Von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer
Zu den Oscars gehen Hollywoods Filmschaffende gern. Bei der einen Tag zuvor stattfindenden Verleihung der Goldenen Himbeere lässt sich dagegen selten ein Star blicken. Der Grund: Mit dem Golden Raspberry Award werden besonders schlechte Leistungen im Filmbusiness ausgezeichnet.
Gerade einmal zehn Gewinner haben sich diesen Filmpreis seit der ersten Verleihung persönlich abgeholt. Während sich die Schönen und Eitlen bei anderen Filmpreisen wegen des großen Andrangs fast auf die Füße treten, findet die Verleihung der «Goldenen Himbeere» fast immer nur vor der Jury und den Journalisten statt. Welcher Star nimmt auch schon gern einen Preis für die schlechteste Leistung entgegen?
Halle Berry hat es getan. Drei Jahre nachdem sie den Oscar bekam, wurde ihr 2004 die «Goldene Himbeere» verliehen. In ihrer Dankesrede persiflierte sie die 2001 gehaltene Oscar-Rede. Der Gründer des etwas anderen Filmpreises, John Wilson, zeigte sich damals beeindruckt: «Eigentlich hätte sie dafür einen Oscar verdient.»
Madonna und Sylvester Stallone: Schlechteste Leistungen des Jahrhunderts
Humor bewies auch Sandra Bullock, die im letzten Jahr nur einen Tag bevor sie mit dem Academy Award ausgezeichnet wurde, die «Goldenen Himbeere» für ihre Schauspielleistung in Verrückt nach Steve entgegen nehmen durfte. Sie erschien mit einem Handwagen, auf den sie DVDs ihres Filmes gepackt hatte. «Sie können meinen Film nicht angeschaut haben, sonst würde ich hier nicht stehen. Ich gebe Ihnen allen eine DVD, dann schauen Sie sich den Film noch einmal an. Und ich verspreche, im nächsten Jahr wieder zu kommen und meinen Golden Raspberry-Award zurück zu geben.» Sandra hatte gut lachen. Schließlich hatte sie da bereits einen Golden Globe für The Blinde Side gewonnen und galt als große Favoritin für den Oscar.
Auch Bill Cosby, Tom Green, Regisseur Paul Verhoeven und Tom Selleck hatten den Schneid, sich den Anti-Oscar abzuholen. Die meisten der Gewinner tauchten zur Verleihung natürlich nicht auf. Selbst als Madonna und Sylvester Stallone zur schlechtesten Hauptdarstellerin und zum schlechtesten Hauptdarsteller des Jahrhunderts gewählt wurden, nahmen sie die Preis nicht entgegen.
Die erste Verleihung fand im Wohnzimmer statt
Die Idee zu diesem etwas anderen Preis kam John Wilson 1980, als er sich eine 99-Cent-Doppelvorstellung der Filme Xanadu und Supersound und flotte Sprüche angeschaut hatte. In Xanadu versuchen Musen aus der griechischen Mythologie eine Rollschuh-Disco zu eröffnen. Bei Supersound und flotte Sprüche handelt es sich um eine fiktive Musical-Biografie der Village People. Im Interview mit Spiegel Online sagte John Wilson dazu: «Es war so unterirdisch, dass ich meine 99 Cent zurück wollte.»
Die erste «Verleihung» fand am Abend der Oscar-Verleihung 1981 in John Wilsons Wohnzimmer statt. Seine Freunde hielten Reden auf die von ihnen gewählten Preisträger. Einen Tag später verschickte Wilson eine Pressemitteilung, die allerdings nur von einer Zeitung aufgegriffen wurde. Das änderte sich vier Jahre später. Da verlegte Wilson die Golden-Raspberry-Zeremonie auf den Abend vor den Oscars. Dann nämlich waren bereits alle Journalisten in der Stadt, hatten aber nichts zu tun. Das Konzept ging auf. Die «Razzies» stehen mittlerweile dick in den Kalendern der Filmjournalisten.
Der Name des Preises leitet sich von der amerikanischen Redewendung «to blow a raspberry» ab. Diese bezeichnet das Flattern der Lippen auf herausgestreckter Zunge, was ein in allen Ländern verständliches Zeichen für Verhöhnung ist. Und Raspberry bedeutet Himbeere. Der Preis an sich besteht übrigens aus einer Kunststoffhimbeere, die auf eine Super-8-Filmrolle geklebt und gold angesprüht wird. Der Materialwert der «Goldenen Himbeere» beträgt demzufolge ungefähr sechs Dollar. Bill Cosby, der den «Razzie» für den Film Cosby – Die Superkanone entgegennahm, ließ sich angeblich eine eigenen Preis aus 24-karätigem Gold und italienischen Mamor nachfertigen. Dieser soll dann allerdings 27.500 Dollar wert gewesen sein.
Vampirfilme kommen bei der «Razzie»-Jury besonders gut an
Zu den bekanntesten Preisträgern, den die Ehre einer «Goldenen Himbeere» zuteil wurde, gehören unter anderem Tom Cruise, John Travolta und Bo Derek. Tom Cruise bekam seinen «Razzie», obwohl er nicht einmal für einen Film nominiert war. Sein legendärer Auftritt in der Show von Oprah Winfrey brachte ihm die Auszeichnung «Ermüdendstes Ziel der Klatschpresse» ein.
car/news.de