Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Alte Fronten wiederbelebt: Judith Holofernes, Frontfrau von Wir sind Helden, möchte nicht für die Bild-Zeitung werben. Ihr wütender Schrei gegen das Boulevardblatt ruft Kritiker auf den Plan. Doch die liegen meilenweit daneben.
Die Bild-Zeitung lässt seit vielen Monaten Prominente für sich werben. Nun wurde auch Judith Holofernes, Sängerin der Band Wir sind Helden, für diese Lobhudelei angefragt. Die Antwort auf diese Anfrage der Werbeagentur Jung von Matt veröffentlichte Holofernes auf der Webseite der Band. Um es kurz zu machen: Sie schreibt wütend und mit viel Anlauf, aber auch mit vielen Argumenten gegen diese Kampagne der Bild-Zeitung an. Ihr Kernsatz: «Ich glaub, es hackt.»
So viel zur Vorgeschichte. Stefan Winterbauer, Medienjournalist beim Branchendienst Meedia, attestiert Holofernes daraufhin «billige Eigen-PR». Es sei zudem ein «billiger Anti-Bild-Reflex» mit der Absicht, sich «den Applaus der Netzgemeinde abzuholen». Nun, das kann man so sehen. Komisch nur: Stefan Winterbauer möchte mit seiner Schelte-Schelte offensichtlich auch Applaus. Den bekommt er bislang nicht.
Dabei tut es gut, alte Fronten wieder in Form zu sehen. Und wenn jemand so erfrischend klar wie Holofernes seine Meinung zu einer kontroversen Kampagne kundtut, ist das in der Duckmäuserbranche Unterhaltung die eigentliche Sensation und sollte nicht mit dem billigen Reflex, «billiger Reflex» zu rufen, abgetan werden. Zumal es sich nicht schickt, David vorzuwerfen, dass er doch nur gegen Goliath kämpfe, weil Goliath so übermächtig ist und nur auf die viele Publicity aus sei.
Vorsicht ist in jedem Falle geboten. Denn wer wie Winterbauer die Bild-Zeitung pauschal gegen jede Kritik in Schutz nimmt, darf in den Fällen, in denen die Redaktion lebensgefährliche Fehler macht, wie unlängst im Fall der Bild-am-Sonntag-Reporter im Iran, auch keine Kritik üben. Und die Redaktion macht viele Fehler.
kas/reu/news.de