ausdrucksmöglichkeiten, die sie bietet.

Das Trio aus Münster zeigt auf seinem dritten Album eine riesige Bandbreite. Die Sozialisation ist hier immer Rock, doch die Produktion ist ganz oft HipHop. Fast alles auf Black Musik ist tanzbar, ambitioniert und von einer Pop-Sensibilität und Eleganz durchzogen, wie man das sonst vielleicht von Nada Surf oder den Shins kennt.

Was der Platte fehlt, ist ein roter Faden. Der auch im Albumtitel angedeutete Flirt mit Unrock reicht nicht als eine Klammer, die aus Black Musik mehr macht als eine lose Sammlung guter Songs. Trotzdem: eine gekonnte Flucht aus dem Gitarreneinerlei.

Interpret: Ghost Of Tom Joad
Album: Black Musik
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: 25. Februar 2011

 

Energiegeladen und leidenschaftlich präsentieren sich die Itchy Poopzkid auf ihrem vierten Studioalbum Lights Out London, das sie dieser Tage auf dem bandeigenen Label Findaway Records veröffentlichen. Live eingespielt, rummst sich bei den zwölf Songs die Rhythmusfraktion deutlich in den Vordergrund. Auf Saiten der Gitarre wird es nur selten wirklich melodiös. Diese Aufgabe übernehmen die beiden Gesangsstimmen des schwäbischen Dreiers, verstärkt durch breite Riffs.

Mal sind Hardcore-Elemente zu vernehmen, mal erklingt klassischer Punk, dann etwas Ska oder gar Crossover der frühen Stunden. Und vor allem ganz viel Rock: «Is it on? A new noise to wake up the dead / Is it on? The beat pumping inside your head / Is it on? Quiet nights are forever gone», bringt es Chanteur und Gitarrist Sebastian «Sibbi» Hafner auf den Punkt. Wobei sich Lights Out London textlich nicht nur mit der stimmungsfördernden Wirkung von Musik beschäftigt, sondern vor allem mit Einsamkeit und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Auch sozialkritisch werden die spielfreudigen Itchy Poopzkid: Mit der ersten Single Why Still Bother – einem Song, den die Band für die Tierschutzorganisation WDCS geschrieben hat, um diese im Kampf gegen den zunehmenden Unterwasserlärm zu unterstützen. Ein Kandidat für die zweite Auskopplung könnte Down Down Down sein – eine eingängige Ohrwurm-Schrammelnummer mit Pop-Appeal: definitiv massenkompatibel. Denn das sind sie schon.

Während der Aufnahmen saß noch Tobias «Saikov» Danne am Schlagzeug, der die Band jedoch Anfang des Jahres verlassen hat und durch Max Zimmer ersetzt wurde, den langjährigen Drum- und Lichttechniker. Gemeinsam mit «Sibbi» und Bassmann Daniel «Panzer» Friedl geht es Ende März auf Tour. Und vielleicht gelingt es der Band ja dann, live ein bisschen weniger nach Billy Talent zu klingen? Das würde den Songs gut tun.

Interpret: Itchy Poopzkid
Album: Lights Out London
Plattenfirma: Findaway Records
Erscheinungsdatum: 25. Februar 2011

 

Keine Überraschung! Die Dropkick Murphys machen auf Going Out In Style das, was sie seit jeher am besten können: irische Folklore mit energetischem Punkrock mixen. Und tiefste Melancholie mit allerbester Partylaune. So oder so scheint der Griff zum nächsten Pint unumgänglich. Die 13 meist hymnenhaften Songs laden jedenfalls dazu ein.

Zum Mitsingen oder -gröhlen. Zum Tanzen oder Sich-Rumschubsen. Dazu, sich gemütlich zuzuprosten oder bierselig in die Arme zu fallen. Gut 45 Minuten dauern die ausgelassenen Feierlichkeiten mit dem Dudelsackpunk-Soundtrack. Illustre Gäste sind NOFX-Sänger Fat Mike, Chris Cheney von The Living End sowie der Schauspieler und Komiker Lenny Clarke. Das war's aber noch nicht mit der bandexternen Prominenz am Mikro: Beim Traditional Peg O' My Heart leiht Bruce Springsteen, «The Boss» höchstpersönlich, den Bostonern seine Stimme.

Inhaltlich sieht sich Going Out In Style in der großen Tradition alter Geschichtenerzähler wie James Joyce. Die Dropkick Murphys erzählen die fiktive Geschichte des Auswanderers Cornelius Larkin, die den Hörer durch das Album begleitet. Mit Cruel, Broken Hymns und 1953 schlagen sie dabei auch mal ruhigere Töne und Takte an. Die meiste Zeit darf sich jedoch schnellstmöglich im Kreis gedreht werden. So etwa auch zum Abschluss des siebten Studioalbums der sieben Bostoner: Wenn sie den irischen Standard The Irish Rover in eine geradlinige Punknummer verwandeln. Das Konzept geht also mal wieder auf. Nur ist altbewährt eben auch alles andere als neu.

Interpret: Dropkick Murphys
Album: Going Out In Style
Plattenfirma: Cooking Vinyl (Indigo)
Erscheinungsdatum: 25. Februar 2011

wie/mik/news.de
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